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Gifhorn Stadt Von wegen „Stille Nacht“: Corona beschert Gifhorner Pastoren Dauerstress
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Von wegen „Stille Nacht“: Corona beschert Gifhorner Pastoren Dauerstress

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19:00 18.12.2020
Auch vor den Kirchen macht Corona nicht halt: Die Gemeinden in Gifhorn und Umgebung müssen wegen der aktuellen Lage immer wieder ihre Weihnachtsgottesdienste umplanen oder gar absagen.
Auch vor den Kirchen macht Corona nicht halt: Die Gemeinden in Gifhorn und Umgebung müssen wegen der aktuellen Lage immer wieder ihre Weihnachtsgottesdienste umplanen oder gar absagen. Quelle: dpa
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Gifhorn

Dem Corona-Virus ist nichts heilig: Hatten die Gifhorner Kirchengemeinden vor wenigen Tagen schon durchgeatmet und ihre Termine und Regelungen für die Weihnachtsgottesdienste in Umlauf gesetzt, so steht seit Mittwoch alles wieder in Frage.

Eine Meldung mit Strahlkraft kam am Donnerstagmorgen. Michael Groß, Pastor der Nicolai-Gemeinde, verkündet eine weitreichende Entscheidung: „Wir müssen den Open-Air-Gottesdienst an Heiligabend auf dem Marktplatz absagen und in die Kirche verlegen.“ Er weiß um die Dimension. „Hier kommen sonst bis zu 1500 Menschen. Das ist aber unter den jetzigen Bedingungen nicht mehr zu kontrollieren.“ Ein bisschen Fatalismus schwingt mit, als er sagt: „Wer weiß, ob die neuen Regelungen so bleiben werden. Ganz genau lässt sich das wohl jetzt noch nicht sagen.“

„Das ist einfach anstrengend“

Was gestern noch geplant war, kann morgen schon überholt sein. Auch Georg Julius, Pastor der Paulus-Gemeinde, kennt im Moment fast nur eines: Zum x-ten Male ist jetzt alles umgeplant. „Das ist einfach anstrengend.“ Bis hin zum Gedanken, dass die Sorge vor Corona noch so wächst, dass niemand mehr zum Gottesdienst kommt, geht es gerade bei ihm. Ob sich seine Predigt inhaltlich stark um Corona dreht, an den Gedanken konnte er noch gar keine Zeit investieren. „Mitschwingen wird es sicher schon.“ Auf jeden Fall sei es schon „etwas Privilegiertes“, in diesen Zeiten überhaupt Gottesdienst feiern zu können. Weihnachten sei mehr als Heiligabend. Am ersten Feiertag findet in der Paulus-Gemeinde um 18 Uhr ein Gottesdienst statt, wenigstens ohne aufwändige Anmeldewege.

Heiter-gelassen blickt Angelika Meyerdierks, Pastorin der Epiphanias-Gemeinde in Gamsen, auf die ungewisse Lage rund um Weihnachten. „Ich versuche, den Kopf oben zu behalten.“ Schon seit Monaten seien Zollstock und Regeln Teil der Gottesdienste, das gelte nun auch für die Weihnachts-Gottesdienste in der Kirche und in der Reithalle. Und dass außer ihr alle Besucher nur Lieder mitsummen dürfen, kenne sie ja auch schon. Sollten kurzfristige Änderungen nötig sein, dann habe die Gemeinde die Kontaktdaten der Angemeldeten. „Das ist doch sehr entspannt.“

„Fürchtet euch nicht“ – das ist auch die Botschaft von Weihnachten

Auch für St. Altfrid heißt es in den letzten Tagen, immer wieder die Lage neu zu durchdenken. „Eine Katastrophe ist das. Die Planungssicherheit ist ein Problem“, sagt Martin Wrasmann, ehemaliger Pastoralreferent. Aber er trotzt mit optimistischer Tatkraft den Zeiten: „Es heißt ja schon in der Weihnachtsgeschichte: Fürchtet euch nicht.“ In der nächsten Woche soll ein Transparent an der Kirche am Calberlaher Damm Mut machen mit dem Motto: „Weil wir Hoffnung brauchen“.

Mit Stand am Donnerstag war sich Wrasmann noch nicht hundertprozentig sicher, wie in diesem Jahr Heiligabend in St. Altfrid stattfinden kann, zu unberechenbar sei die Lage. „Klar, irgendwann muss man eine Entscheidung treffen, und dann ist das eben so. Dann lassen wir die Stille Nacht doch einfach einmal still sein.“

Von Andrea Posselt