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Gifhorn Stadt Gifhorner fahren zu viel mit dem Auto
Gifhorn Gifhorn Stadt Gifhorner fahren zu viel mit dem Auto
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00:21 24.03.2019
Gifhorner legen überdurchschnittlich viele Strecken mit dem Auto zurück. Das hat die Analyse ergeben, die dem neu aufzustellenden Verkehrsentwicklungsplan zu Grunde liegt.
Gifhorner legen überdurchschnittlich viele Strecken mit dem Auto zurück. Das hat die Analyse ergeben, die dem neu aufzustellenden Verkehrsentwicklungsplan zu Grunde liegt. Quelle: Archiv
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Gifhorn

An einem durchschnittlichen Werktag legen die Gifhorner 9000 Wege mit dem Nahverkehr, 17.000 Wege mit dem Fahrrad, 23.000 Wege zu Fuß und 111.000 Wege mit dem Auto zurück. Die Nutzung des Autos liege mit 69 Prozent deutlich höher als im Durchschnitt anderer Städte, erläuterte Manfred Michael vom Ingenieurbüro WVI bei der Auftaktveranstaltung der Stadt Gifhorn für die Bürgerbeteiligung zum Leitbild Mobilität.

15 Kreuzungen im Visier

„Wir beobachten das schon relativ lange“, sagte Michael im Ratssaal. Bei der Verkehrserhebung im vorigen Herbst habe sein Büro 15 Kreuzungen und fünf Verkehrsquerschnitte in der Stadt unter die Lupe genommen. Zum Einsatz kam auch ein Verkehrsfluss-Messsystem von Google. Dabei kam heraus, dass es in der Stadt kaum nennenswerte Staus gibt – im Gegensatz zur Tangente und zur B 188 bei Weyhausen. Innerstädtisch fielen zähfließender Verkehr vor allem im Bereich von Ampeln auf.

Schiene ist gefragt

Untersucht haben Michael und seine Kollegen unter anderem auch Nahverkehr und Parkraum. „Wir haben eine relativ gute Abdeckung“, sagt er über die Busse. 80 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner hätten es höchstens 300 Meter zur nächsten Haltestelle. Was gar nicht gehe, sei der Zwei-Stunden-Takt beim Erixx nach Braunschweig. Zumal die Schiene durchaus gefragt sei: Das sei an der hohen Auslastung des Park-and-Ride-Platzes am Bahnhof Gifhorn (Süd) abzulesen.

Gifhorner sollen vor allem aufs Fahrrad umsteigen

Für Autos müsste Gifhorn seine Straßen nicht weiter ausbauen, sagt Verkehrsexperte Manfred Michael vom Ingenieurbüro WVI. Um den Verkehr zum Fließen zu bringen, wären ganz andere Ideen umzusetzen.

Dazu will die Stadt auch ihre Bürgerinnen und Bürger um Rat fragen. Bei der Auftaktveranstaltung am Mittwochabend im Ratssaal waren rund 50 Teilnehmer – Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Nahverkehr und Verbänden – mit dabei. Sie setzten sich in drei Arbeitsgruppen zusammen, um sich Gedanken zu machen über Radverkehr, Nahverkehr und Autoverkehr.

Für Michael steht fest, dass eine Stärkung des Radverkehrs den Fluss auf den Straßen verbessern würde. „Wir glauben, dass gerade im Fahrrad viele Potenziale schlummern.“ Zu schmale und schlecht geführte Radwege – was die Gifhorner an dem Abend kritisierten – förderten dies nicht gerade.

Michael misst dem Nahverkehr eine höhere Bedeutung bei, als dessen aktuelle Nutzung gerade wiederspiegelt. „Der Zwei-Stunden-Takt nach Braunschweig geht gar nicht mehr.“ Gifhorner wünschten sich darüber hinaus flexiblere Angebote abends und am Wochenende und eine bessere Anbindung an den Bahnhof Gifhorn (Süd).

15.000 Fahrzeuge an einem durchschnittlichen Werktag haben Michael und seine Leute allein auf der Braunschweiger Straße gemessen. Gifhorner kritisierten unter anderem die Ampelschaltungen. Michael gab ihnen dabei recht. „Wenn wir gute Zähldaten haben, könnten wir Schaltungen optimieren.“ Aus Erfahrung wisse er, dass oftmals Ampeln 15 Jahre lang mit der selben Schaltung liefen – oder nur eine Einstellung den ganzen Tag über hätten. Damit regelten sie oft am eigentlichen Bedarf vorbei.

Ein dickes Lob gab es von einem Bürger für den Bypass am Kreisel Braunschweiger Straße/Nordhoffstraße. „Das haben Sie toll gelöst.“

Das Protokoll der Auftaktveranstaltung stellt die Stadt auch auf ihre Homepage www.stadt-gifhorn.de.

Von Dirk Reitmeister

21.03.2019
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