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Gifhorn Stadt Darum lässt es Jürgen Pott noch mal krachen
Gifhorn Gifhorn Stadt Darum lässt es Jürgen Pott noch mal krachen
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06:00 17.12.2019
Das Ende einer Ära: Jürgen Pott, Mann der ersten Stunde im Tagestreff MoinMoin in Gifhorn, wechselt in den Ruhestand. Quelle: Sebastian Preuß
Gifhorn

Seit 28 Jahren gibt es in Gifhorn den Tagestreff MoinMoin für Obdachlose. Eigentlich nicht wegzudenken aus der Einrichtung ist Jürgen Pott, Sozialarbeiter der ersten Stunde. Doch alle, die mit MoinMoin zu tun haben, müssen nun umdenken: Am 20. Dezember ist Potts letzter Arbeitstag. Der 64-Jährige geht in den Ruhestand.

Obdachlosen ein Frühstück und eine warme Mittagsmahlzeit bieten, einen warmen Platz zum geselligen Beisammensein, Rat und Tat bei Fragen rund um Anträge sowie Hilfe bei der Wohnungssuche: Das war von vornherein das Ziel des Tagestreffs, sagt Pott. „Es gibt Toilette, Dusche, Badewanne, Waschmaschine und Trockner.“ Alles, was ein Mensch auf Achse so braucht, wenn er Station macht.

Wo ist der Tagestreff?

An der Wand im Büro hängen Bildersammlungen und Zeitungsausschnitte unter anderem mit der Schlagzeile „Jürgen Pott muss bleiben“. Dokumente einer bewegten Geschichte. 1991 fing alles an in der ehemaligen Bäckerei gegenüber der Einmündung der Limbergstraße in die Braunschweiger Straße. Damals noch im Obergeschoss. Bis 1993 musste der seinerzeit neue Eigentümer und Vermieter das Haus erst einmal umbauen.

So fing alles an

Bis dahin blieb es ein Provisorium, in der Pott nicht nur als Sozialarbeiter, sondern auch als Heimwerker tätig war, Möbel zusammen baute und die Küche installierte. Auch Potts Anstellung war die ersten Jahre so etwas wie ein Provisorium – eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Daraus wurde eine feste Anstellung – eine bewegte Angelegenheit, wie aus der Schlagzeile an der Bürowand abzulesen ist.

So hat sich der Tagestreff entwickelt

MoinMoin – der Name wurde aus 50 Vorschlägen ausgewählt – startete mit Öffnungszeiten von vier Tagen in der Woche: Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 9 bis 14 Uhr. Das Problem: Was war am Wochenende, wenn die Zeitungen mit den Anzeigen für Wohnungen und Jobs erschienen? Es gründete sich ein Besucherrat, der Samstags und Sonntags den Betrieb regelte – vergleichbar mit Selbstverwaltung bei Jugendtreffs. Pott: „So kamen sie an die Zeitungen mit den Anzeigen und an ein Telefon.“

Aus den täglich 20 Besuchen wurden bald 40, heute zählt Pott durchschnittlich bis zu 63 „Anläufe“, wie er es nennt. Inzwischen ist der Tagestreff jeden Werktag geöffnet – das Wochenende bestreitet jetzt der Verein Querweg – und mit einem Sozialarbeiter-Team besetzt, das aus einer Frau und drei Männern auf zwei Vollzeitstellen besteht.

So wichtig sind Spenden

Dazu gibt es einen unter anderem über Spenden finanzierten Koch und drei Frauen, die über Arbeitsgelegenheiten tätig sind in Küchen- und Hausmeisterangelegenheiten. Das war auch mal anders, damals vor den Hartz-Gesetzen, sagt Pott. Da hatte er noch tariflich bezahlte Hilfe-zur-Arbeit-Kräfte an seiner Seite. Und im Etat Geld für Ausflüge und Bildungsfreizeiten. Alles gestrichen aus dem Sozialgesetzbuch. Heute müssen Pott und seine Mitstreiter dafür Spenden ranholen.

Auch an anderer Stelle ist Hilfe für die Menschen mühseliger als früher. „Es ist schwieriger geworden, eine Wohnung zu finden“, sagt Pott. Das gleiche gelte für Jobs. Für ihn steht fest: „Den Tagestreff wird es länger geben. Das hätte ich mir damals nicht vorstellen können.“

So kracht’s nochmal im Tagestreff

Am 20. Dezember wird er seinen letzten Arbeitstag mit der „ältesten Boygroup des Papenteichs“, der Band Wat’n Mulwark, im Tagestreff bestreiten und diesen ordentlich rocken. Naja, es sei eher Pogue-Musik. Und danach? „Ich hoffe, dass ich mal meine Bücher gelesen bekomme.“ Und er will sich Zeit für seine Familie nehmen – zwei Söhne und ein Enkel (8). Vielleicht ein ehrenamtliches Engagement im sozialen Bereich? Pott winkt ab: „Im Moment nicht.“

Von Dirk Reitmeister

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