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Gifhorn Stadt Supermarkt-Aus: Jetzt regt sich Widerstand
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18:01 01.11.2019
Penny-Aus am Fuchsienweg: Der Unmut über die wegfallende Einkaufsmöglichkeit ist groß. Quelle: Lea Rebuschat
Gifhorn

Die Schließung des Penny-Marktes am Fuchsienwegsorgt weiter für Wirbel. Vor allem die vielen Senioren sind ratlos, was ab Dezember aus ihrem Wohngebiet ohne Einkaufsmöglichkeit wird. Auch Gifhorner Senioren-Vertreter sind bestürzt über den drohenden Engpass – allen voran der Sozialverband. Und die Bewohner des Friedrich-Wernecke-Hauses der Lebenshilfe melden sich ebenfalls zu Wort.

„Ausgrenzung von Senioren und Menschen mit Behinderung“

Kreis-Vorsitzender Heinz-Ulrich Kabrodt kritisiert „die damit verbundene klare Benachteiligung der Bewohner des Handwerker- und Blumenviertels“. Das sei „eine Ausgrenzung von Senioren und Menschen mit Behinderung“. Denn auch die Bewohner der Lebenshilfe-Einrichtung in der Bäckerstraße seien von der Penny-Schließung betroffen. 24 Menschen mit geistiger Behinderung leben dort, der Standort wurde bewusst gewählt, um den Bewohnern ein Stück Selbstständigkeit zu ermöglichen – beispielsweise in Form des Einkaufs in fußläufiger Entfernung. Inklusives Leben ist damit erschwert, wie Lebenshilfe-Sprecherin Julia Schmidtke feststellt.

Die selbstständige Lebensführung ist stark eingeschränkt

Entsprechend formuliert Stefan, die Schließung des Penny-Marktes sei unschön. Ilka hat Angst zu fallen, wenn sie den weiten Weg bis zum Penny-Markt im Lehmweg auf sich nehmen muss. Eine Bewohnerin mit eingeschränkter Lungenfunktion hat die Strecke bis zum Fuchsienweg mit dem Fahrrad gerade noch geschafft, das geht dann nicht mehr. Schon die Schließung der Sparkassen-Filiale habe die Bewohner getroffen, so Schmidtke – jetzt beträgt der Fußweg zur nächsten Sparkasse zwischen 30 und 45 Minuten. „Für die Bewohner sollte eigentlich eine möglichst selbstständige Lebensführung möglich sein. Dies ist allerdings nach der Sparkassen-Schließung und dem Vorhaben der Schließung des Penny-Marktes nur mit größerem Hilfebedarf möglich“, sagt Julia Schmidtke.

Der Kreis-Sozialverband verpackt die Situation in eine klare Forderung: „Wir fordern die Politik auf, die Ausdünnung der Infrastruktur des Handwerker- und Blumenviertels zu verhindern.“

Bedauern beim Seniorenbeirat

„Bedauerlich“ findet auch Siegfried Simon vom Gifhorner Seniorenbeirat, dass die vielen Älteren in den beiden Wohngebieten nun keine fußläufig erreichbare Einkaufsmöglichkeit haben. „Man sollte nicht immer nur an Gewinn denken, sondern auch an ältere Leute, die von solchen Entscheidungen betroffen sind.“

„Da sollte man auf die Barrikaden gehen“

„Für die Gegend ist das echt problematisch“, stellt sich Klaus Schindler von der Senioren-Union auf die Seite der Senioren. Er hofft, dass der Eigentümer der Immobilie das Problem bei der weiteren Verwendung im Blick hat. Scharf kritisiert auch Uwe Kunkel von der SPD AG 60 plus die Entwicklung in dem Wohnquartier. „Das darf einfach nicht sein. Da sollte man mal auf die Barrikaden gehen.“

Das Problem gibt’s im gesamten Landkreis

Welche Alternative bleibt den Senioren, die nun keinen Markt mehr vor der Haustür haben und auch nicht mehr so mobil sind, andere Supermärkte anzusteuern? Die AZ fragte bei der „Mobilen Einkaufstasche“ der Malteser nach. Andreas Jaksch sagt mit Bedauern: „Unsere Kapazitäten sind schon jetzt erschöpft.“ Senioren, die besonders gesundheitlich gehandicapt sind, werden von ehrenamtlichen Fahrern einmal wöchentlich zu Real gebracht, damit sie dort einkaufen können. Mehr könne der Freiwilligendienst auch nicht leisten, erklärt Jaksch. Er sieht über das Stadtgebiet hinaus ein zunehmendes Problem: „Aus dem ganzen Landkreis habe ich schon Anfragen gehabt.“

Seniorenpolitisches Gesamtkonzept in Arbeit

„Dem Landkreis sind diese Entwicklungen bewusst, jedoch sind direkte Einflussmöglichkeiten sehr begrenzt“, sagt Landrat Dr. Andreas Ebel. Außerdem gebe es im Landkreis Gifhorn zahlreiche Ehrenamtliche, die Senioren unterstützen. So existieren verschiedene individuelle Begleitdienste (z.B. die vom Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen im Landkreis Gifhorn organisierte DUO-Seniorenbegleitung oder die Begleitung Pflegebedürftiger des Vereins Wir in der Nachbarschaft) und Nachbarschaftshilfen.

Dem Landkreis sei bewusst, dass sich die demografische Entwicklung noch weiter verschärfe. Auch deshalb sei im Sommer der Auftrag zur Erarbeitung eines Seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes erteilt worden. „Im Rahmen der entsprechenden Konzepterstellung werden sicherlich Fragen zur Aufrechterhaltung seniorenrelevanter Infrastrukturen diskutiert und entsprechende Handlungsempfehlungen abgegeben“, sagt Ebel.

Von Andrea Posselt

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