Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Gifhorn Stadt Streit ums Geld: Vor Gericht endet die Freundschaft
Gifhorn Gifhorn Stadt Streit ums Geld: Vor Gericht endet die Freundschaft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:00 18.06.2019
Amtsgericht Gifhorn: Mit Freispruch endete am Dienstag der Prozess gegen eine 26-Jährige. Sie sollte Geld von einem fremden Konto abgezweigt haben. Quelle: Archiv
Anzeige
Gifhorn

Aus dieser Freundschaft wird wohl nichts mehr werden: Sie kannten sich aus ihrer gemeinsamen Heimat Polen und als eine von ihnen nach Deutschland zog, fand die andere weniger später Unterschlupf in deren Wohnung in der Samtgemeinde Meinersen. Was dann genau passierte, erschloss sich am Dienstag auch nicht dem Richter und Staatsanwalt am Amtsgericht. Fakt ist: Die Hilfesuchende von damals beschuldigte die 26-Jährige, von ihrem Konto insgesamt 7230 Euro für sich abgezwackt zu haben.

Angeblich ohne Wissen

Von März 2018 bis September 2018 soll laut Anklage die 26-Jährige einfach die EC-Karte der Landsmännin (26) an sich genommen und mehrfach Geld abgehoben haben – angeblich ohne Wissen der Mitbewohnerin.

Anzeige

Über ihren Anwalt ließ die Angeklagte ausrichten, der Vorwurf stimme nicht. Die EC-Karte sei nur in Absprache verwendet worden. Dass das vermeintliche Opfer sogar behauptete, sämtliches Geld, was sie von Ämtern bezog, sei durch die Taten der Angeklagten futsch gewesen, machte den Verteidiger sauer. „Wovon will die Frau denn in der Zeit gelebt haben, offenbar von Luft und Liebe.“ Das Geldabheben seiner Mandantin sei ausschließlich „ein Freundschaftsdienst“ für die kaum Deutsch sprechende Freundin gewesen. Ein Zeuge bestätigte das im Verlauf des Prozesses.

Ungläubiges Staunen

Der Auftritt des vermeintlichen Opfers sorgte dann für einiges ungläubiges Staunen. Die 26-Jährige konnte trotz mehrfachem Nachfassen nicht schildern, wo sie in dem Zeitraum gelebt hat, verwickelte sich von einem Widerspruch in den nächsten, erhob heftige Anschuldigungen gegen die Angeklagte, und am Ende konnte sie noch nicht einmal sagen, weshalb sie über Monate ihre EC-Karte samt Pin-Nummer in deren Hände gegeben hatte.

Zweifel gegeben

Da spätestens wurde es allen zu bunt. „Irgendetwas stimmt bei ihnen nicht“, sagte der Richter. Aber auch im Fall der Angeklagten seien „Zweifel gegeben“. Straftaten könne man ihr jedoch nicht nachweisen. Es folgte nach zweistündiger Verhandlung der Freispruch.

Statt einen Triumphs über die ehemalige Freundin zu feiern, dürfte die 26-Jährige nun bald selbst ein Fall fürs Gericht werden. Sie schilderte nämlich, dass sie ihr Geld für den Lebensunterhalt durch Schwarzarbeit erwirtschaftet habe.

Von Andrea Posselt