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Gifhorn Stadt So leiden Einbruchsopfer: Die Täter sind weg, die Angst ist geblieben
Gifhorn Gifhorn Stadt So leiden Einbruchsopfer: Die Täter sind weg, die Angst ist geblieben
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12:34 14.12.2019
Einbruchsopfer: Heidemarie und Herbert Warnecke schließen immer ab, wenn sie ihr Haus verlassen - nicht nur die Tür, sondern auch die Fenster. Quelle: Dirk Reitmeister
Lagesbütel

Benny ist klein und gegenüber Fremden so giftig wie verwegen. Heidemarie Warnecke muss schmunzeln über ihren mutigen Hausgenossen. Doch wirklich sicher fühlt sie sich trotz des engagierten „Wachhundes“ nicht. Zuhause nicht und beim Gassigang nicht. „Ich kann es überhaupt nicht ab, wenn jemand hinter mir geht.“

Einbruchsopfer: Heidemarie Warnecke mit Hund Benny. Quelle: Dirk Reitmeister

Jetzt im Herbst, wenn das trockene Laub im Windstoß raschelt, ist sie erst recht schreckhaft. Und in das Buswartehäuschen muss sie mit ihrer bewährten Taschenlampe erst einmal vorsichtig reinleuchten.

„Das Sicherheitsgefühl ist weg“

Typische Reaktionen der Opfer, sagt Klaus Ahne. Der Fachmann des Präventionsteams der Gifhorner Polizei hat bereits in seinen vielen Jahren Streifendienst immer wieder mit Einbruchsopfern zu tun gehabt. „Die sind verstört. Das Sicherheitsgefühl ist weg.“

Es ist gar nicht so sehr der Verlust von Wertgegenständen das Problem, sondern das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein, weiß Ahne. Und das Wühlen fremder Finger in der Wäsche: „Manche Opfer schmeißen ihre Wäsche weg, andere waschen sie durch.“

Alarmstimmung bei Radfahrern mit Rucksack

Immer wieder schaut Heidemarie Warnecke aus dem Küchenfenster. Jeder Radfahrer mit Rucksack und ohne Licht im Dunkeln weckt ihr Misstrauen, ebenso fremde Autos, die in der Siedlung stehen bleiben. Hin und wieder fragt sie tagsüber deren Fahrer, ob sie helfen könne. Oft suche jemand einfach nur eine Adresse. Alles harmlos. Aber man weiß ja nie.

Drei Einbrüche von 2012 bis 2014

2012 und 2013 hatte das Ehepaar ungebetenen Besuch im Haus, 2014 scheiterte ein Einbruchsversuch. Das hat vor allem die Frau geprägt. „Die Angst verfolgt einen“, sagt Heidemarie Warnecke. Bei ihrem Mann Herbert klingt eher Wut durch, wenn er berichtet. Und sich aufregt darüber, dass die Straßenbeleuchtung aus Kostengründen abends abgeschaltet wird. „Wie in Kriegszeiten, das ist doch nicht normal.“

Beratung beim Fachmann

Frühzeitig hatten Warneckes seinerzeit Ahnes Vorgänger im Haus. Sie rüsteten das Gebäude auf – mit abschließbaren Fenstern und Terrassentür, mit Jalousien und Bewegungsmeldern.

Berät Hausbesitzer : Klaus Ahne von der Polizei Gifhorn weiß, wie sie sich gegen Einbrecher schützen können. Quelle: Polizei

Ahne hat im Durchschnitt zwei bis drei Beratungen pro Tag bei Bürgern daheim, neben seinen Vortragsveranstaltungen. „Im Augenblick kann ich mich nicht retten vor Aufträgen.“

Vorbeugen: Das rät der Fachmann

„Ziel muss es sein, dem Täter die Zeit zu stehlen“: Polizeioberkommissar Klaus Ahne weiß, wie Hausbewohner Einbrechern den Spaß an der Tat schon von vornherein verderben können. Hundertprozentige Sicherheit kann auch der Fachmann nicht garantieren, doch er weiß aus Erfahrung: Einbrecher sind Opportunisten und suchen den Weg des geringsten Widerstands.

„70 Prozent der Täter sind Gelegenheitseinbrecher, die mit einfachsten Werkzeugen ausgerüstet sind und leicht zu öffnende Fenster und Türen in Sekunden knacken“, sagt Arne. Die meisten Fenster schützen lediglich vor Wind und Wetter. „Zum wirkungsvollen Schutz vor Einbrechern gibt es eine Vielzahl von speziellen Beschlägen, Aufsatzsicherungen und auf Wunsch auch einbruchshemmenden Gläsern. Was am sinnvollsten ist, kann nur vor Ort entschieden werden.“

Das nützt alles nichts, wenn Bewohner beim Verlassen des Hauses die Fenster auf Kipp lassen. „Gekippte Fenster sind offene Fenster.“ Türen und Fenster sollten immer verschlossen sein, nicht nur geschlossen.

Wichtig sei auch, Anwesenheit zu simulieren. Im Urlaub sollten Rollläden deshalb nie ständig unten sein. Weiterer Tipp: Licht und Fernsehsimulatoren mit Zeitschaltuhren aktivieren. Die Klingel sollte von außen nicht zu hören sein. Wenn der Einbrecher Sturm läute und sich nichts rege, wisse er, dass er sturmfreie Bude habe.

Wichtig sei auch eine gute Nachbarschaft, sagt Ahne. Zum Einen leerten Nachbarn Briefkästen und Mülleimer, zum Anderen könnten sie Fremde auf dem Grundstück ansprechen und die Polizei alarmieren.

Warneckes fahren getrennt in den Urlaub, damit immer jemand im Haus ist. Und wenn Heidemarie Warnecke dann auch nur für eine halbe Stunde zum Einkaufen nach Groß Schwülper fährt, schließt sie alles ab – Haustür, Terrassentür, Fenster. Sie würde am liebsten wegziehen, er will in dem Haus bleiben, in dem sie seit 41 Jahren leben.

Wegziehen oder bleiben?

Auch das sind typische Reaktionen von Opfern, sagt Ahne. Er hatte neulich den Fall einer allein erziehenden jungen Frau, die ausziehen wollte, weil in ihrer Nachbarschaft Einbrüche passierten und es eines Abends an ihrer Tür klingelte, aber niemand da war. Das könnte natürlich auch ein schnöder Klingelstreich gewesen sein.

„Man wird unheimlich misstrauisch“

Seit fast sechs Jahren ist bei Warneckes nichts mehr passiert. Doch davon lassen sich Warneckes nicht einlullen. „In jedes Haus ist eingebrochen worden“, sagt Herbert Warnecke und lässt seinen Blick über die Nachbargrundstücke schweifen. Dass bei ihnen noch nicht wieder einer war, hält er für Zufall. Zumal sich jetzt in der dunklen Jahreszeit wie aus dem Nichts vermeintliche Gewinn-Anrufe häufen. Baldowert da jemand aus, ob bei ihnen wer zuhause ist? „Man wird unheimlich misstrauisch. Das ist schlimm.“


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Von Dirk Reitmeister

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