Selbstverteidigung in Gifhorn: So trainiert die Ju Jutsu Sparte der SV Gifhorn
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Gifhorn Stadt Gifhorner machen den Gegner und sich selbst nass
Gifhorn Gifhorn Stadt Gifhorner machen den Gegner und sich selbst nass
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07:00 26.03.2020
Ju Jutsu lernen: Andreas Joksch und Peter Roepke (re.) bringen das seit rund 20 Jahren Gifhornern bei.
Ju Jutsu lernen: Andreas Joksch und Peter Roepke (re.) bringen das seit rund 20 Jahren Gifhornern bei. Quelle: Sebastian Preuß
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Gifhorn

Sich und den Gegner nass machen: Unter anderem darum geht es in der Ju Jutsu Abteilung der Sportvereinigung Gifhorn. Viele Teilnehmer legten Wert darauf, nach der Übungsstunde durchgeschwitzt zu sein, sagen die Trainer Peter Roepke und Andreas Joksch. Der eine oder andere wolle sich aber auch an dunklen Abenden in der Stadt sicherer fühlen.

Was hat ein Softball mit Selbstverteidigung zu tun? Quietschvergnügt rennen die Kinder über die Matten auf dem Boden der Adam-Riese-Turnhalle und bewerfen sich. Keine Bange, typische Kampfsportsequenzen kommen auch noch. Später. Aber am Anfang ist nun einmal Aufwärmen angesagt. Dehnen und strecken, die Gruppe legt sich auf die Matte. Das eine Beine nach vorne, das andere nach hinten. Hier und da richten Roepke und Joksch die Gliedmaßen der kleinen Recken aus, wenn es noch nicht passt.

Es geht um Fitness und Selbstbehauptung: Seit fast 40 Jahren gibt es die Ju Jutsu Sparte bei der Sportvereinigung Gifhorn – mit Gruppen für Kinder und Jugendliche, Erwachsene und speziell Senioren.

„Es ist ein toller Sport“, sagen Roepke und Joksch. Zumal Ju Jutsu nicht wie Karate oder Judo spezialisiert sei auf Tritte oder Würfe. „Bei uns ist alles vertreten“, sagt Roepke. Genau das Richtige, um fit und gelenkig zu werden. Das sieht der Ungeübte gleich und vermeint schon hier und da beim Zuschauen ein Ziehen im Weihnachtsschmaus-gestählten Speck zu spüren.

Erstmal richtig fallen lernen

Bevor jemand sein Gegenüber auf die Matte schickt, lernen sie und er erst einmal selber fallen. Am besten auf der gesamte Länge des Armes landen, macht Joksch vor. Nicht nur auf Ellenbogen oder Handballen, die dann den Körper allein auffangen müssten und damit überbelastet würden.

Wer schon länger dabei ist, macht die Übung aus der Hocke nach, ansonsten im Sitzen. Und noch ein Tipp von Joksch, der wie Roepke seit rund 20 Jahren Trainer ist: „Auf keinen Fall die Zunge zwischen den Zähnen lassen.“

Wer an Selbstverteidigung interessiert ist

20 Kinder und ein Dutzend Erwachsene sind aktuell dabei, hinzu kommt eine Rentnergruppe mit 14 Leuten im Alter von 60 aufwärts. „Der älteste ist 82“, sagt SV-Spartenleiter Karl-Heinz Baatz. „Die meisten kommen, um Sport zu machen.“ Abgesehen von den Rentnern, dort gebe es ganz klar einen anderen Schwerpunkt. „Die sind speziell an Selbstverteidigung interessiert“, sagt Baatz, der vor 41 Jahren mit Ju Jutsu angefangen und bereits vor 20 Jahren ein eigenes Konzept für Senioren entwickelt hat: Verteidigung mit Regenschirm, Krückstock und Kugelschreiber.


Damit sich keiner die Knöchel bricht

Weich gegen hart, hart gegen weich. Zu fortgeschrittener Stunde am Übungsabend geht es dann doch kampfsporttechnisch zur Sache. Tipp vom Trainer: Dem Gegner nicht mit der Faust an den Kopf schlagen. Wer solch harte Knochen wie die Stirn treffe, breche sich eher selbst die eigenen Knöchel. Deshalb mit der Faust in den Bauch, aber mit der Innenseite der flachen Hand gegen den Kopf stoßen.

So gehe ich Ärger aus dem Weg

Wer ihm dumm kommt, liegt schnell auf dem Boden – und dennoch: „Jeder Kampf, dem ich aus dem Weg gehen kann, ist ein gewonnener Kampf“, sagt Andreas Joksch, Ju-Jutsu-Trainer bei der Sportvereinigung Gifhorn. Gemeinsam mit seinem Partner Peter Roepke gibt er Tipps, wie das gelingen kann.

Am Anfang kommt es schon auf die Körperhaltung an: Aufrecht gehen, gefestigter Blick nach vorn. Schultern hängen lassen und nach unten gucken ist demzufolge eine Opfer-Ausstrahlung.

Der Klügere gibt nach: Wird man offensichtlich absichtlich angerempelt, einfach selbst um Entschuldigung bitten und so dem Streitsüchtigen den Wind aus den Segeln nehmen. Nach dem Motto „Was bringt es mir?“ sei eine Auseinandersetzung zu vermeiden. Roepke und Joksch wissen, dass das nicht immer klappen muss. Aber der Versuch sei es wert.

Wenn es doch zu einem handfesten Konflikt zu kommen droht, den Kontrahenten nicht mit erhobenen Fäusten auf Distanz zu halten versuchen. Das könnte für unbeteiligte Dritte wie eine Aggression aussehen. Lieber mit der flachen Hand auf Abstand halten, das sieht wie eine Beschwichtigung aus.

Einfache, aber wirkungsvolle Maßnahmen sind auch, dunkle Gassen zu meiden und im Zweifel frühzeitig die Straßenseite zu wechseln.

Es muss mehr als nur eine Armlänge sein: Wer von einem Fremden angesprochen wird, sollte auf mindestens zwei Armlängen Abstand achten. Im Zweifelsfall den Menschen einfach stehen lassen und weiter gehen.

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Von Dirk Reitmeister