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Gifhorn Stadt Warum sich Gifhorner Hobby-Autoren zusammentun
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06:59 27.09.2019
Wer die Wahl hat ... : Bärbel Becker und Horst Gülde müssen aus allen Texten die besten heraussuchen. Denn noch in diesem Jahr wollen sie wieder ein Buch veröffentlichen. Quelle: Gero Gerewitz
Wolfsburg/Gifhorn/Peine

Die Liste auf dem Tisch scheint kein Ende zu nehmen. Hinter jedem Eintrag verbirgt sich eine Kurzgeschichte, ein Gedicht, ein liebgewonnener Einfall. Doch Bärbel Becker und Horst Gülde müssen aussortieren: Sie stellen den sechsten Band zusammen, den ihre „Schreibwerkstatt“ veröffentlicht. Entstanden sind all diese Texte aus kreativen Köpfen – und einer ordentlichen Portion Schreibunterricht. Geschwafelt wird hier nicht.

Ein Slalom um die Klischees herum

Denn wenn die Schreibwerkstatt zusammenkommt, geht es ordentlich zur Sache. Einmal pro Monat legt Leiterin Britta Koeppen den Teilnehmern ausgefallene Aufgaben vor. „Wir sollten zum Beispiel über den Frühling schreiben, aber die Natur dabei rauslassen“, erinnert sich Bärbel Becker. „Das war sehr spannend!“ Klischees zu vermeiden, ist nämlich gar nicht so einfach. Das spürten die Hobby-Schreiber auch, als sie einen Text nach dem Schema „Er trifft sie.“ schreiben sollten, ohne eine Liebesgeschichte daraus zu machen.

Theorie, Hausaufgaben und Feedback-Runde? Das alles gehört zur Schreibwerkstatt. Gezwungen wird jedoch niemand. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Ein andermal geht die Gruppe von einem Gemälde oder einem kurzen Comic aus oder vervollständigt einen bestehenden Romananfang als Kurzgeschichte. „Einmal hieß es: Wir hören jetzt ein Lied und dann habt ihr zehn Minuten, um aufzuschreiben, was euch in den Kopf kommt“, berichtet Becker. In ihrem Fall wurde das ein Gedicht namens „Russisches Lied“ über die Wirkung von Musik und Sprache. Eine beachtliche Leistung, besonders unter Zeitdruck. „Ja, unsere Leiterin ist immer begeistert, wie schnell in unserer Gruppe etwas zustande kommt“, bekräftigt Horst Gülde.

Und nicht nur schnell, sondern auch individuell. Aus einer Bildergeschichte zum Beispiel machte ein Teilnehmer einen Limerick, ein anderer eine Kurzgeschichte und ein dritter eine Ballade. „Für mich ist es jedes Mal faszinierend, die Texte der anderen zu lesen. Wir sind so verschieden“, sagt Becker. Um zu zeigen, wie unterschiedlich die Teilnehmer von einer Aufgabe aus weiterdenken, sollen im neuen Heft, das die Gruppe noch in diesem Jahr veröffentlichen will, zum ersten Mal auch die Arbeitsaufträge selbst stehen.

Regelmäßig gibt es Theorieunterricht

Auch Hausaufgaben und handfesten Theorieunterricht gibt es, zum Beispiel zu Textgattungen und Versmaß. Doch das empfinden die Teilnehmer als genau richtig: „Man lernt durch die Schreibwerkstatt, aber man bleibt sich dabei treu“, meint Becker. Jeder hat seine Themen und seinen Stil – und darf sie auch behalten.

Haarig wird es trotzdem manchmal, wenn die Gruppe Texte bespricht und kritisiert. „Stilbrüche merkt man selber nicht, aber die Zuhörer schon“, weiß Becker inzwischen und lacht: „Nur: Wer will das schon hören? Niemand!“

Teilnehmerin bringt schwierige Familiengeschichte zu Papier

Doch das Feedback und die Anregungen der Kursleiterin helfen. Wenn Becker eines gelernt hat, so ist es, neue Erzählformen auszuprobieren. „Ich hatte mich lange an einem Buch über meine Schwester versucht, die im Leben immer kürzer gekommen war als wir anderen Geschwister“, erzählt sie stockend.

Schreiben als Befreiung

Doch erst als sie die emotionale Geschichte um die entglittene Schwester in eine Ballade statt in einen Roman kleidete, gelang die literarische Verarbeitung. „Ich konnte darin alles abarbeiten, was ich wollte, nur eben viel kürzer.“ Während des Schreibprozesses starb die Schwester, Becker änderte deshalb die letzte Strophe – und hat nun Frieden damit gemacht: „Es klingt merkwürdig, aber seitdem darf sie in Ruhe schlafen.“

Bärbel Becker ist jedoch nicht die Einzige im Kurs, die sich mit längeren Texten schwertut: „Einen Roman haben schon viele von uns angekündigt“, grinst Horst Gülde, „aber noch ist niemand fertig geworden.“

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Die Schreibwerkstatt

Die Schreibwerkstatt gehört zum Vorsfelder Kulturverein Zugabe und besteht sei 2004. Zwei Jahre später brachte sie ihren ersten Sammelband mit gemeinsamen Veröffentlichungen heraus. Das sechste Buch soll noch in diesem Jahr erscheinen – rechtzeitig, um den Weg unter den einen oder anderen Weihnachtsbaum zu finden. Erhältlich ist der Band dann beim Verein und vermutlich wieder in der Buchhandlung Sopper. Die fünf Vorgänger gibt es unter anderem in der Wolfsburger Stadtbibliothek.

Die Schreibwerkstatt hat zwischen acht und zehn Mitglieder. Einige sind schon über 80, der Jüngste ist um die 40 Jahre alt.

Die Gruppentreffen finden einmal monatlich an einem Mittwochabend ab 19.30 Uhr im Rolf-Nolting-Haus Am Drömlingstadion 10 statt – das nächste Mal am 23. Oktober. Neuzugänge werden immer gerne aufgenommen und können sich per E-Mail an herzogbecker@t-online.de melden.

Schreibworkshop in Gifhorn – ein Schnupperabend im doppelten Sinne

Wer sich selbst in kreativem Schreiben ausprobieren möchte, hat am Montag, 11. November, eine gute Gelegenheit dazu und kann im wahrsten Sinne des Wortes „reinschnuppern“: Die Kreisvolkshochschule Gifhorn lädt von 18 bis 21 Uhr zum Schreib-Workshop ein, bei dem es um Gerüche und Assoziationen geht. Die Teilnehmer ziehen aus einer Auswahl von „Geruchskonserven“ eine zufällige heraus und haben dann einen festgelegten Zeitrahmen, um einen Text zu dem zu schreiben, was ihnen zu dem Duft einfällt. Ob Zimt Erinnerungen an ein längst vergangenes Weihnachtsfest hervorruft, Fichtennadeln zu einer Kurzgeschichte über einen Aussteiger-Typen im Wald inspirieren – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Schreib-Workshop: Die VHS Gifhorn lädt ein. Quelle: dpa

Die entstandenen Texte können im Nachhinein vorgelesen und besprochen werden. Wenn die Teilnehmer einverstanden sind, werden die besten Texte außerdem ausgestellt. Denn vom 11. November bis zum 13. Dezember läuft in der Volkshochschule die Ausstellung „Die Macht der Gefühle“.

Der Workshop entsteht übrigens in Kooperation mit der Literaturwerkstatt der Kreisvolkshochschule. Dort treffen sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat von 19 bis 21.15 Uhr Hobby-Schriftsteller, um gemeinsam zu schreiben und sich auszutauschen. Neue Teilnehmer sind stets willkommen. Anmeldungen gehen an Cornelia Cieslar unter der Telefonnummer (01 60) 5 22 67 11 oder per E-Mail an cornelia.cieslar@gmx.de.

Lesen und lesen lassen: Der Literaturzirkel Peine

Wer Lust am Schreiben und am Austausch mit anderen Literaturfreunden hat, findet im Peiner Literaturzirkel Gleichgesinnte und neue Anregungen. Auch Lesungen organisiert die Gruppe, die bis vor kurzem noch Autorenstammtisch hieß. „Wir wollen die Autoren in der Region sichtbarer machen“, erzählt Franziska Koblitz vom Literaturzirkel.

Zuletzt hatte der Literaturzirkel Jürgen Gückel aus einem Buch „Klassenfoto mit Massenmörder“ vorlesen lassen, einem brisanten Enthüllungsbuch über einen Stederdorfer Dorflehrer, der seine Nazi-Vergangenheit verschwiegen hatte. Eine weitere Lesung mit Gückel findet am Dienstag, 8. Oktober, um 20 Uhr in der Buchhandlung Graff in Braunschweig statt.

Geschichten aus der Region: Der Literaturzirkel Peine mit dem Enthüllungsbuchautoren Jürgen Gückel. Quelle: privat

Über all seine Aktivitäten informiert der Zirkel auf seiner Homepage www.literaturzirkel-peine.de. Das nächste Treffen findet am Donnerstag, 17. Oktober, statt.

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