Revisionsverfahren: 46-Jähriger aus dem Kreis Gifhorn vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen
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Gifhorn Stadt Revisionsverfahren: Landgericht spricht 46-Jährigen vom Vorwurf der Vergewaltigung frei
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Revisionsverfahren: 46-Jähriger aus dem Kreis Gifhorn vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen

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17:34 07.09.2020
Freispruch vor dem Landgericht: Ein 46-Jähriger gewann im Revisionsverfahren. Quelle: Bettina Reese
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Hildesheim/Gifhorn

Ein Aufatmen und ein tiefer Seufzer gingen durch den Zuschauerraum bei der Urteilsverkündung der 9. Strafkammer des Landgerichts Hildesheim. Die Anspannung der letzten Jahre schien von der Lebensgefährtin des 46-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Gifhorn abzufallen. Die Kammer sprach den Mann vom Vorwurf der Vergewaltigung und des sexuellen Missbrauchs frei.

Die Jugendliche berief sich im ersten Prozess bei einigen Nachfragen auf Erinnerungslücken

Bereits im Jahr 2018 musste sich der 46-Jährige vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Der Vorwurf: Im Frühjahr 2014 soll er seine im Jahr 1998 geborene Tochter vergewaltigt und sexuell missbraucht haben. Vehement bestritt er damals die Tat. Ihm war es unerklärlich, warum seine Tochter ihm solche Vorwürfe mache. Seit der Scheidung von seiner Ehefrau im Jahr 2010 habe die Tochter bei seiner Ex-Frau gelebt, sein Sohn sei bei ihm geblieben. Im Jahr 2012 sei dann auch seine Tochter zu ihm gezogen. Als es Schulprobleme gab, soll sie zu einer Schulsozialarbeiterin gesagt haben, dass ihr Papa gewisse Körperteile anfasse. Ihre Aussage wurde damals auf Video aufgezeichnet. Bei manchen Nachfragen einer Sachverständigen berief sich die Jugendliche jedoch auf Erinnerungslücken.

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Die Strafkammer 3 glaubte damals der Tochter und verurteilte den Mann zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Der Mann ging in Revision und die angezeigte Tat wurde seit dem 11. August 2020 neu vor dem Landgericht verhandelt.

Im zweiten Prozess beruft sich die Tochter auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht

Im neuen Verfahren berief sich die Tochter auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht und sagte nicht aus. Während im Jahr 2018 eine Gutachterin die Aussage der Jugendlichen als glaubhaft ansah, konnte sie jetzt durch neue Erkenntnisse nicht ausschließen, dass die Aussage das Ergebnis suggestiver Einflüsse gewesen sei.

Sowohl der damalige Lebensgefährte der Mutter als auch die Schulsozialarbeiterin hätten eine Erwartungshaltung gehabt, so Richterin Karin Kuhlmann in ihrer Urteilsbegründung. „Das Mädchen ist dann in eine Situation getrieben worden, dass sie das gesagt hat, was von ihr erwartet wurde“, so die Richterin weiter. Für eine Lügnerin halte sie das Mädchen nicht, bewusst habe sie nicht die Unwahrheit gesagt, meinte die Richterin. Die Kammer kann jedoch nicht mit Sicherheit davon ausgehen, dass das vom Mädchen Geschilderte tatsächlich so passiert ist. Ihre Erinnerungen könnten eben auch durch Gespräche mit Dritten beeinflusst worden sein.

„In diesem Verfahren ist die Jugendliche die Hauptbelastete. Gewinner gibt es keinen“

In diesem Verfahren habe die Kammer tiefe Einblicke in das Aufwachsen der Jugendlichen bekommen. „Sie hatte nicht die Umgebung, die man sich für eine Jugendliche wünscht“, so Richterin Kuhlmann. „In diesem Verfahren ist die Jugendliche die Hauptbelastete. Gewinner gibt es keinen“, sagte die Richterin am Ende der Urteilsbegründung.

Von Bettina Reese