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Gifhorn Stadt Ehemann berichtet: Frau sucht neun Stunden ihr Zuhause
Gifhorn Gifhorn Stadt Ehemann berichtet: Frau sucht neun Stunden ihr Zuhause
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16:59 20.09.2019
Orientierungslosigkeit ist bei Demenz häufig: Die Krankheit betrifft immer mehr Menschen. Quelle: Sebastian Kahnert
Gifhorn

Weltweit sind 46 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Allein in Deutschland sind es derzeit fast 1,6 Millionen, jährlich kommen 40 000 dazu. Im Landkreis Gifhorn gibt es derzeit ungefähr 3000 an Demenz Erkrankte, Tendenz steigend. Fakten, die es bei der Podiumsdiskussion unter dem Titel „Zwischen Belastung und Entlastung – Pflege im Gleichgewicht“ anlässlich der Woche der Demenz jetzt in der Kreisvolkshochschule gab.

Gedächtnis und Fähigkeiten lassen nach

Zu Demenz und der häufigsten Erkrankung Alzheimer gehört nicht nur das Nachlassen des Gedächtnisses, sondern auch der Fähigkeiten. So finden sich beispielsweise die Betroffenen in ihrem Zuhause nicht mehr zurecht, verlegen Gegenstände oder erkennen vertraute Personen oder Orte nicht mehr. So erging es Bernhard Blots Ehefrau, wie er bei der Podiumsdiskussion berichtete. „Anfangs haben wir mit der Krankheit normal weitergelebt, nach zwei Jahren sind dann jedoch Probleme aufgetreten“, erzählt der Angehörige. „Meine Frau ist neun Stunden in Gifhorn rumgefahren und hat unser Zuhause gesucht. Erst als ich die Polizei eingeschaltet habe, haben sie sie wieder nach Hause gebracht. Ihren Führerschein durfte sie danach nicht mehr behalten.“

Lesen Sie auch: Ein Stadtspaziergang für Demenz-Erkrankte

Nach etwa drei Jahren hat sich der Zustand seiner Frau akut verschlechtert. Blot wollte seiner Frau helfen, aber sie wehrte sich dagegen, denn sie war laut ihrer Aussage nicht krank. Was soll man tun, wenn sich die Betroffenen einfach nicht helfen lassen wollen? Bei der Podiumsdiskussion stellten sich zahlreiche Vertreter und Fachärzte vor. Und sie alle wollen in erster Linie eins: Hilfe anbieten.

Ärztliche Unterstützung ist wichtig

Dr. Oliver Schuster, Facharzt für Neurologie, und Martin Frosch, Allgemein- und Palliativmediziner, berichten, dass meistens die Angehörigen oder Freunde der Betroffenen zu ihnen kommen. Schuster redet mit den Betroffenen und führt anschließend sowohl klinisch-neurologische Untersuchungen als auch technische Untersuchungen wie MRT und CT am Kopf durch. Danach heißt es zu beobachten, ob der Zustand so bleibt oder sich verschlechtert.

Demenz im Landkreis Gifhorn

Demenz im Landkreis Gifhorn: Die Aller-Zeitung befasst sich regelmäßig mit dem Thema. Hier finden Sie unsere Beiträge:

* Ein Stadtspaziergang für Demenz-Erkrankte durch Gifhorn

* Woche der Demenz: Auftakt hilft, die Krankheit zu verstehen

* Demenz: Große Aktionswoche geplant

* So funktioniert die Begleitung im Anderland

* Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

* Demenz: Eine Scham-besetzte Erkrankung

* Neue Bausteine gegen die Demenz

* Steiler Anstieg bei Demenzkranken

* Forscher hoffen auf Durchbruch bei Alzheimer

* Weltalzheimertag: Und plötzlich ist die Mutter das vierte Kind

Gegen Demenz gibt es Medikamente, mit denen man mit der Krankheit klarkommt, sie aber nicht komplett bekämpfen kann. Um Erkrankten und Angehörigen Hilfe und Entlastung anzubieten, gibt es die AOK-Pflegeberatung, die Tagespflege in Meine und die Alzheimer Gesellschaft sowie Demenzbeauftragte in Kliniken. Die AOK-Pflegeberatung und die Alzheimer Gesellschaft bieten in erster Linie Beratung an. Christina Marino, AOK-Pflegeberaterin, berichtete: „Wir kümmern uns um die Antragsstelle für die Pflege, um finanzielle Hilfe, Entlastungs- und Gesprächsangebote und Pflegekurse sowie Schulungen.“ Viele Angehörige fühlen sich in der Situation allein gelassen, weshalb die Alzheimer Gesellschaft neben der Beratung speziell für Demenzkranke auch Gesprächskreise für Angehörige zum Austausch anbietet.

Tagespflege hilft Patienten

Außerdem kümmert sich die Tagespflege ganz explizit um die Patienten. „Wir starten mit einem Schnuppertag und helfen danach fokussiert den Betroffenen“, erklärt Tim Niederstraßer aus der Tagespflege in Meine. „Die größte Angst der Erkrankten ist oft die Frage, ob sie jemals wieder nach Hause kommen. Aber wenn sie erst einmal da waren, finden sie sich ganz von selbst ein und verlieren die Angst.“ Blot berichtet, dass er mit der Tagespflege voll und ganz zufrieden war, weil seiner Frau rechtzeitig geholfen werden konnte.

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Alle sieben Podiumsteilnehmer wünschen sich jedoch zwei Dinge: Das öffentliche Interesse für Demenz soll noch größer und der Pflegeberuf soll von der Gesellschaft aufgewertet werden, um junge Menschen für diesen Beruf zu begeistern.

Von Mette Engel

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