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Gifhorn Stadt Ein Zeitzeuge spricht über die ehemalige DDR
Gifhorn Gifhorn Stadt Ein Zeitzeuge spricht über die ehemalige DDR
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00:22 25.06.2019
Zeitzeuge: Manfred Casper berichtete am OHG über sein Leben in der DDR mit Fluchtversuch und Haft. Quelle: Ron Niebuhr
Gifhorn

Fast 30 Jahre ist der Fall der Berliner Mauer her. Einer, der die DDR miterlebt hat, von dort fliehen wollte, inhaftiert und letztlich in den Westen entlassen wurde, ist Manfred Casper. Jetzt berichtete er Schülern des Gifhorner Otto-Hahn-Gymnasiums von seiner Jugend in der Diktatur.

Der in Stollberg im Erzgebirge aufgewachsene heutige Wolfenbütteler nahm die Gymnasiasten mit auf Zeitreise in die 1950-er bis 1980-er Jahre. „Die sind für euch heute genauso Geschichte wie für mich damals das Dritte Reich“, sagte er.

Diktatur ohne industrielle Massenvernichtung

Vergleichen dürfe man die Systeme nicht miteinander. „Die DDR war eine Diktatur, kam aber ohne industrielle Massenvernichtung aus“, sagte er. Die DDR verstand sich als „Diktatur des Proletariats“, nur leider habe kein Machthaber je danach gefragt, was das Proletariat sich wünschte.

Er sei unpolitisch gewesen, erzählte Casper. Allmählich dämmerte ihm aber, dass einiges schief lief in der DDR. Als Schlüsselerlebnisse empfand er, dass sich niemand öffentlich politisch äußerte, dass Nachbarn von einem Tag auf den anderen spurlos verschwanden, dass Reisen in den Westen sehr schwierig und nie allen Familienmitgliedern erlaubt waren und dass ihm wegen Verwandtschaft im Westen verweigert wurde, Seemann zu werden.

Linientreuer Bauer verrät den Flüchtling

Auslöser für seinen Fluchtversuch war allerdings, wie die Sowjetunion 1968 im so genannten Prager Frühling den Versuch einer Öffnung zum Westen hin mit Militärgewalt im Keim erstickte. Da war dem heute 68-Jährigen klar: „Du musst hier weg!“ Seine Flucht über die bulgarisch-jugoslawische Grenze im Sommer 1969 scheiterte – ein linientreuer Bauer hatte ihn verraten. Geblieben sind die Erinnerung an zwei Maschinengewehrsalven, die über seinen Kopf sausten, und die Narben von Hundebissen in der Armbeuge.

Stasi-Akte ist 700 Seiten stark

Als „politischer Verbrecher“ kam der damals 18-Jährige für ein Jahr und fünf Monate ins Gefängnis. „Ich war ein Verbrecher, nur weil ich frei sein wollte“, sagte Casper. Nach dem dritten noch in Haft gestellten Ausreiseantrag wurde er in den Westen entlassen – und wie er nach der Wende erfahren hat, auch dort weiter von der Stasi bespitzelt: „Meine Akte ist 700 Seiten stark.“ Am 1. September veröffentlicht er seine Erlebnisse als Buch.

Von Ron Niebuhr

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