Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Gifhorn Stadt Trauerfeier für Einsame: Hospizverein ist dabei
Gifhorn Gifhorn Stadt Trauerfeier für Einsame: Hospizverein ist dabei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:10 07.11.2019
Projekt auf dem Nicolai-Friedhof: Ehrenamtliche der Hospizarbeit begleiten die Beerdigung „Unbedachter“. Quelle: Sebastian Preuß
Gifhorn

Die Zahlen sind erschreckend: Jedes Jahr werden auf dem evangelisch-lutherischen Nicolai-Friedhof am Weinberg die Urnen von acht bis zehn Menschen beerdigt, ohne dass eine Trauergemeinde dabei ist. Kirche, Friedhofsverwaltung und Hospizverein bieten nun auch „Unbedachten“ den Rahmen für eine würdevolle Bestattung.

Bedrückende Atmosphäre

„Ich habe schon viele Urnen alleine und in aller Stille beigesetzt – weder Angehörige, Nachbarn oder Freunde des Verstorbenen waren dabei“, berichtet Friedhofsmitarbeiter Burkhard Klann. Er spricht von einer „bedrückenden Atmosphäre“ bei Beerdigungen dieser Art. „Diese Beisetzungen erfolgen im Auftrag des Ordnungsamtes immer dann, wenn niemand bestattungspflichtig ist und auch keine Angehörigen ermittelt werden konnten“, ergänzt Friedhofsleiter Johann Harms.

Menschenwürde

Menschen, um die keiner trauert und an die auch auf dem letzten Weg keiner denkt: Für Pastor Georg Julius steht fest, dass auch diese Menschen eine würdevolle Bestattung und Trauerfeier verdient haben. „Auch nach dem Sterben behält jeder Mensch seine Würde, niemand soll alleine begraben werden müssen“, hat Julius – selbst Mitglied im Vorstand der Hospizarbeit – gemeinsam mit dem Verein Hospizarbeit ein Projekt angeschoben.

Startschuss im März

Seit März habe es inzwischen drei Beerdigungen von „Unbedachten“ gegeben, bei denen Ehrenamtliche des Hospizvereins die Urnen-Beisetzung begleitet hätten, berichtet Julius. Dazu würden sich jeweils fünf bis sieben ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zu einem verabredeten Termin vor der Kapelle um die Urne versammeln. Nach einer kurzen Andacht mit Namensnennung, Geburts- und Sterbedatum – mehr ist über die Verstorbenen häufig nicht bekannt – begleiten die Ehrenamtlichen die Urne zur letzten Ruhestätte und setzen sie bei. „Ein entsprechendes Urnenfeld gibt’s auf dem Nicolai-Friedhof seit 2005“, so Harms.

Verbundenheit zeigen

„Wir legen auch noch einen Urnenkranz daneben und zeigen so unsere Verbundenheit mit einem uns unbekannten Menschen“, sagt Jeannette Ehlers, Koordinatorin der Hospizarbeit Gifhorn. Derzeit könne der Verein – er ist inzwischen auf 54 Sterbebegleiterinnen und Sterbebegleiter angewachsen – bei „Unbedachten-Bestattungen“ auf einen Pool von 14 Mitarbeitenden zurückgreifen.

Interessierte gesucht

Wer Interesse habe, die Bestattungs-Begleitung Einsamer mitzutragen, könne sich mit dem Hospizverein in Verbindung setzen, ruft Ehlers zur Unterstützung auf. Eine Kontaktaufnahme ist unter Tel. 05371-9907901 oder info@hospizarbeit-gifhorn.de möglich. Im Anschluss erfolge eine Aufnahme in den E-Mail-Verteiler des Begleiter-Teams für die „Unbedachten“-Bestattungen.

Von Uwe Stadtlich

50 Jahre Wassersportclub Gifhorn: Das Jubiläum wurde groß gefeiert. Mit den Einnahmen einer Jubiläumsball-Tombola unterstützt der Verein jetzt die AZ-Aktion Helfen vor Ort.

07.11.2019

Der jüdische Friedhof in Gifhorn birgt überraschende Geschichten und Erkenntnisse. Die haben Annette Redecker, Hartmut Rohde und Anne Martin in einem neuen Buch zusammengetragen.

07.11.2019

Wie wird aus einer erdverkrusteten Rübe strahlend weißer Zucker? Wir haben einen Blick hinter die Türen einer Zuckerfabrik geworfen – und alles gesehen, außer Zucker.

07.11.2019