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Gifhorn Stadt Geschäftsleute bestätigen raueren Umgangston
Gifhorn Gifhorn Stadt Geschäftsleute bestätigen raueren Umgangston
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20:00 27.05.2019
Genervte Kunden: Geschäftsleute berichten von unterschiedlichen Erfahrungen. Quelle: Archiv
Gifhorn

Es werde „beim kleinsten Anlass gepöbelt, geschimpft und beleidigt“, beklagt Ankermann fehlenden Respekt gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Wir werden es nicht mehr länger akzeptieren, dass diese Menschen von einer absoluten Minderheit der Kunden derart behandelt werden“, stellt sich Ankermann hinter sein Team – und bekommt Zuspruch von Gifhorns Toom-Marktleiter Gerd Meyerdiersk.

Ein gesellschaftliches Problem

„Der Umgangston ist rauer geworden“, stellt auch der Baumarkt-Chef fest. So gebe es Kundinnen und Kunden, denen beim Warten in der Kassen-Schlange die Geduld fehle. Der Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nehme ab. Darin sieht Meyerdierks ein gesellschaftliches Problem. „Wenn Lehrer schon mit Viertklässlern Probleme haben, transportiert sich das später in die nächst höhere Ebene.“

Pöbel-Kunden und Beleidigungen von Mitarbeitern – Gifhorns Real-Chef Uwe Baumann winkt ab. „Das kann ich für unser Haus so nicht bestätigen.“ Natürlich gebe es „vereinzelt und ab und zu“ einige Problemfälle. „Doch damit können wir umgehen, größere Schwierigkeiten gab’s in unserem Markt noch nicht.“

Klärung im Gespräch

Schütte-Chef Udo von Ey kann die Erfahrungen von Ankermann ebenfalls nicht teilen. „Wir haben freundliche Kundinnen und Kunden und es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten. Natürlich machen auch wir hin und wieder einmal einen Fehler – das ist menschlich“, so der Chef der Gifhorner City-Gemeinschaft. „Solche Probleme werden dann in einem Gespräch ausgeräumt“, spricht von Ey von einem „tollen Verhältnis zu seiner Kundschaft“.

Es gebe zwar eine „allgemeine Verrohung“ in der Gesellschaft, aber eine Zunahme von Pöbeleien durch Kunden „habe ich so nicht festgestellt“, sagt Martin Eisbrenner, Betreiber des Edeka-Marktes in Weyhausen. Dies hätten ihm auch seine Mitarbeiter auf Nachfrage bestätigt. Natürlich gebe es Ausnahmen – „jeder hat mal einen schlechten Tag“ –, meist stehe aber „der Dialog im Vordergrund“. Eisbrenner findet es „trotzdem gut“, was sein Kollege Ankermann gemacht hat: „Das zeigt, dass er auf seine Leute aufpasst.“

Eher unfreundlich als pöbelnd

„Wir haben keine pöbelnden Kunden, unfreundliche mitunter schon. Manchmal mehr, manchmal weniger“, erklärt Katrin Bornemann, Betreiberin des Rewe-Marktes in Isenbüttel. Man habe dann schon „einen Kloß im Hals“ und frage sich, „warum der jetzt so ist“. Meist könnten solche Situationen aber „durch Schlichten sehr schnell geregelt werden“.

Eine schriftliche Anfrage der AZ an Toralf Ankermann zum enormen Echo auf seinen Schritt in die Offensive beantwortete die Edeka-Zentrale Minden: „In dem Facebook-Post werden persönliche Erlebnisse und Eindrücke aus den Märkten des selbstständigen Edeka-Einzelhändlers geschildert. Die zahlreichen positiven Reaktionen zeigen, dass für viele Menschen Respekt und Menschlichkeit an erster Stelle stehen.“

Aus Sicht der Verkäuferinnen

Vor Ort in einem der Ankermann-Läden in Meine zeigt sich am Montagnachmittag ein uneinheitliches Bild. Eine Mitarbeiterin des Marktes bestätigt, dass die Kunden mitunter alle Höflichkeit fahren lassen: „Was man sich dann gefallen lassen muss, ist unglaublich.“ Vielleicht hätten die Stress. Sie findet die Aktion ihres Chefs „echt toll“.

Nach dem Umbau des Marktes Anfang des Jahres sei es so schlimm geworden mit den verbalen Fehlgriffen, sagt eine andere: „Vielleicht weil die Kunden sich nicht mehr so zurecht finden.“ Aber als Grund könne das ja auch nicht durchgehen. „Ich verstehe es nicht.“

Keine Kunden-Reaktion

Eine Kollegin dagegen meint, dass die Sache mit den Pöbeleien den Markt in Meine gar nicht so betreffen: „Das ist mehr in Schwülper der Fall.“ Von Kunden auf den Facebook-Post des Chefs angesprochen worden sei sie den Tag über gar nicht.

Ein halbes Dutzend Kunden, angesprochen auf den Pöbel-Post, schüttelt den Kopf oder zuckt mit den Schultern – weil keiner bei Facebook zuhause ist und auch sonst nichts vom Ankermann-Appell gehört hat. Das gilt auch für die freundliche Frau, die gerade ihre Ankermann-Einkäufe in den Fahrradkorb packt. Sie weiß von nichts, außer, dass sie „hier gern einkaufen geht“.

Lob für die Aktion

Wenn es denn aber so wäre, dass „der Chef sich hinter – oder vor – seine Mitarbeiter stellt“, dann würde sie es gut finden: „Ich arbeite auch in der Branche und weiß, was da manchmal abgeht.“

Negative Erfahrungen mit König Kunde schildert auch die Mitarbeiterin eines anderen Marktes aus einer anderen Branche. „Die Leute sagen weder guten Tag noch bitte oder danke.“ Sie empfinde sich häufig als „Fußabtreter der Nation“, „unsere Leistungen werden nicht mehr wertgeschätzt“. Das bestätigt eine andere Verkäuferin und stellt fest: „Die Ungeduld der Kunden und eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber uns und gegenüber der Ware haben zugenommen.“ Die Erwartungshaltung sei enorm. Auch sie berichtet von einem Chef, der unterstützend eingreift: „Wir können ihn in Extrem-Situationen dazu holen.“

Von Uwe Stadtlich und Jörg Rohlfs

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