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Gifhorn Stadt 5G-Mobilfunk: Die 4. industrielle Revolution birgt Risiken
Gifhorn Gifhorn Stadt 5G-Mobilfunk: Die 4. industrielle Revolution birgt Risiken
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00:22 27.06.2019
Wir es mobiles Internet „an jeder Milchkanne“ geben? Die einen erwarten die „4. industrielle Revolution“, die anderen fürchten gesundheitliche Risiken und ein weiteres Abhängen des ländlichen Raums – von der Einführung des Mobilfunkstandards 5G. Quelle: dpa
Gifhorn

6,55 Milliarden Euro an Lizenzgebühren standen am Ende der drei Monate dauernden Auktion mit knapp 500 Bieterrunden auf der Rechnung. Der Bund will das Geld in die Digitalisierung investieren, in Schulen und dem Breitbandausbau. Bis 2040 dürfen bei der 5G-Vermarktung die Anbieter Telekom, Vodafone, Telefonica Germany und die Drillisch Netz AG mitmischen .

Geld verdienen und Auflagen erfüllen

Die vier können mit der neuen Technik nun Geld verdienen, müssen aber auch noch zusätzlich Auflagen erfüllen – damit die Mobilfunkversorgung durch schnelleres Internet verbessert wird. So muss bis 2022 unter anderem eine 100-prozentige Abdeckung an Autobahnen und Bundesstraßen erreicht werden und von 98 Prozent der Haushalte mit 100 Megabit pro Sekunde. Das kann laut Vorgabe auch mit der jetzt noch aktuellen Technik LTE erreicht werden, auf das 5G technisch aufbauen kann.

Neuer Mobilfunkstandard 5G – Die Auktion der Frequenzen brachte dem Bund Milliardenerlöse. Quelle: dpa

Gut für Ballungsräume

5G arbeitet allerdings mit wesentlich höheren Frequenzen – 3,4 Gigaherz statt 1,8. Eine Folge ist, dass die Qualität besser, die Datenraten höher und die Strahlungsintensität geringer ist, aber auch die Reichweite der Sender. Sie liegt bei wenigen hundert Metern. Grundsätzlich besser geeignet ist der neue Standard also für städtische Ballungsräume. Am besten ist es dort, wo Sichtverbindung zu den Endgeräten besteht: auf Plätzen, Sportstadien, Einkaufszentren.

Sender an Gullydeckeln

Es müssen also viel mehr 5G-Sender installiert werden. Zum Beispiel an Häuserwänden. Es gibt auch Überlegungen, sie beispielsweise von unten an Gullydeckeln zu befestigen. Ein Vorteil von 5G ist, dass es modulierbar ist. Es kann an unterschiedliche Bedarfe angepasst werden durch Fokussierung – beispielsweise breitbandig mit hohen Datenraten im Gewerbegebiet, besonders schnell oder zuverlässig an Verkehrswegen oder effektiv bei der Vernetzung von Menschen, vor allem aber von Geräten.

Das Internet der Dinge

Und da ist sie dann, die vermeintliche 4. industrielle Revolution durch 5G: das Internet der Dinge. Experten gehen davon aus, dass in Ballungsräumen es künftig möglich ist und so sein wird, dass bis zu einer Million internetfähiger Maschinen pro Quadratkilometer Fläche vernetzt sein werden. In allen Technologiebereichen würden dadurch nachhaltige Veränderungen vollzogen.

Risiken für die Gesundheit

Ob 5G krank macht, ist umstritten. Die Strahlungsintensität wird niedriger sein, aber die Anzahl der Sender höher. Am schlimmsten sei ohnehin das Handy/Smartphone, weil es am meisten strahle und auch noch am Ohr gehalten werde. Eine 230-köpfige internationale Gruppe von Wissenschaftlern und Ärzten fordert einen Aufschub der 5G-Einführung wegen gesundheitlicher Risiken. Andere meinen, hohe Frequenzen sorgten bei Menschen lediglich für eine Erwärmung der Haut, weil sie Materie nicht durchdringen können.

Keine Referenzgruppe

Noch andere, quasi Dritte meinen, dass Gefährdungen möglich sind, sich aber nicht beweisen lassen, weil alle Menschen überall (auch natürlicher) Strahlung ausgesetzt sind und es deswegen keine Referenzgruppe – normal/anormal – gebe. Vierte meinen, Strahlung sei ein „Zivilisationsrisiko“. So wie Autos.

Wolfsburg als 5G-Modellregion?

5G löst in der Region nicht nur Bedenken aus, sondern auch Vorfreude und Begehrlichkeiten. So setzt sich die IG Metall Wolfsburg gemeinsam mit der Politik vor Ort dafür ein, dass die Volkswagenstadt eine von bundesweit fünf Modellregion für die neue Technologie wird.

5G sei gerade für die Region Wolfsburg von existenzieller Bedeutung, um mit den Digitalisierungsprozessen in der Automobilindustrie Schritt halten zu können. Laut SPD-MdB Falko Mohrs werde seit gut einem Jahr am Konzept Modellregion gearbeitet.

Volkswagen selbst hat bereits bekundet, eigene 5G-Netze in Werken der Marke Volkswagen –in Wolfsburg als Pilotprojekt – installieren zu wollen. Ziel ist es, die Fertigung „flexibler und effizienter“ zu gestalten, unter anderem durch die Vernetzung der 5000 Werks-Roboter sowie Maschinen und Anlagen. Vorteile verspricht sich Konzern auch bei der „Software-Betankung“ der Fahrzeuge zu einem flexiblen Zeitpunkt der Produktion.

„Es existiert so unglaublich viel Unwissen“

Sie ist streitbar und liebt das Leben: Nicole Wolf macht mit der von ihr gestarteten Bürgerinitiative STOPP 5G mobil gegen den kommenden Standard wegen „gravierender Gesundheitsgefahren“.

Nicole Wolf von der Bürgerinitiative „Stopp 5G“ Quelle: dpa / Wolf

„Es existiert so unglaublich viel Unwissen, das macht mich wahnsinnig“, sagt die 39-jährige Werkleiterin des Automobilzulieferers CIE Golde in Gifhorn. Dabei gebe es „hunderte Studien“, die belegen, dass schon die Strahlung der existierenden Mobilfunknetze beispielsweise die menschliche DNA und Spermien schädige. Die Installation des bislang unerforschten 5G-Netzes sei daher ein „Menschenversuch“ und aufgrund des Artikel 2 des Grundgesetzes, das Recht auf körperliche Unversehrtheit, abzulehnen.

Die Mutter und Hobby-Musikerin, die im lauschigen Lüsche im Norden des Landkreises mit ihrer Familie ohne W-Lan und auch sonst weitgehend strahlungsarm lebt, engagiert sich in der Bürgerinitiative als deren Sprecherin aus „Eigenverantwortung und aus Verantwortung für jene, die sich nicht wehren können“. Sie selbst sei nicht „elektrosensibel. Viele andere schon.“ Dass man sich über Betroffene lustig mache, „ohne ein Wort mit ihnen gewechselt zu haben“, ist für Wolf ein No-Go.

Ebenso wie der „politische Lobbyismus“ und die „monetären Interessen“, die (in diesem Fall) wieder besseren Wissens und mittels „Falschaussagen“ 5G durchdrücken. Dass sie und ihre derzeit 60 Mitstreiter der im April gegründeten BI vermutlich keine Chance haben, es im Landkreis Gifhorn zu verhindern, stört sie nicht: „Ich weiß, dass ich für das Richtige kämpfe. Und das kann ich nicht lassen.“ Wolf konnte es auch nicht lassen, im CIE-Golde-Werk die Fensterscheiben austauschen zu lassen, um damit, als Vorsorgemaßnahme für die Mitarbeiter, die Strahlenbelastung von 1600 Mikrowatt pro Quadratmeter auf 37 zu verringern.

Das nächste Netzwerktreffen von STOPP 5G findet am Dienstag, 25. Juni, ab 18.45 Uhr im Mehrgenerationenhaus Gifhorn statt. Mit dabei ist dann erstmals auch eine Initiative, die den Bau eines Mobilfunkmastes im Gifhorner Ortsteil Winkel verhindern will.

Von Jörg Rohlfs

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