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Gifhorn Stadt Leichen in Wittingen und Passau: Viel Spekulation, wenig Fakten
Gifhorn Gifhorn Stadt Leichen in Wittingen und Passau: Viel Spekulation, wenig Fakten
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11:09 15.05.2019
Armbrust-Drama in Wittingen: Die Ermittlungen vor allem zu den Hintergründen der Selbstmord-Reihe laufen weiter auf Hochtouren. Quelle: Sebastian Preuß
Wittingen/Passau

Im Fall der beiden toten Frauen aus der Wohnung in der Wittinger Junkerstraße steht immerhin fest, dass keine äußere Gewalteinwirkung und keine Fremdeinwirkung festzustellen sind. Doch weitere Untersuchungen stehen noch aus, etwa ob Gift zum Einsatz kam. Wann weitere Ergebnisse feststehen, mochte Christina Pannek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Hildesheim, nicht sagen. Nur so viel: „Nicht vor Ablauf der Woche.“

Waren der 53-Jährige und die 33-Jährige betäubt, bevor die 30-Jährige beide auf Verlangen mit der Armbrust tötete und sich dann selbst erschoss? Auch in Passau stehen noch weitere Ergebnisse der Rechtsmediziner zu toxikologischen Untersuchungen aus, bestätigte Stefan Gaisbauer, Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern, auf AZ-Nachfrage. „Es sind bislang Voruntersuchungen gemacht worden. Die haben nichts ergeben.“ Doch exaktere liefen noch. Wann deren Ergebnisse vorliegen, vermochte Gaisbauer nicht einzuschätzen.

Noch keine Einschätzung zum Motiv

Die Hintergründe der rätselhaften Suizid-Reihe bleiben weiter im Dunkeln. Zumindest erste Vermutungen scheinen die Passauer Ermittler zu haben. Doch Gaisbauer hält sich noch bedeckt. „Zum Motiv können wir noch nichts sagen.“ Die Polizei gehe erst an die Öffentlichkeit, wenn sie es 100-prozentig wasserdicht habe. „Wir wollen uns nicht an Vermutungen beteiligen.“

Was ist Behauptung, was ist Fakt?

Vermutungen, Behauptungen und Spekulationen kursieren zurzeit im ganzen Land zu diesem Fall. Unter anderem zu der 19-Jährigen, die in Wittingen ums Leben kam. In einem RTL-Interview berichteten deren Eltern, dass der Kontakt seit langem abgebrochen gewesen und die junge Frau als vermisst gemeldet sei. Da winken sowohl Pannek, als auch Gifhorns Polizeisprecher Thomas Reuter ab. Die Staatsanwältin: „Die 19-Jährige war ganz offiziell und anständig unter der Adresse in Wittingen gemeldet.“ Laut Reuter habe sich die junge Frau frei dort aufhalten dürfen, wo sie wollte – sie sei ja schon volljährig gewesen.

Mittelalter, Kampfsport und Gothic

Auch der 53-Jährige, der in Passau Hand in Hand mit seiner 33-jährigen Partnerin tot im Bett der Pension aufgefunden wurde, steht im Zentrum von Spekulationen. Er soll einen Mittelalterladen im rheinland-pfälzischen Hachenburg betrieben haben. Außerdem ist von Mittelalterturnier-Verein, Kampfsportclub und Gothic-Szene die Rede und davon, dass die Frauen ihm gegenüber eher „unterwürfig“ aufgetreten sein sollen.

Die Umfeldermittlungen liefen weiter, um die näheren Hintergründe zu klären, sagt Reuter. Man kenne solche Gerüchte. Aber: „Die Polizei hält sich an Fakten.“

Chronologie des Armbrust-Dramas in Wittingen und Passau

Ein Fall um fünf Tote gibt der Polizei in Passau und Gifhorn weiter Rätsel auf. Die Chronologie des Armbrust-Dramas von Passau und Wittingen in der Übersicht:

Freitag, 10. Mai: Spät abends checken drei Gäste in der Pension an der Ilz bei Passau ein, ein 53-jähriger Mann und eine 33-Jährige Frau aus dem Westerwald sowie eine 30-Jährige, die vor wenigen Monaten aus dem Westerwald nach Wittingen gezogen war. Andere Gäste beschreiben sie als „seltsame Gruppe“. Das Trio begibt sich bald in das Zimmer und wird nicht mehr lebend gesehen.

Samstag, 11. Mai: Zimmermädchen finden die drei Leichen in dem Zimmer im zweiten Geschoss. Der 53-Jährige und die 33-Jährige liegen Hand in Hand, getroffen von mehreren Pfeilen, zugedeckt im Bett. Die 30-Jährige, von einem Pfeil getroffen, liegt in einer Blutlache auf dem Boden davor. Die Polizei stellt insgesamt drei Armbrüste, eine davon unbenutzt, sicher. Ebenso zwei Testamente.

Montag, 13. Mai: Als die Gifhorner Polizei die 35-jährige Lebensgefährtin vom Tod der 30-Jährigen informieren will, findet sie in der Wohnung an der Junkerstraße in Wittingen deren Leiche und die einer 19-jährigen Frau, deren Identitäten erst am kommenden Tag feststehen werden. Nun rollt auch im Kreis Gifhorn die Ermittlungswelle in diesem rätselhaften Fall an.

Montag, 13. Mai: Nach und nach kommen Einzelheiten zu den Beteiligten ans Tageslicht. Die 35-Jährige aus Wittingen war Lehrerin an der Grund- und Oberschule. Alle drei Opfer aus der Passauer Pension sollen in einem Ritterturnier-Verein Mitglieder gewesen sein. Es gibt auch Spekulationen über eine Gothic-Szene.

Montag, 13. Mai: Am Tatort Junkerstraße versammelt sich ein großes Medienaufgebot. Die Bewohner der Kleinstadt sind entsetzt über die Tat.

Dienstag, 14. Mai: Die Passauer Polizei gibt erste Ergebnisse der Obduktion der drei Leichen aus der Pension bekannt. Die Pfeile trafen demnach in Hals und Herz. Es gibt keine Anhaltspunkte auf eine Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten. Eine Beteiligung anderer Personen bleibt weiterhin ausgeschlossen.

Dienstag, 14. Mai: Auch im Fall der Leichen aus Wittingen gibt es erste Obduktionsergebnisse: Es liegen keine Fremd- und keine Gewalteinwirkung vor. Weitere Untersuchungen stehen noch aus.

Von Dirk Reitmeister

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