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Gifhorn Stadt Darum sind Spielplätze so wichtig
Gifhorn Gifhorn Stadt Darum sind Spielplätze so wichtig
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10:20 16.08.2019
Ein wichtiger Klassiker: Kinder lernen auf Spielplätzen vieles – auch Soziales miteinander. Der Gifhorner Paulus-Kindergarten weiß das am besten. Ihm fehlte ein Jahr lang die Spielstätte. Quelle: Cagla Canidar
Gifhorn/Peine/Wolfsburg

Spielplätze sind super wichtig für Kinder!“ Wer weiß das besser, als Sonja Jander, Leiterin des Paulus-Kindergartens in Gifhorn. Vor rund einem Jahr kam der Spielplatzprüfer. Der senkte den Daumen, wegen des schlechten Zustand der Anlage war die weitere Nutzung untersagt.

AZ-Umfrage: Gbt es in Ihrer Nähe noch einen intakten Spielplatz?

Ein Jahr ohne Spielplatz - für den Kindergarten eine halbe Ewigkeit.

„Hier lernen Kinder klettern, springen, schaukeln. Das ist gerade für Kinder, die in Wohnblöcken zuhause sind, so wichtig.“ Umso größer nun die Freude, dass dank der Aktion von Radio ffn ein pfuschneuer Spielplatz in Betrieb genommen werden konnte.

Kinder in Planung involviert

Die Kinder durften bei der Auswahl der Geräte fleißig mitplanen. Ein buchstäblich bewegender Moment bei der Eröffnung: Eine Dreijährige lernte in kürzester Zeit schaukeln. „Die Mutter hatte vor Freude Tränen in den Augen“, erzählt Jander. Schön auch: Hier haben Kinder des Viertels nun wieder einen Treffpunkt, hier wird soziales Miteinander geübt - das fängt schon beim Schlangestehen fürs Rutschen an.

Initiative zur Rettung des Spielplatzes gegründet

Der Zustand eines Spielplatzes sagt auch immer viel über das Alter der Stadtteilbewohner aus. Das weiß niemand besser als Wilfried Esche. Er wohnt seit 20 Jahren in der Weststadt von Fallersleben. Eines Tages verfiel der Spielplatz an der Schwefelquelle immer mehr, da kaum noch Kinder dort spielten. Die Stadt wollte schließlich dort bauen. Doch Esche fand das zu kurzsichtig. „Hier vollzieht sich ein Generationenwechsel. Irgendwann werden hier wieder Kinder spielen.“ Er gründete eine Initiative, die nicht nur den Spielplatz rettete, sondern sich auch als Paten für das Areal zur Verfügung stellte. Und siehe da: Der Plan ging auf.

Für den Stadtteil ein wertvolles soziales Signal, so Esche. „Wichtig ist, dass sich Kinder dort treffen. Und die Initiative hat die Nachbarschaft zusammen geschweißt.“ Auch wenn die Konkurrenz großer Freizeitparks größer sei als früher, „ein Spielplatz ist einfach ein Klassiker für Kinder“, sagt Esche.

Scherben im Sand: „Ein gigantisches Problem!“

Das kann Linda Adina Oltmanns aus Stederdorf im Landkreis Peine bestätigen. Die Tagesmutter sieht tagtäglich, wie beliebt der Gang zum Spielplatz bei ihren betreuten Kindern ist. „Das ist ein zentraler Treffpunkt für einen Ort.“ Ihr Problem: „Nicht überall gibt es etwas für unter Zweijährige.“ Und noch mehr Sorge macht ihr, wie manche Mitmenschen das Kinderidyll mutwillig zerstören. Viel Müll und Scherben im Sand seien „ein gigantisches Problem“.

Interview mit Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Niedersachsen

„Baut keine klassischen Spielplätze mehr!“

Wie wichtig sind Spielplätze, was macht einen guten Spielplatz, wer entscheidet über die Gestaltung – das erläutert Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Niedersachsen, im Gepräch.

Wie wichtig sind Spielplätze für Kinder?

Spielen und Erholung sind wichtig für Seele und Körper von Kindern. Durch das freie Spiel werden ihre motorischen und sozialen Fähigkeiten gestärkt, sie lernen Risiken einzuschätzen und ihre Umwelt kennen. Doch vor allem haben Kinder beim Spielen eine Menge Spaß – und das ist gesund!

Die Entscheider, wie ein Spielplatz gestaltet wird, sind hier vor Ort in der Regel Verwaltung und Politik – ist das aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Warum bis heute der überwiegende Teil der Verwaltung die Kompetenz der Kinder in eigener Sache nicht abruft, obwohl der §36 der Kommunalverfassung das vorgibt, ist nicht mehr zu akzeptieren. Kinder sind gerade was die Spielplatzgestaltung angeht, die Experten überhaupt.

Sind Kinderspielplätze bei Kindern noch gefragt?

Ein klares Ja! Das Wohnumfeld hat heute radikale und nicht immer kinderfreundliche Strukturen angenommen. Da brauchen wir eine kreative und kinderbeteiligende Gegenbewegung. So eine „Art Friday for playground“.

Wie viel Bewegung brauchen Kinder?

Es gibt Studien, die sagen, da wo Kinder draußen spielen können, tun sie es auch. Sie spielen dann im Durchschnitt fast zwei Stunden pro Tag draußen ohne Aufsicht der Eltern in Wohnungsnähe. Aber dort wo es im Umfeld der Wohnung schlechte Draußenspielbedingungen gibt, spielen sie im Durchschnitt nur 15 Minuten draußen und rund drei Viertel der Kinder können nicht draußen spielen.

Was macht einen kindgerechten Spielplatz aus?

Baut keine klassischen Spielplätze mehr! Die sind unglaublich teuer, sehen schick aus, sind aber für Kinder nicht veränderbar. Was wir brauchen sind Bauspielplätze, wo Hütten gebaut und wieder abgebaut werden können, Abenteuerspielplätze die einem Urwald gleichen, Wasseranschlüsse haben und vor allem auch für Kinder allein erreichbar sein müssen.

Von Andrea Posselt

Spielplätze sind wichtig für Kinder! Hier lernen sie klettern, springen und schaukeln. Der Spielplatz ist auch ein zentraler Treffpunkt, hier wird soziales Miteinander geübt. Wie sieht es in ihrer Umgebung aus, gibt es noch eine intakten Spielplatz?

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