Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Gifhorn Stadt Missbrauchsprozess: 13-Jährige wurde in Hundekäfig gesperrt
Gifhorn Gifhorn Stadt Missbrauchsprozess: 13-Jährige wurde in Hundekäfig gesperrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:32 12.09.2019
Eines der mutmaßlichen Opfer vor der Kamera: Am Landgericht Hildesheim begann am Mittwoch die Verhandlung gegen ein Pädagogen-Ehepaar, die Anklage lautet auf Missbrauch. Quelle: Bettina Reese
Gifhorn/Hildesheim

Gedacht war ihre Wohngruppe „Lichtblick“ als Zufluchtsort für hilfebedürftige Kinder und Jugendliche. Hier sollten sie Sicherheit und Geborgenheit finden. Stattdessen kam es zu Misshandlungen und zu sexuellem Missbrauch – so die Staatsanwaltschaft Hildesheim. Das Gifhorner Betreiber-Ehepaar (56 und 60 Jahre) muss sich seit Donnerstag vor dem Landgericht Hildesheim verantworten.

Das Medieninteresse am Prozessauftakt im Landgericht Hildesheim war groß: Dort muss sich seit Donnerstag ein Pädagogen-Ehepaar verantworten, das in Gifhorn in einer Wohngruppe Kinder missbraucht und misshandelt haben soll.

Die Anzeige einer ehemaligen Betreuten vom 28. Januar 2019 hat die Ermittlungen gegen das Pädagogenpaar ins Rollen gebracht. Die Hildesheimer Staatsanwaltschaft wirft dem 56-jährigen Erzieher elffachen sexuellen Missbrauch und Misshandlung von Schutzbefohlenen in vier Fällen vor. Seine 60-jährige Ehefrau muss sich für fünf Misshandlungen verantworten. Ihre vier mutmaßlichen Opfer sollen bei den Taten zwischen sechs und 16 Jahren alt gewesen sein.

Windel-Fetisch

25 Jahre lang hat das Ehepaar Kinder betreut, jeweils sechs bis sieben zeitgleich. Von Mai 1998 bis zum Juli 2007 soll es zu den Übergriffen gekommen sein. Laut Anklage soll der heute 56-Jährige in Auslebung seines Windel-Fetisches unter anderem von den Kindern verlangt haben, auch Windeln zu tragen. Dabei sei es zu sexuellen Übergriffen gekommen. Wenn die Kinder nicht gehorchten, wurden sie bestraft. So soll laut Anklage ein Kind, das von November 2003 bis Juli 2007 in der Wohngruppe lebte, mehrere Tage allein in dem hell verklinkerten Einfamilienhaus in Gifhorn zurückgelassen worden sein. Die Türen sollen verschlossen, Fenstergriffe abmontiert gewesen sein. Hingestellt habe man dem Mädchen drei Flaschen Wasser und zwei Pizzen – gereicht habe dies nicht.

Drei Nebenklägerinnen

Drei der mutmaßlichen Missbrauchsopfer ließen sich bei der Eröffnung der Hauptverhandlung von ihren Rechtsanwälten als Nebenklägerinnen vertreten. Nur eine heute 33-Jährige möchte persönlich an den Verhandlungstagen im Gerichtssaal dabei sein. Unterstützt wird sie von ihrem Braunschweiger Rechtsanwalt Lutz Kesselhut. „Sie möchte das hier durchstehen, um diese alte Geschichte zu verarbeiten“, sagte der Anwalt auf dem Gerichtsflur.

Ein mutmaßliches Opfer ist dabei

Seine Mandantin kam als Zwölfjährige in die Wohngruppe des angeklagten Ehepaares und lebte dort fast vier Jahre lang. Sie soll unter anderem gezwungen worden sein, zehn Windeln übereinander zu tragen, die mit Paketklebeband fixiert wurden. Laut Anklage musste sie diese eine Woche lang tragen, ohne dass die Windeln gewechselt wurden. Um sie härter zu bestrafen, soll der 56-Jährige die damals 13-Jährige mehrere Tage in einen kleinen Hundekäfig im Erdgeschoss des Hauses gesperrt und ihr Hundefutter gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass die 60-jährige Ehefrau Kenntnis von den Bestrafungen hatte und nichts dagegen unternahm.

Vorwürfe gegen die Diakonie

Rechtsanwalt Lutz Kesselhut erhebt auch schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Betreiber der Wohngruppe, die Dachstiftung Diakonie. „Es gab eindeutige Hinweise“, sagte er auf dem Gerichtsflur. Er berichtet von einer Betreuerin der Wohngruppe, die die Leitung der Diakonie über Vorgänge wie das Windeltragen und andere Dinge, informiert hätte. „Ihr wurde signalisiert, dass sie jung sei und sie an ihre Karriere denken solle“, so der Anwalt weiter.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Laut Staatsanwältin Christina Pannek ist das zu erwartende Strafmaß in diesem Verfahren abhängig vom Aussageverhalten der Angeklagten. Auf Antrag der Verteidiger wurde die Öffentlichkeit während der Vernehmung des Ehepaares vom Verfahren ausgeschlossen. Der Prozess wird am 25. September fortgesetzt.

Missbrauchsfall in Gifhorn: Weitere Infos

Ein Ehepaar aus dem Raum Gifhorn wird beschuldigt, Kinder in einer Wohngruppe in der Gifhorner Südstadt sexuell missbraucht und misshandelt zu haben. Mehr Infos:

12.09.2019: Kriminalität: Pädagogen wegen Missbrauchs in Familienwohngruppe angeklagt

10.09.2019: Landgericht: Missbrauchsprozess gegen Pädagogen-Paar – Justiz schützt die Opfer

30.08.2019: Missbrauchsvorwurf gegen Gifhorner Ehepaar: Prozessauftakt naht

19.08.2019: Prozess am Arbeitsgericht:Pädagogen-Paar will weiter Lohn

09.08.2019: Kindesmissbrauch: Prozess gegen Gifhorner Ehepaar beginnt

30.05.2019: Vorfälle in WohngruppeMissbrauchsvorwurf: Die Anklage steht

24.04.2019 – Arbeitsgericht – Missbrauch in Gifhorner Wohngruppe: Gütetermin aufgehoben

08.04.2019 – Missbrauchs-Fall in Wohngruppe: Abfuhr für beschuldigtes Pädagogen-Paar

31.03.2019 – Trotz Missbrauchsvorwürfen: Ehepaar will weiter Kinder erziehen

23.03.2019 – Missbrauchs-Ermittlungen: Beschuldigte Pädagogen schweigen weiter

21.03.2019 – Missbrauchsfall in Gifhorn: Verhindern stärkere Kontrollen Straftaten?

20.03.2019 – Nach Missbrauchsfall:Warum sich das Konzept Wohngruppe bewährt

19.03.2019 – Missbrauch in Wohngruppe:Warum alle Opfer dringend Hilfe brauchen

19.03.2019 – Missbrauchsfall in Gifhorn: Die Täter sind unter uns

18.03.2019 – Missbrauch in Gifhorner Wohngruppe: Alle Opfer sind Mädchen

17.03.2019 – Kinder waren Opfer: Neue Einzelheiten zum Missbrauchs-Vorwurf

17.03.2019 – Missbrauchs-Vorwurf gegen Gifhorner Ehepaar: Diakonie will jahrelang nichts gewusst haben

16.03.2019 – Ehepaar in Haft: Kinder aus Wohngruppe missbraucht

Von der Redaktion

Für Ralf Holsten geht es bald über die Stadt statt durch die Stadt: Der Tiddischer hat bei der Altstadtfest-Tombola von PSG, GWG und VLG und den ersten Preis gewonnen: eine Ballonfahrt.

12.09.2019

Die dritte Auflage der Blutspende-Challenge ist ausgewertet, die Gewinner stehen fest.

12.09.2019

Eine Seefahrt mit dem Marinechor „Blaue Jungs“ ist lustig – das erlebten die Zuhörer beim Konzert in der Stadthalle. Dabei fiel Chorleiter Unolf Ganzer einiges ein, um das Publikum einzubeziehen.

12.09.2019