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Gifhorn Stadt So geht’s mit Musik zurück ins Arbeitsleben
Gifhorn Gifhorn Stadt So geht’s mit Musik zurück ins Arbeitsleben
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06:00 10.12.2019
Besonderes Projekt: Mit Hilfe des Kultbahnhofs und zweier Coaches haben Arbeitslose einen Song geschrieben, geprobt und aufgenommen. Jetzt geht es an einen zweiten – und daran, in die eigene Lebensspur zurück zu finden. Quelle: Sebastian Preuß
Gifhorn

Führt der Weg auf den Arbeitsmarkt über eine Treppe rauf ins Tonstudio des Gifhorner Kultbahnhofs? Fünf Arbeitslose glauben fest daran, wenn sie sich unter der heimeligen Dachschräge ans Schlagzeug setzen oder zur Gitarre greifen. Die Idee zu diesem besonderen Projekt hatten Thomas Steinborn vom Jobcenter und Musiker Volker Schlag. Sie wollen, dass die Teilnehmer mit Hilfe zweier Musik-Coaches ihr Leben rocken.

Schlag begrüßt mit Handschlag und kommt gleich zur Sache, bevor er die Eingangstür zum Kultbahnhof aufschließt. „Passt auf, was wir heute machen werden: Wir werden die Instrumente tauschen.“ Der Finger geht reihum in der Runde der Teilnehmer. „Du spielst Keyboard, du spielst Schlagzeug, du spielst Bass.“

„Das macht uns allen Spaß“

Hoch geht es Stufe um Stufe bis unters Dach. Kevin Bogner fühlt sich dort zuhause. „Das macht uns allen jede Menge Spaß“, sagt der arbeitslose 25-Jährige aus Lessien, der seit dem Mitte September gestarteten Projekt positiver durchs Leben geht. Inzwischen laufen Bewerbungen und Vorstellungsgespräche.

Das ist Ziel des Projekts

Mental aufbauen ist ein wesentlicher Aspekt dieses Projekts, sagt Steinborn. Angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit habe er es inzwischen sehr oft mit Klienten mit tief wurzelnden Problemen zu tun – von Fluchthintergrund über körperliche Gebrechen bis hin zu psychischen Erkrankungen. Doch auch in diesen Menschen stecke Potenzial. Deshalb hat sich Steinborn mit Schlag zusammen getan und Aufruf-Plakate im Jobcenter ausgehängt.

Was die Teilnehmer mitbringen mussten

Einzige Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Projekt: Der Teilnehmer sollte schonmal ein Instrument in der Hand gehabt haben. Das passt bei Bogner. Er hatte schon eine Schulband geleitet und eigene Bandprojekte. Auch seine Bandkollegen, die sich im Kultbahnhof an die Instrumente machen, können mit denen umgehen.

AZ-Adventskalender: So machen Sie mit

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20 Interessierte hatten sich im Sommer gemeldet, fünf sich letztlich gefunden. „Die passen zusammen wie Arsch auf Eimer“, freut sich Steinborn. Das lässt sich auch in Stereo heraushören. Schlag setzt sich an sein Mischpult – ein Rechner mit drei Bildschirmen. Schnell noch einen frischen Akku in die Maus und dann auf Start geklickt.

Worum es in dem Song geht

Ein bisschen Pop, ein bisschen Balkan, der Sänger singt auf Persisch, die Sängerin auf Deutsch. Es geht um Liebe, es gibt um Trennung. Der iranische Flüchtling aus der Gruppe verarbeitet in dem Text die mehrere Tausend Kilometer zwischen sich und seiner Familie in der Heimat.

„Das ist der Hammer“, schwärmt Steinborn über den Drive des Musiktitels. Alles selbst gemacht, versichert Schlag. „Wir haben ihn geschrieben, geprobt, aufgenommen und abgemischt.“ Darauf könnten sich die Fünf jetzt etwas einbilden, und genau das ist für Schlag das Ziel. „Jeder musste aus sich heraus kommen. Wichtig ist, dass sie zusammen etwas gemacht haben und sich sagen können: Das ist unsere Geschichte.“ Den Titel mal öffentlich zu präsentieren wäre toll, stehe aber an zweiter Stelle.

Was in jedem Einzelnen so steckt

„Sie haben so viel Wissen und kreative Energie, dass sie Songs schreiben können“, sagt Steinborn. Er sieht sich bestätigt: „In jedem Menschen steckt immer mehr, als man von vornherein vermutet.“ Deswegen spricht er nicht über die Kosten, die die Krankenkassen tragen. „Man kann den Nutzen nicht in Geld berechnen.“

Jetzt geht’s an Song zwei

Es ist ein besonderer Tag im Tonstudio: „Heute ist das erste Mal, dass wir uns zweimal in der Woche treffen“, sagt Schlag. Der Musiktitel ist fertig, das Projekt noch nicht. Jetzt kommt der zweite Song. Und der Gifhorner Rocker immer mehr in sein Element, wie er seine Leute einschwört. „Hört zu, der nächste Song ist eher etwas rockig, richtig straight.“ Kein Problem – Gitarre, Bass und Trommelstöcke liegen schon in der Hand.

Der AZ-Adventskalender: Die Geschichten

Die Aller-Zeitung schenkt ihren Lesern jeden Tag eine Geschichte – für den AZ-Adventskalender dürfen Sie sich eine Geschichte wünschen. Hier ein Überblick der bereits geöffneten Türchen:

2. Dezember: Das ist die Familienreise-Bloggerin aus Gifhorn

3. Dezember: Das ist die besondere Ausstellung in Gifhorn

4. Dezember: Jetzt hat Gifhorn einen eigenen Gin

5. Dezember: „Wir machen das alles mit Herz“: Warum die DRK-Bereitschaft für Gifhorn so wichtig ist

6. Dezember: Gymnasium Leiferde: Ideen für Nachhaltigkeit hinter jedem Türchen

7. Dezember: Türchen auf: Darum hat Gifhorns Tafel kein Tierfutter

9. Dezember: Wittkopsviertel in Gifhorn: Vieles ist in Bewegung

Von Dirk Reitmeister

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