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Gifhorn Stadt Erstaunlich wenig Einbrüche im Kreis Gifhorn: So helfen Corona und Zeugen der Polizei
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Kriminalität im Kreis Gifhorn: Zeugen und Corona helfen gegen Einbrecher

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19:00 04.12.2020
Dunkle Jahreszeit, Einbruchszeit: Gifhorns Polizei zählt in diesem Jahr erstaunlich wenig Taten – und hat im Herbst eine Bande unschädlich gemacht, die in ganz Norddeutschland auf Diebestour war.
Dunkle Jahreszeit, Einbruchszeit: Gifhorns Polizei zählt in diesem Jahr erstaunlich wenig Taten – und hat im Herbst eine Bande unschädlich gemacht, die in ganz Norddeutschland auf Diebestour war. Quelle: dpa Archiv
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Gifhorn

Auf der einen Seite ein Fahndungserfolg auch dank aufmerksamer Nachbarn, auf der anderen Seite bremst die Corona-Krise sogar Spitzbuben aus: Die Polizei Gifhorn meldet ein außergewöhnlich ruhiges Jahr in Sachen Einbrüche. Gleichwohl wiegt sie sich nicht in Sicherheit und rät, weiterhin aufmerksam zu sein, was verdächtige Vorkommnisse in Siedlungen angeht.

Im September schlossen sich in Berlin die Handschellen um die Gelenke von vier Männern und drei Frauen im Alter von 17 bis 30 Jahren. Entscheidende Hinweise auch aus dem Kreis Gifhorn führten die Festnahmeeinheit der Berliner Polizei zu der chilenischen Einbrecherbande. Damit endete eine Serie von mindestens 20 Einbrüchen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen seit Anfang August.

Auf der Jagd nach Einbrechern: Christoph Hänsel und seine Kollegen haben einer chilenischen Bande das Handwerk gelegt. Und die Corona-Krise erweist sich als Verbündete bei der Prävention. Quelle: Sebastian Preuß Archiv

„Wir haben mit verdeckten operativen Maßnahmen gegen die Gruppe ermittelt“, berichtet Christoph Hänsel, Leiter des für Einbrüche zuständigen Fachkommissariats 2 bei der Gifhorner Polizeiinspektion. Es war eine Kooperation mit der Polizei in Berlin. Ein Einbruch in Tülau wurde der Gruppe, die auch in Meine eingestiegen war, zum Verhängnis.

In Tülau fiel nämlich Anwohnern der in Frankreich gestohlene Wagen auf, mit dem die Einbrecher wochenlang unterwegs waren. Eine Zeugin habe das Auto fotografiert, sagt Hänsel. Ein weiterer Anwohner habe sogar noch versucht, einen der Täter aufzuhalten – es gab eine Rangelei. „Beherztes Eingreifen“, sagt Hänsel. Doch er und seine Leute raten eher von solchen Aktionen ab.

Außergewöhnlich wenige Taten in diesem Jahr

Insgesamt zählt Hänsel bis Ende November 94 Einbrüche. „Es ist sehr ruhig.“ Denn in den vergleichbaren elf Monaten 2019 gab es 135 und 2018 sogar 222 Einbrüche. Und: „Von diesen 94 Taten sind 48 vor dem ersten Lockdown im Frühjahr geschehen. Jetzt sind wir eigentlich mitten in der Hauptsaison, die geht Anfang Oktober los.“ Dass dennoch die Zahl der Taten erstaunlich niedrig bleibt, liegt Hänsel zufolge nicht allein am Fahndungserfolg, sondern vor allem an der Corona-Pandemie. „Die Leute können nicht in Urlaub fliegen und arbeiten zuhause im Homeoffice.“ Das sei potenziellen Einbrechern zu heikel. Nicht umsonst rät Hänsel in der Regel zur Vorbeugung, ein wegen einer Reise verlassenes Haus möglichst bewohnt wirken zu lassen – etwa durch mit Zeitschaltern gesteuertes Licht.

Die Polizei bleibt weiter am Ball

Hänsel lässt sich von den niedrigen Zahlen nicht einlullen. „Es bleibt bei uns ein Schwerpunktthema, weil es eine schwerwiegende Straftat ist. Es ist uns bekannt, was die Taten bei den Opfern anrichten.“ Viele seien traumatisiert.

„Es wird wieder offene und verdeckte Maßnahmen geben.“ Etwa Verkehrskontrollen, bei denen Fahrzeuge überprüft würden. Gleichzeitig appelliert Hänsel an die Bürgerinnen und Bürger, wie in Tülau wachsam zu sein und Verdächtiges zu melden. So gab es in dem konkreten Fall im Osten des Kreises einen Aufpasser unter den Einbrechern, der in der Siedlung „Schmiere stand“. Anwohnerinnen und Anwohner sollten deshalb nicht nur auf Autos mit fremden Kennzeichen achten, sondern durchaus auch auf einzelne Personen, die als Beobachtungsposten an einer Straßenecke stehen und so tun, als würden sie auf jemanden warten.

Einbruchsschutz: Tipps vom Fachmann

Veranstaltungen musste er absagen, aber Klaus-Dieter Ahne steht auch in Corona-Zeiten mit Rat und Tat allen zur Seite, die sich gegen Einbrüche wappnen wollen. Der Präventions-Fachmann der Gifhorner Polizei rät auf der Hut zu bleiben, auch wenn wegen der Pandemie die Zahlen gerade niedrig sind. „Das heißt nicht, dass es keine Einbrüche mehr gibt. Ungesicherte Häuser sind und bleiben eine Einladung für jeden Täter.“

Meistens dauere es nicht einmal 30 Sekunden, und der Einbrecher habe ein einfaches Fenster geknackt. „Wohnung durchwühlen, Diebesgut verstauen, abhauen: Das Ganze dauert kaum zehn Minuten.“ 70 bis 80 Prozent der Täter seien Gelegenheitseinbrecher, die mit einfachsten Werkzeugen ausgerüstet sind. „Ziel muss es sein, dem Täter Zeit zu stehlen.“

Zum Schutz vor Einbrechern gibt es spezielle Beschläge, Aufsatzsicherungen und auf Wunsch auch einbruchshemmende Gläser. Ahne bietet dazu kostenlose und unverbindliche Beratung vor Ort an.

Weitere Tipps:

Die beste Einbruchssicherung bringt nichts, wenn Türen und Fenster nicht verschlossen sind. „Gekippte Fenster sind offene Fenster.“ Beim Verlassen der Wohnung sollten deshalb Türen und Fenster nicht nur ge-, sondern auch verschlossen sein.

„Den Hochsicherheits-Wäscheschrank gibt es nicht.“ Falls gewünscht, sollte man einen fest verankerten oder im Stein eingelassenen Tresor installieren.

Anwesenheit simulieren: Rollläden sollten nicht ständig runtergefahren bleiben. Licht und gegebenenfalls TV-Simulatoren könnten per Zeitschaltuhren laufen. Nachbarn bitten, den Briefkasten nicht überquellen zu lassen und die Mülltonne nach Leerung wieder auf den Hof zu bringen.

Vorsicht in den sozialen Medien oder auf dem Anrufbeantworter mit Hinweisen auf den Urlaub. Im Telefonbuch möglichst keine Adressen aufführen.

Die Klingel sollte von der Außentür aus nicht zu hören sein. Wenn beim „Sturmklingeln“ niemand kommt, wird der Einbrecher merken, dass mit großer Wahrscheinlichkeit niemand zu Hause ist.

Eine Alarmanlage macht als Ergänzung zum mechanischen Schutz Sinn. Sie allein schützt nicht vor Einbruch, da dieser bei Auslösung schon in vollem Gang ist.

Niemals den Helden spielen und auf den Einbrecher zugehen. Auch der hat Stress und möglicherweise noch den Schraubendreher in der Hand. Wenn möglich sollte man sich einschließen, den Notruf betätigen, Fenster aufreißen und laut: „Hilfe, Einbrecher, Polizei“ oder ähnliches herausschreien.

Klaus-Dieter Ahne ist in der Inspektion unter Tel. (0 53 71) 98 01 07 zu erreichen.

Die Ermittlungen dauern noch an

Die Ermittlungen im Fall der Chilenen, die die Staatsanwaltschaft Berlin nun leitet, dauern laut Hänsel an. Drei Männer seien immer noch in Untersuchungshaft. „Wir haben umfangreiche Beute aus den Taten gefunden.“ Vor allem Schmuck und Bargeld. „Die Zuordnung dauert.“

Von Dirk Reitmeister

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