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Gifhorn Stadt Soll Landkreis Eltern Rettung in Rechnung stellen?
Gifhorn Gifhorn Stadt Soll Landkreis Eltern Rettung in Rechnung stellen?
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00:24 26.05.2018
Neu entbrannte Diskussion ums Komasaufen: Soll der Landkreis Eltern Rettungseinsätze in Rechnung stellen? Die Zahl der Fälle sank im vorigen Jahr von 60 auf 44 im Klinikum Gifhorn.
Neu entbrannte Diskussion ums Komasaufen: Soll der Landkreis Eltern Rettungseinsätze in Rechnung stellen? Die Zahl der Fälle sank im vorigen Jahr von 60 auf 44 im Klinikum Gifhorn. Quelle: Archiv
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Gifhorn

44 Jugendliche landeten laut Helios-Sprecher Matthias Schultz im vorigen Jahr mit Alkoholvergiftung in der Notaufnahme des Gifhorner Klinikums. „Diese Patienten mussten bis zu zwei Tagen stationär behandelt werden, da sie bei einer Vergiftung wegen vitaler Gefährdung überwachungspflichtig sind.“ Der jüngste sei zwölf Jahre alt gewesen.

Zahlen schwanken zwischen 79 und 34 Fällen

2016 waren es noch 60 Fälle. In den Jahren davor schwankten die Zahlen zwischen 79 in 2013 und 34 in 2015. Der 2017-er Wert ist in diesem Jahrzehnt der zweitniedrigste im Gifhorner Klinikum. „Es ist nach wie vor ein Thema“, sagt Peter Rupprecht von der Krankenkasse IKK Classic zum Komasaufen. Sie zählte 63 Fälle im Kreis Gifhorn (38 Jungen, 25 Mädchen) im Jahr 2016, 2015 waren es 48 (25 Jungen, 23 Mädchen).

Landkreis bewertet Rettungseinsatz als Notfall

Der Landkreis bewerte einen Rettungseinsatz nach Komasaufen als Notfall und rechne ihn mit der Krankenkasse ab, erläutert Erster Kreisrat Dr. Thomas Walter. Das sei rechtssicher, und dabei sollte es bleiben. Die Kasse wiederum könne Versicherte bei Mitschuld „in angemessener Höhe“ an den Kosten beteiligen. „Hierbei handelt es sich um eine Ermessensentscheidung der Krankenkassen.“

Klaus Rautenbach von den Grünen bezweifelt, dass es dem Landkreis überhaupt rechtlich möglich wäre, Eltern eine Rechnung zu schreiben. Abgesehen davon könnte die Drohung einer Rechnung sogar dazu führen, dass der Rettungsdienst aus Angst vor Kosten erst gar nicht gerufen würde – mit gesundheitsgefährdenden Folgen. Rautenbach setzt lieber auf Präventionsarbeit.

Aufklärung ist am wichtigsten

Aufklärung stellt auch Rupprecht an erste Stelle. Eltern sollten ihren Kindern den verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol vermitteln und vorleben. „Je früher Jugendliche anfangen Alkohol zu trinken, desto schwerwiegender können gesundheitliche und psychosoziale Folgen sein.“

Das liege unter anderen daran, dass noch nicht vollständig ausgereifte Organe, wie beispielsweise das Gehirn, viel anfälliger für die im Alkohol enthaltenden Giftstoffe sind.

Von Dirk Reitmeister