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Gifhorn Stadt Ein offenes Ohr für die seelischen Nöte der Patienten
Gifhorn Gifhorn Stadt Ein offenes Ohr für die seelischen Nöte der Patienten
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19:00 27.08.2019
Klinikseelsorgerin: Anja Barth im „Raum der Stille“, in dem die sie regelmäßig zur Atempause und zu Gottesdiensten einlädt. Quelle: Helios
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Gifhorn

Die Begegnung und der direkte Kontakt zum Menschen, das ist Anja Barth wichtig. In ihrer Arbeit als Klinikseelsorgerin erlebt sie dies in besonderer Weise, denn Patienten und ihre Angehörigen befinden sich oft in einer Ausnahmesituation. Menschliche Zuwendung sei für sie dann von großer Bedeutung. Besonders auf der Palliativstation zeigt sich das Leben oft in seiner ganzen Härte. Und trotzdem empfindet Anja Barth ihre Arbeit als sehr bereichernd.

Respektvolle Haltung ist wichtig

Die Seelsorgerin, fest im Palliativteam integriert, nimmt regelmäßig an den dortigen Teambesprechungen teil. Auf die Frage der Pflegekräfte, ob Patienten die Seelsorgerin sprechen möchten, antworten viele „So weit ist es noch nicht“. Dabei geht es vor allem um Lebensbewältigung und nicht nur um Sterbebegleitung. „Seelsorge bedeutet nicht, Mission zu betreiben. Im Mittelpunkt stehen die Themen, die den Menschen beschäftigen“, betont die Diakonin. Eine respektvoll, wertschätzende und absichtslose Haltung ist ihr wichtig. Den Menschen so zu nehmen wie er ist und ihn in seinen Anliegen zu begleiten, darauf kommt es an.

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Raum für Wut und Traurigkeit

Dies kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt Menschen, die überhaupt nicht über ihre Gefühle reden wollen. Andere wiederum brauchen Raum für Wut und Traurigkeit, weil sie diese Empfindungen nahestehenden Menschen nicht zeigen möchten. „Manche Patienten tragen ihre Situation mit Galgenhumor, dann lachen wir zusammen. Stellen Erkrankte Sinnfragen, suchen wir gemeinsam nach Antworten, im Kontext ihres jeweiligen Glaubens oder auch Nicht-Glauben“, benennt Anja Barth weitere Gesprächsinhalte.

Ausgleich ist wichtig

Die Konfrontation mit existenziellen Fragen und belastende Situationen empfindet sie als herausfordernd und erfüllend zugleich. „Es macht einfach Sinn, dann für Menschen da zu sein, das entspricht meiner christlichen Haltung“, sagt Anja Barth. „Ich wachse oft selbst an diesen Begegnungen. Entscheidend ist, dabei gut für sich selbst zu sorgen. Reflexion und Ausgleich sind wichtig.“ Den findet die Seelsorgerin in der Bewegung, beim Chor, in Meditation und Gebet. Regelmäßige Supervision ist ebenfalls entscheidend, um diese Arbeit leisten zu können.

Auch für Klinik-Mitarbeiter

„Auch Mitarbeiter wenden sich an die Klinikseelsorge und nehmen das Gesprächsangebot an, weil es in einem geschützten Rahmen stattfindet und – gleiches gilt für die Einzelgespräche mit den Patienten – vertraulich ist“, sagt Anja Barth.

Neben dem seelsorgerischen Beistand und Schulungsangeboten im Haus, betreut sie auch den „Raum der Stille“, ein Andachtsraum, in dem jeden Donnerstag um 11 Uhr die „Atempause“ und in Zusammenarbeit mit einem seelsorgerischen Team übers Jahr verteilt Gottesdienste stattfinden.

Von Helios

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