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Gifhorn Stadt So funktioniert der Vater-Sohn-Marathon
Gifhorn Gifhorn Stadt So funktioniert der Vater-Sohn-Marathon
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14:09 11.11.2019
Vater und Sohn: Viktor (rechts) und Benjamin Axt liefen jeweils ihren ersten und „letzten“ Marathon gemeinsam. Quelle: VfL Wolfsburg
Kästorf

Viktor Axt treibt sein Leben lang schon Sport. Vor allem das Laufen ist die Leidenschaft des 67-Jährigen, der vor über 20 Jahren seinen letzten Marathon lief. Bis neulich jedenfalls, als sein Sohn Benjamin (36) seinen ersten anging. Da ging Viktor es auch noch mal die ganz lange Distanz an.

Medaillen und Pokale

„Ich bin schon ein bissel ehrgeizig“, gibt der Mann zu, der mit 15 mit seinen Eltern aus Kasachstan nach Deutschland kam, in Baden-Württemberg und München lebte, bevor er 1976 mit seiner Frau Olga in Gifhorn heimisch wurde. „Wenn man bei einem Wettbewerb startet, will man auch gewinnen.“ Davon zeugen auch ein Pappkarton voller Medaillen und zwei Reihen Pokale hoch oben an der Wand im kleinen Arbeitszimmer. „Ich war schnell, wendig und habe immer alles gegeben.“

Sieben Träume

Benjamin Axt’ Leidenschaft ist Fußball, er spielt ihn seit er vier Jahre alt ist – mal hier, mal da beim SSV Kästorf, beim MTV Gamsen und beim MTV Gifhorn. Mit 16 hatte er „das schlimmste Jahr meines Lebens“: Wegen Wachstumsproblemen im Knie konnte er sich nicht bewegen, keine Treppen steigen. Heute kickt er bei den Alten Herren. „Und als ich volljährig wurde, habe ich eine Liste gemacht mit sieben Träumen, die ich mir erfülle, bevor ich 40 bin.“

Völlig falsches Training

Der sportlichste davon war: Marathon laufen! Und weil es bei Benjamin mit dem Fußball „immer weniger“ wurde, war die Zeit dafür vor drei Jahren gekommen. Bis ihn Anfang 2018 eine Knie-OP als Folge der alten Probleme ausbremste. Aber Anfang diesen Jahres ging es wieder los mit dem Training: „Völlig falsch, ohne Muskelaufbau“, weiß er heute. „Beim Marathon braucht der ganze Körper Stabilität.“

Benjamin und Viktor vorm Start. Quelle: VfL Wolfsburg

„Kannst ja mitlaufen“, habe sein Sohn irgendwann beiläufig gesagt, sagt Viktor. Er habe mit sich gehadert, aber seine Frau bestärkte ihn: „Lauf doch, du kannst es doch probieren.“ Die Entscheidung war gefallen und damit (drei Wochen vorm Termin) der Startschuss zum Training für den Wolfsburg-Marathon 2019. Anfänglich nicht mit Benjamin zusammen, später schon mal. „Aber mit der Anmeldung habe ich bis zum letzten Tag gewartet.“

„Ich wollte ankommen und durchlaufen“, erinnert sich der Sohn, „aber wenn er vor mir angekommen wäre, hät’s mich geärgert“ – Laufbegeisterung und Ehrgeiz sind wohl erblich. Axt Seniors Ziel war es, „unter vier Stunden zu laufen“. Beim Rennen starteten sie gemeinsam, wechselten sie sich ab in der Führungsrolle, hatten beide ab dem berühmten Kilometer 32 schwer zu kämpfen, der Vater mehr als der Sohn – er musste ihn zum Schluss ziehen lassen.

Vater und Sohn im Ziel. Quelle: Olga Axt

Am Ende brauchte Viktor neun Minuten mehr als erhofft. Aber er war der Beste in seiner Altersklasse und 57 Minuten vor dem nächsten 65- bis 70-Jährigen im Ziel. „Das war Weltklasse“, meint Benjamin, der 15 Minuten weniger brauchte für die 42,195 Kilometer und im Ziel „super stolz“ auf sich war und „innere Zufriedenheit“ spürte: „Das schönste Gefühl im Leben.“

„Ich bin sehr zufrieden“, resümiert Viktor Axt faktisch – zumal er den 97-er-Marathon wegen Krämpfen nicht laufend, sondern gehend beendet hatte. Und was kommt jetzt? Benjamin Axt wird vielleicht noch mal einen Marathon angehen „mit größerer Kulisse“ – oder mit Rücksicht aufs Knie den Triathlon, wahrscheinlich klein beginnen mit dem am Tankumsee. Der Iron-Man läuft ja nicht weg.

Lust auf Wettbewerbe

Und Viktor? Kommt bei ihm nach dem letzten und allerletzten noch der allerallerletzte Marathon? Vielleicht! Beim Südheide-Marathon gibt’s nicht so viele Zuschauer an der Strecke, das liegt ihm mehr: „Ich habe jedenfalls wieder Lust bekommen, an Wettbewerben teilzunehmen.“ Natürlich, war ja klar.

Von Jörg Rohlfs

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