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Gifhorn Stadt Nach Missbrauchsfall: Warum sich das Konzept Wohngruppe bewährt
Gifhorn Gifhorn Stadt Nach Missbrauchsfall: Warum sich das Konzept Wohngruppe bewährt
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00:24 23.03.2019
Dezentrale stationäre Betreuung: Wohngruppen haben sich in der Jugendhilfe bewährt, daran ändert auch der Missbrauchsfall in Gifhorn nichts. Quelle: dpa
Gifhorn

Bei Wohngruppen handelt es sich laut Landrat Dr. Andreas Ebel „um sogenannte familienersetzende stationäre Hilfen (in Heimen) zur Erziehung. In der Regel sind Wohngruppen Teile von Angeboten innerhalb einer stationären Leistung eines Trägers.“ Durchaus mit unterschiedlichen fachlichen Ausrichtungen. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 betrieben im Kreis Gifhorn 17 Träger insgesamt 71 Wohngruppen.

Die Wohngruppen sind unterschiedlich ausgerichtet

Einer dieser Träger von ihnen ist Life Concepts Kirchröder Turm. Die Einrichtung an der Wilhelmstraße in Gifhorn kümmert sich um 50 bis 60 junge Leute im Alter von einem bis 21 Jahren in dezentralen stationären Wohngruppen. Inzwischen sind das sieben, mit der nun aus aktuellem Anlass geschlossenen waren es noch acht.

Missbrauchsfall in Gifhorn: Weitere Infos

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Das klassische Kinderheim ist Geschichte

Ziel so einer Wohngruppe ist es laut Carsten Munzel von Life Concepts, „jungen Menschen eine möglichst familienähnliche Entwicklung zu ermöglichen“. Das klassische Heim, das in den 70-er Jahren als Verwahranstalt kritisiert worden sei, gebe es längst nicht mehr.

„Jedes Kind hat eine feste Bezugsperson“, sagt Ebel. „Wie in einer Familie werden Freizeit, Wochenenden und Ferien gemeinsam geplant und gestaltet – und natürlich auch das Lernen und die Hausarbeit.“

Der Bedarf an Wohngruppenplätzen ist hoch

Wird Life Concepts eine neue achte Wohngruppe einrichten? Da will sich Munzel noch nicht festlegen. „Wir sind momentan dabei zu ergründen, was sich zugetragen hat.“ Eigentlich sei Life Concepts „nicht darauf aus, zu expandieren“. Gleichwohl übersteige die Zahl der Anfragen die Zahl der Plätze. Das sei auch mit acht Wohngruppen so gewesen.

Darum müssen Kinder raus aus ihrer Familie

So gut die pädagogische Arbeit auch sein mag: Die Unterbringung in einer Wohngruppe ist aus Sicht des Landkreises Gifhorn das äußerste Mittel.

Die Vorteile einer Wohngruppe sind laut Landrat Dr. Andreas Ebel immer im Einzelfall zu betrachten. Klar sei aber, „dass die Unterbringung eines jungen Menschen in einer stationären Wohngruppe oft das äußerste Mittel der Unterstützung ist und eher eine Notwendigkeit darstellt“.

In der Regel müssten in solchen Fällen die jungen Menschen aus ihrer eigenen Familie genommen werden. Häufig seien es „massive Konfliktsituationen“ oder Überforderung der Eltern bei der Erziehung. Oder die betroffene Familie sei aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, den Jugendlichen adäquat zu versorgen. Eine Trennung könne die jungen Menschen dann vor emotionaler oder körperlicher Gewalt schützen oder Konflikte entzerren. Manchmal gehe es auch darum, Krisen der Eltern zu überbrücken. „Oft haben die betroffenen jungen Menschen auch selbst Probleme wie Ängste oder Depressionen, Aggressivität oder Hyperaktivität, Entwicklungs- oder Lernstörungen.“

Wohngruppen unterstützen hierbei den jungen Menschen und sollen diesen emotional stabilisieren und ihm dabei einen Schutzraum bieten“, sagt Ebel. Ziel sei es aber, „die Beziehungen in den Familien zu verbessern um Kinder wieder in ihre Herkunftsfamilien zu integrieren, traumatische Erlebnisse zu therapieren oder den Umgang mit diesen zu verändern und Kinder in der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu unterstützen“.

Von Dirk Reitmeister

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