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Gifhorn Stadt IGS Gifhorn: So geht Schule 2.0
Gifhorn Gifhorn Stadt IGS Gifhorn: So geht Schule 2.0
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08:00 11.11.2019
Schule 2.0 goes Mittelalter: Die Klasse 7 b der IGS Gifhorn lernt, das Tablet als Arbeitsgerät zu nutzen - auch im Geschichtsunterricht. Quelle: Andrea Posselt
Gifhorn

Wenn Gifhorner Schüler das Mittelalter mit einer App und youtube-Film erkunden, dann ist das neue Zeitalter der Digitalisierung angebrochen. Quietschende Kreide auf Tafeln, die mit nassen Schwämmen gesäubert werden – das war gestern. Willkommen Schule 2.0 heißt es an der IGS. Ein Besuch in einer der beiden Pilotklassen, in denen das Tablet als Lerngerät eingesetzt wird.

Der Unterricht startet mit der Anmeldung per App

„So, jetzt könnt ihr alle mal kahoot starten“, sagt Eva Krienke. Eine ganz normale Schulstunde für die Tutorin der 7b beginnt. 9.45 Uhr, dritte Stunde, Geschichtsunterricht, Thema Mittelalter. Was um alles in der Welt kahoot ist, verstehen die Schüler offenbar sofort. Alle greifen zum Tablet, tippen auf eine App und geben ihre Nicknames und Anmeldedaten ein.

Smartboard statt Kreidetafel

Dort, wo ältere Semester früher auf eine Kreidetafel schauten, hängt ein Smartboard. Nach und nach leuchtet dort auf, wer von der Klasse schon angemeldet ist. Manchmal gibt das WLAN nicht genug her, ein Problem, das es bald zu lösen gilt, wenn der vom Land beschlossene Digitalpaktumgesetzt wird.

Die Digitalisierung hat auch in den Klassenzimmern in Gifhorn Einzug gehalten. Zwei Projektklassen an der IGS Gifhorn lernen mit dem Tablet Deutsch, Mathe und Co.

So, alles sind drin. Das Erkunden des Mittelalters beginnt. Neben mir raunt Schulleiter Peter Mende mit Blick auf den Zugangscode und mein Smartphone zu: „Sie könnten jetzt auch teilnehmen.“ Lassen wir mal lieber, ich muss mich auf das Zeitalter der Digitalisierung konzentrieren und darauf, wie die Schüler etwas über das mittelalterliche Leben lernen.

Lernabfrage wie beim Quiz

Dann startet schon das Wissensquiz, das eine Art Lernabfrage der letzten Stunde ist. „Zu welchem Stand gehörten Geistliche?“ Vier Antworten stehen zur Auswahl. Am Smartboard vorne ploppt auf, wie viele richtig und falsch gelegen haben. Bei der Auflösung einer Frage kommt ein großes ungläubiges Staunen bei den Schülern auf. Eva Krienke reagiert sofort, scrollt auf dem Smartboard noch einmal das Schaubild, um alle von der richtigen Antwort zu überzeugen.

Dann geht es zum Erarbeiten des neuen Stoffes – in der digitalen Arbeitsmappe. Dazu gehört Lesen auf dem Tablet, ein Video anschauen und Nachlesen im Geschichtsbuch. „Wenn ihr etwas nicht versteht, könnt ihr auch das Video noch einmal zurück spulen“, leitete die Lehrerin an.

Mehr Möglichkeiten als mit der klassischen Tafel

„Das alles könnten Sie mit einer Kreidetafel gar nicht machen. Wir zeigen, dass ein Tablet auch ein sinnvolles Arbeitsgerät sein kann“, tuschelt Torsten Below, Jahrgangsleiter der achten Klassen und Digitalisierungsbeauftragter der IGS, mir zu.

Mit Kopfhörern studiert jeder nach seinem Tempo die Arbeitsanweisungen, greift zum Buch, schaut noch einmal das Video. Und wer Fragen hat, holt Rat der Lehrerin oder eines Mitschülers ein. Wichtiges Prinzip beim digitalen Lernen an der IGS: Nicht immer alleine auf dem Tablet daddeln. Daher stehen die Tische auch in kleinen Gruppenformationen.

Tafeln wie Computeroberflächen

Wir verlassen die 7 b. Mende und Below zeigen im Oberstufentrakt, wie Schule 2.0 in den höheren Jahrgängen funktioniert. Tafeln, die wie Computeroberflächen aussehen – und sogar auch so funktionieren, demonstriert Below. Dreimal getippt und schon leuchten die Ordner für sein Unterrichtsfach Deutsch auf. „Das habe ich zuhause am Computer vorbereitet, an jeder Tafel der Schule ist das aufrufbar.“

Wenige Meter weiter geht’s gerade für eine Oberstufen-Klasse um chemische Verbindungen. Zwei Schüler lesen vom Tablet ihre erarbeiteten Lösungen vor. Und dann läutet Lehrer Pascal Wiemerslage die nächste Arbeitsphase ein. Zack-zack auf dem Whiteboard getippt und schon geht ein youtube-Link auf. Ein Wasserläufer ist zu sehen. Der Film dauert 20 Sekunden. Wie ist das Phänomen zu erklären, ist die Aufgabe für die Schüler. Mende lächelt: „Das hätten wir früher mit großem Aufwand vorbereiten müssen, einen Beamer beschaffen und so weiter. Das hat der Kollege zu Hause schon in die digitale Arbeitsmappe verlinkt.“

„Es muss immer ein Mix sein“

Und wie ist das so mit dem Tablet in der Schulbank zu sitzen? Lara (12) muss da nicht lange überlegen: „Cool. Man hat keine Zettel mehr, die rumfliegen.“ Auch Benedikt (12) fühlt sich in der Tablet-Lernwelt wohl. Mit flinken Fingern zeigt er, welche Apps er alles für den Unterricht nutzen kann und wie seine Projektarbeit vom Tablet aufs Smartboard gebeamt wird. Out sind Bücher bei ihm aber längst nicht. „Es muss immer ein Mix sein.“ Denn eines hat er auch schon in der digitalen Welt gelernt. „Google ist sehr schnell. Aber man verliert auch viele Infos drumherum.“

„Ein Tablet alleine macht einen Schüler nicht schlauer“

Die Digitalisierung hält mit großen Schritten Einzug in die Gifhorner Schulen. Die IGS Gifhorn hat schon jetzt keine einzige Kreidetafel mehr, erprobt in zwei siebten Klassen das Lernen per Tablet und vergisst dabei nicht, dass für Lehrer, Schüler und Eltern das Betreten des Neulandesgut durchdacht sein will.

Ein Tablet kann auch Arbeitsgerät sein

„Ein Tablet alleine macht einen Schüler nicht schlauer“, sagt Schulleiter Peter Mende. Das ist auch der Tenor des Digitalisierungsbeauftragten Torsten Below. Wohlwissend, dass viele der Schüler in der Freizeit Smartphone und Tablet eher zum Rumdaddeln nutzen, möchte er zeigen, „dass ein Tablet auch ein sinnvolles Arbeitsgerät sein kann“. Dafür braucht es Zeit. Und die will sich das Kollegium der 70 Lehrer auch nehmen. „Die Schüler sollen weiter mit Kopf, Herz und Hand lernen“, sagt Marie-Joan Föh, didaktische Leiterin an der IGS Gifhorn. Auszeiten von der Bildschirmarbeit soll es geben. Haltungsschäden, Suchtpotenzial, Erkenntnisse der Hirnforschung – all das möchte auch Schulleiter Peter Mende fest im Blick haben, wenn die IGS ins digitale Zeitalter durchstartet.

Abwägen der Vor- und Nachteile

Nächste Etappe wird im November sein. In Absprache mit den Eltern wird dann entschieden, ob künftig jedes Kind sein eigenes Tablet in der Schule verwendet. Aktuell gibt es für die beiden Projektklassen zwei von der Schule angeschaffte Koffer mit je 30 Tablets. „Für die Kinder ist der Umgang mit diesen Medien schon Lebenswirklichkeit“, sagt Lehrerin Eva Krienke. Was sie erlebt: „Die Motivation der Schüler ist dadurch höher.“ Und das Ablenkungspotenzial der Tablets? „Auch damit müssen die Schüler lernen zu leben“, sagt Marie-Joan Föh. Sie, die durchaus auch kritisch auf die Entwicklung schaut, sieht auch Vorteile in der Digitalisierung. So gibt es für jedes Kind eine digitale Akte, in der jeder Lehrer einsehen oder eintragen kann, welche Förderung ein Kind gerade braucht.

Klassenarbeiten sind noch analog

Fast komplett papierlos kommt die IGS Gifhorn so aus. Unterrichtsvorbereitung, Stundenplan, Klassenbuch, Zeugnisse und Mensa-Plan – all das geht jetzt schon online. Nur Klassenarbeiten sind noch analog auf Papier angesagt. Da könnte die Versuchung, google als Lösungshelfer zu nutzen, dann doch ein bisschen zu groß sein.

Um Schüler, Lehrer und Eltern gut durch den Digitalisierungsdschungel zu begleiten, arbeitet die IGS mit dem Verein smileys zusammen, der regelmäßig für Elternabende und Workshops an der Schule anbietet.

Die große AZ-Serie:

Der Landkreis Gifhorn wird digital

Der Landkreis Gifhorn wird digital: Ob in der Arztpraxis, im Handwerk, bei der Polizei oder in Schulen – ohne Computer, E-Mail und Software geht (bald) nichts mehr. Die Aller-Zeitung begleitet diesen Prozess.

* Wie das Digitalpaket an den Isenbütteler Schulen umgesetzt wird

* So funktioniert Digitalisierung an Gifhorns Schulen

* Smart City? Da muss Gifhorn noch was tun

* Behördengang online erledigen: Wie weit ist Gifhorn bei der digitalen Verwaltung?

* Cybercrime: Die aktuellsten Maschen – und so kann man sich schützen

* „Bund und Land ducken sich einfach weg“

* Wie Gifhorns Verwaltungen immer digitaler werden

* Wenn der Doktor mit IT zur Visite kommt

* Digitale Pieper für Feuerwehren

* Das gab‘s noch nie: Im Kreis heulen alle Sirenen

* Sparkasse bietet App zum Bezahlen an

* Das „digitale Rathaus“ wird Wirklichkeit

* Ratschläge für Eltern der digitalen Generation

* Freude über den digitalen Schießstand

* Was fasziniert die Kids so an der digitalen Welt?

* Abhörsicher: Ab Sommer funkt die Polizei digital

* Wirtschaftsabend: Digitalen Wandel nutzen

* Was das iPad in der Schule kann

* Neue Optionen für digitalen Unterricht

* 5,7 Millionen Euro für Schulen im Landkreis

* H&D-Azubis entwickeln digitalen Infostand für die Lebenshilfe

Von Andrea Posselt

Aussage gegen Aussage: Das Gifhorner Amtsgericht hatte zu klären, ob ein 43-Jähriger im Jahr 2017 seine damalige Lebensgefährtin vergewaltigt hat. Ein seltsamer Brief sprach zuerst gegen ihn.

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