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Gifhorn Stadt Harter Lockdown im Landkreis Gifhorn: Landrat hofft auf sinkende Infektionszahl in Altenheimen
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Harter Lockdown im Landkreis Gifhorn: Landrat hofft auf sinkende Infektionszahl in Altenheimen

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18:00 08.01.2021
Hohe Infektionszahlen vor allem in Alten- und Pflegeheimen: Der Landkreis setzt auf Tests von Personal und Bewohnern.
Hohe Infektionszahlen vor allem in Alten- und Pflegeheimen: Der Landkreis setzt auf Tests von Personal und Bewohnern. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Landkreis Gifhorn

Am Sonntag tritt der verschärfte Lockdown in Kraft. Welche Auswirkungen er auf das Leben im Landkreis Gifhorn hat, teilt Landrat Dr. Andreas Ebel mit. So gilt bereits von Sonntag an, dass jeder Haushalt sich maximal mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen darf, Einzelpersonen dürfen andere Personen eines weiteren Haushaltes treffen. „Im Grunde lautet die Vorgabe, spätestens jetzt zu Hause zu bleiben und sich auf seinen eigenen Hausstand zu beschränken“, so Ebel. Oberstes Ziel der Verordnung sei es, die Kontakte zu beschränken.

Ebel begrüßt die schärferen Maßnahmen, da die Neuinfektionen nach dem starken Anstieg von Anfang November bis Mitte Dezember nicht zurück gegangen sind, sondern sich auf hohem Niveau stabilisiert haben. Nicht zuletzt zum Schutz der älteren Mitbewohner appelliert der Landrat eindringlich: „Maßnahmen und Regeln können nur dann wirksam sein, wenn wir uns alle an diese halten.“ Jeder müsse seinen Beitrag leisten, um einen Rückgang des Infektionsgeschehens und der Todeszahlen zu erreichen.

Was heißt der Lockdown für Schulen?

Der Unterricht soll grundsätzlich im Homeschooling erfolgen. Eine Ausnahme gibt es für schriftliche Arbeiten. Außerdem können Ausnahmen für die 9. und 10. Jahrgänge sowie die Sekundarstufe 2 gemacht werden, sofern Abschlussprüfungen anstehen. Für die Jahrgänge 1 bis 4 sowie für Förderschulen ist eine Rückkehr zum Präsenzunterricht am 18. Januar in geteilten Lerngruppen mit maximal 16 Personen geplant. Alle Schüler sowie Lehrer müssen eine Mund-Nase-Bedeckung in gekennzeichneten Bereichen außerhalb der Klassenräume tragen, wenn das Abstandsgebot nicht eingehalten werden kann. Das gilt auch in Klassenräumen, sobald jemand den Sitzplatz verlässt oder der Abstand nicht gewahrt ist.

Um das Homeschooling bestmöglich umzusetzen, nutzen die Landkreis-Schulen in der Regel die Plattform I-Serv und die Bildungscloud. Über beide Systeme sind auch Videokonferenzen möglich. Die aus dem Sofortausstattungsprogramm beschafften Endgeräte stehen zur Verfügung, Schülerinnen und Schüler mit Bedarf können sie ausleihen. Wer zuhause kein Internet oder keine Möglichkeit zum Homeschooling hat, kann die in den Schulen verfügbare Hardware zur Teilnahme an Videokonferenzen nutzen oder analog Aufgaben erledigen. Zudem hat der Landkreis technisches Zubehör wie Headsets, Kameras und Stative angeschafft.

Umfassende Tests in den Heimen helfen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus

Als Grund für die hohen Infektionszahlen nennt Ebel unter anderem die überdurchschnittlich vielen Tests im Gesundheitsamt. Allein in der ersten Januarwoche testete es 227 Privatpersonen und 868 Bewohner und Mitarbeiter in Alten- und Pflegeheimen. Damit steige die Wahrscheinlichkeit für positive Ergebnisse im Unterschied zu Städten und Kreisen, in denen lediglich K1-Kontakte mit Symptomen getestet würden. Allerdings seien gerade in den Heimen umfassende Tests unumgänglich, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Was heißt der Lockdown für Kitas und Horte?

Kitas und Horte bleiben bis zum 31. Januar geschlossen, für eine Notbetreuung in Kleingruppen wird gesorgt. Dafür hat der Landkreis Gifhorn Handlungsempfehlungen vorbereitet, nach denen die Einrichtungsleitungen entscheiden können, welche Kinder einen Anspruch auf Notbetreuung haben. Die maximale Gruppengröße beträgt für Kirppen acht Kinder, für Kitas 13, für das Hort zehn und für die Kindertagespflege fünf Kinder. Die Handlungsempfehlungen und die Anträge auf Notbetreuung sind abrufbar auf: www.gifhorn.de/der-landkreis/presseportal/coronavirus-aktuelle-informationen/regelbetrieb-in-der-kinderbetreuung/

Die Kreisverwaltung erwartet, dass die 200er-Schwelle der 7-Tage-Inzidenz im Landkreis bereits am Wochenende überschritten wird, sie rechnet mit dreistelligen Neuinfektions-Zahlen. Diese sind auf zwei Bereiche zurückzuführen, wie die Kontaktnachverfolgung ergeben hat: den privaten Bereich und die Alten- und Pflegeheime. Für den privaten Bereich macht Ebel eine zu großzügige Auslegung der Kontaktbeschränkungen durch einige Bürgerinnen und Bürger während der Feiertage verantwortlich. Aber das Hauptinfektionsgeschehen liegt derzeit in den Heimen. „Aus den Erkenntnissen des Gesundheitsamtes wissen wir, dass sowohl durch vermeidbare Nachlässigkeiten einzelner Mitarbeiter als auch durch Besucher, die sich nicht an die Regeln gehalten haben, das Coronavirus in die Einrichtungen getragen wurde“, stellt Ebel fest.

Die Einhaltung von Hygienevorschriften ist lebensnotwendig: Der Landkreis will in Alten- und Pflegeheimen verstärkt kontrollieren, ob das passiert. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

Kontrollen zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen in Alten- und Pflegeheimen

Der Landkreis hat aus diesem Grund sogar während der Feiertage die Einhaltung der Hygienemaßnahmen in den Alten- und Pflegeheimen kontrolliert und wird diese Kontrolle intensiv fortsetzen. Seitens der Kreisverwaltung werden hierbei Verstöße gegen die Beschränkungen unmittelbar und konsequent geahndet; dies kann von Ordnungswidrigkeiten bis hin zu Strafanzeigen reichen. „Bei allem Verständnis für den Wunsch nach sozialem Kontakt: Wenn durch die Nichteinhaltung bekannter Hygienevorschriften Menschen zu Schaden kommen, werden wir als Landkreis alle notwendigen Maßnahmen ergreifen“, schließt der Landrat.

Von der AZ-Redaktion