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Gifhorn Stadt Gewalt gegen Frauen: Die Dunkelziffer ist hoch
Gifhorn Gifhorn Stadt Gewalt gegen Frauen: Die Dunkelziffer ist hoch
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19:43 24.11.2019
Gewalt gegen Frauen: Im Landkreis Gifhorn bietet ein Netzwerk Rat und Hilfe für Betroffene. Quelle: Symbolbild
Landkreis Gifhorn

Treten, schubsen, schlagen, drohen, stalken: Alleine 187 Körperverletzungen verzeichnete die Kriminalstatistik der Gifhorner Polizei im vergangenen Jahr unter „Häusliche Gewalt“ – 71 Prozent der Opfer waren Frauen. 238 Fälle gab es insgesamt, Tendenz steigend. Nackte Zahlen, hinter denen sich viele persönliche Schicksale verbergen. Die Zahl der angezeigten Fälle ist gestiegen, die Dunkelziffer weiter hoch. „Die Hemmschwelle, zur Polizei zu gehen, ist etwas gesunken“, sagt Gleichstellungsbeauftragte Christine Gehrmann, die seit mehr als 20 Jahren den Aufbau des Netzwerks Häusliche Gewalt vorantreibt.

„Mein Auftrag ist es dann, die Gewalt zu beenden“

Die Schicksale hinter der Polizeistatistik in Gifhorn kennt wohl niemand besser als Christina Maier-Sparenborg von der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt, einer Einrichtung der Caritas. Sie bekommt die polizeilich registrierten Fälle auf den Tisch. „Mein Auftrag ist es dann, die Gewalt zu beenden.“ Sprich: Sie sucht das Gespräch mit den Opfern, arbeitet an Lösungen.

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„Jeder Fall ist individuell“

„Jeder Fall ist individuell“, sagt sie. Gewalt gegen Frauen gehe durch alle gesellschaftlichen Schichten. Auch die Gründe variieren. Mal ist es Alkoholsucht, mal plagen Schulden oder andere Probleme, oder bestimmte Rollenmuster sind erlernt, so dass Situationen in Gewalt eskalieren. Die entlädt sich nicht immer mit Schlägen. „Auch psychische Gewalt spielt bei der Beratung eine große Rolle. Die ist natürlich schwer nachweisbar, wenn sie sich hinter verschlossenen Türen abspielt.“

Ein starkes Netzwerk

In den wenigsten Fällen melden sich Frauen selbst, um aus der Gewaltspirale zu kommen. Viele Fälle sind bei der Polizei überhaupt erst registriert, weil Nachbarn, Angehörige oder Kinder aus den betroffenen Familien dies melden, weiß Christina Maier-Sparenborg. Dann heißt es für sie herauszufinden, was eine gute Lösung ist, um die Gewalt zu beenden. „Die Reaktionen der Frauen sind sehr unterschiedlich, wenn ich mich melde.“ Das reiche vom Abwiegeln bis hin zum Entschluss, sich scheiden zu lassen. Wichtig ist der Expertin auch, sich um die Kinder zu kümmern, „denn die bekommen das ja alles mit“. Das Gifhorner Netzwerk Häusliche Gewalt helfe da sehr, auf kurzem Wege Hilfe zu bieten.

Auch für Täter gibt es Hilfsangebote

Anlaufstelle ist etwa auch die Awo in Gifhorn. Johannes Grieger: „Der Leidensdruck ist hoch, ehe man Hilfe holt. Oft ist das Prinzip Hoffnung, dass es schon besser wird.“ Wichtig ist allen Netzwerk-Partnern auch die Täterberatung, hier gibt es eine neue Anlaufstelle in Kooperation mit Wolfsburg und Helmstedt. „Kein Mann schlägt schließlich wirklich gerne“, sagt Christine Gehrmann.

Beweise im Klinikum sichern

Öffentlichkeitsarbeit ist das A und O, weiß Isabell Adam, Sprecherin des Gifhorner Klinikums. Seit mehr als einem Jahr ist das Klinikum Partner im Netzwerk ProBeweis. Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt können sich anonym untersuchen lassen. „Am Anfang ist es relativ viel genutzt worden, jetzt nicht mehr, weil es vielleicht noch nicht so bekannt ist.“

Den Netzwerk-Partnern ist wichtig, dass ihre Hilfsangebote freiwillig sind, das Geschehene vertraulich behandelt wird. „Wenn sich eine Frau entschließt, zu ihrem gewalttätigen Mann zurück zu kehren, dann ist das zu respektieren“, betont Christian Maier-Sparenborg.

Gewalt gegen Frauen: Hier gibt’s Hilfe

BIsS:Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (Caritas), Tel. (0 53 71) 99 12 99 44, Mail biss@caritas-gifhorn.de

Awo-Beratungszentrum, Beratungsbereich sexuelle Gewalt gegen Frauen und Männer sowie Täterberatung, Tel. (0 53 71) 72 47 41.

Frauenhaus, Tel. (0 53 71) 1 60 01, Mail frauenhaus@caritas-gifhorn.de

Weißer Ring:Opferhilfe in Gifhorn, Tel. (01 51) 55 16 46 54.

Helios Klinik: Das Gifhorner Krankenhaus ist Partnerklinik des Netzwerks ProBeweis. Opfer von häuslicher Gewalt können sich hier anonym untersuchen und Verletzungen dokumentieren lassen, die dann bei einer Strafverfolgung verwertbar sind.

Täterberatung:Männer können Vanessa Reupke per E-Mail vanessa.reupke@jugendhilfe-wolfenbuettel.de oder unter Tel. (0 53 41) 9 39 21 64 beziehungsweise (01 73) 7 56 44 16 erreichen. Es gibt ein 24-wöchiges Kursangebot in der Gruppe in Wolfsburg und auch Einzelberatungen durch den Jugendhilfeverein Wolfsburg.

Von Andrea Posselt

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