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Gifhorn Stadt Laut und deutlich geht es durch die Stadt
Gifhorn Gifhorn Stadt Laut und deutlich geht es durch die Stadt
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18:45 28.06.2019
Freitagsdemo in Gifhorn: Fridays for Future zog wieder vom Schillerplatz zum Marktplatz und äußerte deutliche Kritik an der Klimapolitik und auch an der Kommunalpolitik. Quelle: Cagla Canidar
Gifhorn

„Wenn ich das Gequake schon höre, die könnten das auch am Nachmittag machen, dann krieg ich so einen Hals“, sagt Reinhard Jung (69). Würde nicht die Schule bestreikt, würde sich ja keiner dafür interessieren, meint auch seine Frau Annelie. Die Gifhorner Rentner gehen stellvertretend für ihre sechs, acht und neun Jahre alten Enkel mit dem Zug von Fridays for Future mit.

Kurz vor den Ferien ließen die Schüler nochmal Dampf ab: Zahlreiche schlossen sich am Freitagvormittag einer Demonstration der Fridays for Future Gruppe Gifhorn gegen den Klimawandel an.

Physik und Kunst klemmt Frederik Klosterberg (15) vom Gifhorner Otto-Hahn-Gymnasium ab, um einen besonderen Naturkundeunterricht in der Fußgängerzone zu bestreiten. „Um ein Zeichen zu setzen für den Umweltschutz.“ Deshalb marschiert auch Ansgar Hubrich (14) mit, der an der IGS Gifhorn dafür das Lernbüro und Naturwissenschaften verpasst. Ebenso seine Schulkameradin Felicitas Franke. „Ich habe ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht zur Demo gehe.“

Der Appell auf dem Marktplatz

Auf dem Marktplatz appelliert Solveig Böhme am Mikrofon an alle jungen und nicht mehr ganz jungen Leute, mitzumachen und sich für die Umwelt zu engagieren. „Auch Du kannst Deinen Arsch bewegen.“ Klar, es sei nicht immer mit Spaß verbunden, bei einer Demo mitzumachen, kritisiert die 16-Jährige vom OHG aus Gifhorn die phlegmatische Haltung mancher junger Leute. Doch auch der Klimawandel werde nicht bequem verlaufen.

„Wir trauen uns noch zu wenig“, wünscht sich auch Redner Valentin Kruse (19) mehr Teilnehmer bei den Aktionen von Fridays for Future und insgesamt im Engagement gegen den Klimawandel. Tobias Kirmse vom Philipp-Melanchthon-Gymnasium ruft zu einer Schweigeminute für Milliarden künftiger Opfer der Folgen auf.

Kritik an Kreistagsabgeordneten

Janine Vivien Stein (16) vom OHG geht mit Kreistags-Mitgliedern hart ins Gericht. Sie war am Mittwochnachmittag eine der „Klimatoten“ bei der Sitzung im Rittersaal des Schlosses. Sie habe nicht das Gefühl, ernst genommen zu werden. Statt dessen sei man – insbesondere von bestimmten Fraktionsmitgliedern – oberflächlich und hier und da auch sexistisch angegangen worden. „Fangt endlich an, Euch mit uns auseinander zu setzen.“

Bent Bosker von Fridays for Future ging auf die AfD ein und rief die jungen Leute auf, sich von dieser Partei nicht blenden zu lassen. Sie habe nicht wirklich Interesse an Fridays for Future, auch wenn sie mit Anträgen auf Rederechte in Gremien wohl Punkte machen wolle.

Zufrieden mit der Teilnahme

Bosker ist mit der Teilnahme zufrieden. Er sprach von 100 bis 150 Leuten, Michael Klusmann von der Polizei Gifhorn von 70 bis 80. Klusmann lobt Fridays for Future Gifhorn. Es sei jedes Mal diszipliniert und ohne Probleme. „Wenn alle Demos so ablaufen würden.“

Von Dirk Reitmeister

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