Filmemacherin Elke Lehrenkrauss entschuldigt sich für „Lovemobil“
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Filmemacherin Elke Lehrenkrauss entschuldigt sich für „Lovemobil“

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19:17 14.04.2021
Szene aus den Dokumentarfilm von Elke Lehrenkrauss.
Szene aus den Dokumentarfilm von Elke Lehrenkrauss. Quelle: Christoph Rohrscheidt/WDR/NDR/Christoph Rohrscheidt/obs
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Hannover

Die Filmemacherin Elke Lehrenkrauss hat sich für die inszenierten Szenen in ihrem als Dokumentation ausgewiesenen Film „Lovemobil“ entschuldigt. Für den Fehler trage sie die Verantwortung, sagte Lehrenkrauss in einem am Mittwoch verbreiteten Gespräch mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Bei allen Beteiligten, dem NDR, den Jurys und Festivals und bei den Zuschauern möchte sie sich dafür entschuldigen. Es wäre ihre Pflicht gewesen, die Inszenierung zu kennzeichnen.

Zugleich wies sie Vorwürfe zurück, sie habe nicht recherchiert. Über drei Jahre habe sie rund um das Thema der Liebeswohnwagen in Niedersachsen recherchiert und gedreht. „Darüber existiert stundenlanges Filmmaterial“, sagte Lehrenkrauss. Das ändere nichts an ihrer Verantwortung, aber sie könne diese Vorwürfe nicht stehen lassen. Während des Drehs und davor habe sie in Gifhorn in ihrem Elternhaus gewohnt, „um ganz nah dran zu sein“. Eine der Protagonistinnen und die Vermieterin der Wohnmobile habe sie zeitweise fast jeden Tag getroffen.

„Mein schweres Versäumnis“

Im Exposé, mit dem sie ihren Film dem Sender vorstellte, blieb Lehrenkrauss zufolge die filmische Form offen. Szenisches Erzählen sei aber schon klar darin angelegt gewesen. „Unser visuelles Konzept lehnt sich an eine spielfilmartige Ästhetik an, wir haben also gedreht wie für einen inszenierten Kinofilm“, sagte Lehrenkrauss. Als dann mehrere Protagonistinnen ausgefallen seien, habe sie es als „einen möglichen Versuch“ angesehen, mit einer Laiendarstellerin zu arbeiten. „Dass dies allerdings später weder gekennzeichnet noch kommuniziert wurde, ist mein schweres Versäumnis.“

NDR distanziert sich von Dokumentation

Nach Angaben von Lehrenkrauss‚ früherer Filmdozentin Sabine Rollberg gab es beim NDR für die Materialsichtung nur einen Termin. Dabei seien dem zuständigen Redakteur das inszenierte Material und dokumentarische Aufnahmen von einer älteren Sexarbeiterin gezeigt worden. „Das aber fand die Redaktion nicht tauglich für das Fernsehpublikum“, sagte Rollberg in der „Zeit“. Dabei sei es schwer zu übersehen, dass ein Teil des Materials nachgestellt wurde. Da gibt es zum Beispiel Schuss und Gegenschuss. Inszeniertes ist deutlich erkennbar.„

Der NDR als Koproduzent von „Lovemobil“ hatte sich im März von dem Dokumentarfilm distanziert, der Film verlor die Nominierung für den Grimme-Preis. Wenig später gab Lehrenkrauss den Deutschen Dokumentarfilmpreis zurück, den sie 2020 erhalten hatte.

Der Fall hatte in Filmkreisen eine breite Debatte über die Glaubwürdigkeit von Dokumentarfilmen, Tendenzen des Erzählens im Dokumentarischen und Entstehungsbedingungen und Finanzierung ausgelöst. Auch diese Zeitung hatte über die Dokumentation und die Diskussion danach berichtet.

Von RND/epd