Dieser Gifhorner Polizist hat auch nach Feierabend mit Verbrechen zu tun
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Dieser Gifhorner Polizist hat auch nach Feierabend mit Verbrechen zu tun

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11:00 07.12.2020
Ist ein Krimi-Fan: Thomas Reuter, Pressesprecher der Gifhorner Polizei, befasst sich auch in seiner Freizeit gerne mal mit Verbrechen.
Ist ein Krimi-Fan: Thomas Reuter, Pressesprecher der Gifhorner Polizei, befasst sich auch in seiner Freizeit gerne mal mit Verbrechen. Quelle: Sebastian Preuß
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Gifhorn

Im Beruf hat er ständig mit Verbrechen zu tun. Und privat? Auch da hat er hin und wieder eine Schwäche für Verbrechen, verrät Gifhorns Polizeisprecher Thomas Reuter der AZ anlässlich des Deutschen Krimitages am Dienstag, 8. Dezember.

„Wenn es meine Zeit erlaubt, lese ich gerne mal einen Kriminalroman. Insbesondere hat es mir die schwedische Kriminalliteratur angetan. Ein Lieblingsautor von mir ist Henning Mankell mit seinen Kommissar-Wallander-Romanen. Ich ertappe mich schon hin und wieder dabei, den Lesestoff kriminalistisch und kriminologisch zu analysieren und versuche auch zu einem frühen Zeitpunkt des Romans bereits, den Täter zu ermitteln oder zumindest eine diesbezügliche Spekulation zu wagen. Das gelingt mir sogar oftmals mit einer erstaunlich guten Erfolgsquote“, sagt der Polizeihauptkommissar.

„In einigen Krimis gibt es tatsächlich gravierende sachliche Fehler.“

Beim Fernsehen sei er eher der „Tatort“-Fan. Da gehe es aber tatsächlich um Abschalten vom beruflichen Alltag und Unterhaltung. „Daher bevorzuge ich auch die Ermittler aus dem Münsteraner Tatort, Hauptkommissar Thiel und Professor Boerne, ich schätze die Art des Humors dieser Sendungen. Auch die niedersächsische Ermittlerin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) schaue ich mir gern an, zum einen aus lokaler Verbundenheit, zum anderen weil Frau Furtwängler eine beeindruckende Schauspielerin ist.“ Und klasse findet Reuter auch die alten Fernsehkrimis der Reihe „Der Kommissar“ aus den 1970er Jahren mit Erik Ode und Fritz Wepper.

Diese Rolle spielt Gifhorn bei der Fernsehreihe Tatort

Fernseh-Kommissarin Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler ermittelte im Dezember 2016 in Gifhorn. Der ARD-Tatort „Schwarze Tiger, weiße Löwen“ wurde allerdings woanders gedreht. Und damit – und mit Aufnahmen für einen Tatort, der nicht in Gifhorn spielt – endet die Karriere der Mühlenstadt als Tatort-Akteurin offenbar auch schon. Allerdings gibt es da eine gebürtige Gifhornerin, die das wieder mehr als wett macht.

„Schwarze Tiger, weiße Löwen“: Die Handlung des Tatorts ist in Gifhorn angesiedelt, von ihrer Heimatstadt bekamen die Zuschauer aus der Südheide allerdings nicht viel zu sehen. Denn gedreht wurde unter anderem in Lüneburg, Winsen/Luhe und Buchholz. In dem Film geht es um den Tod eines scheinbar unauffälligen Familienvaters in ländlicher Idylle. 2015 gab es außerdem geheime Aufnahmen auf der damals wegen Bauarbeiten gesperrten Bundesstraße 4 bei Gifhorn zum 1000. Tatort „Taxi nach Leipzig“.

Überhaupt nicht unauffällig sind dagegen die Rollen der gebürtigen Gifhornerin Katharina Marie Schubert. Die 43-Jährige spielte unter anderem in den Tatorten „Ein neues Leben“ (2012), „Das verkaufte Lächeln“ (2014), „Anna und der Tod“ (2018) sowie „Falscher Hase“ und „Die harte Kern“ (beide 2019) mit – gerne gibt sie dabei die Mörderin. Doch die am 22. Januar in Gifhorn geborene Theater- und Filmschauspielerin hat in Sachen Krimi noch mehr zu bieten. Sie spielte unter anderem 2007 in zwei Folgen der Serie „Polizeiruf 110“ sowie 2011 und 2014 in „Der Tatortreiniger“.

Schubert steht aber nicht nur vor der Kamera, sondern auch dahinter. So hat sie die beiden Kurzfilme „Wabosch Wilma“ (2009) und „Another fucking…“ (2011) gedreht. Und sie war Sängerin der Band The Kapulikaupunki Broken Heart Orchestra, einer Formation von Schauspielern der Münchner Kammerspiele. Engagements auf der Theaterbühne – Berliner Theatertreffen 2007, Münchner Kammerspiele, Wiener Burgtheater, Hamburger Thalia Theater, Deutsches Theater Berlin – runden ihre Schauspielaktivitäten ab. 2015 wurde sie als beste Hauptdarstellerin für den Deutschen Filmpreis nominiert für die Rolle einer arbeitslosen Schauspielerin in Oliver Haffners Kinofilm „Ein Geschenk der Götter“ – nur eine der bisher rund ein Dutzend Auszeichnungen der 43-Jährigen.

Allerdings: Nicht immer bieten die Krimis offenbar gute Unterhaltung. „In einigen Krimis gibt es tatsächlich gravierende sachliche Fehler, die dem Experten sofort negativ auffallen. Gerade populäre Krimiautoren sind da bei ihrer Recherche oftmals eher schlampig und an einer realistischen Darstellung offenbar nicht so stark interessiert. Gerade wenn es beispielsweise um klar geregelte Zuständigkeiten geht, wird oftmals viel Unsinn geschrieben und verfilmt. So ist der Staatsanwalt definitiv nicht Vorgesetzter der ermittelnden Polizeibeamten, wie es aber immer wieder fälschlicherweise dargestellt wird. Auch das Bundeskriminalamt, die Landeskriminalämter und die Bundespolizei haben eigentlich keine Ermittlungsaufträge, sondern sind Fachbehörden, auf die die operativen Polizeidienststellen eher als Servicebetriebe für Labortechnik oder Datensammlungen zurückgreifen.“ Der gravierendste Unterschied zwischen Fiktion und Realität ist aber die Darstellung des ermittelnden Kommissars als Einzelkämpfer, bestenfalls noch unterstützt von einem oder wenigen Assistenten, so Reuter. „In Wahrheit werden bei Kapitalverbrechen große Mordkommissionen gebildet und Teamwork steht hierbei ganz klar im Vordergrund.“

Dreifachmord im Kleingarten wäre guter Stoff für einen Kriminalroman

Und welches reale Verbrechen im Landkreis Gifhorn hat den Polizeibeamten am meisten bewegt, welches könnte er sich gut als Krimibuch oder TV-Krimi vorstellen? „Ganz klar: Der Dreifachmord im Kleingarten in der Gifhorner Oststadt am 22. September 2008. Da war ich gerade ein gutes Jahr lang Pressesprecher der Gifhorner Polizei und habe hautnah an der Aufklärung des Verbrechens mitgearbeitet, als Mitglied der damaligen Mordkommission. Guter Stoff für einen Kriminalroman sowie auch für einen Fernsehkrimi.“

Von Thorsten Behrens