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Gifhorn Stadt „Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen“
Gifhorn Gifhorn Stadt „Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen“
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00:22 01.07.2019
Gibt seit mehr 55 Jahren Schwimmunterricht: Klaus Ruthenberg aus Müden/Aller. Quelle: Hilke Kottlick (Archiv)
Landkreis Gifhorn

Helga und Klaus Ruthenberg aus Müden/Aller im Kreis Gifhorn arbeiten ehrenamtlich – seit 55 Jahren stehen sie während ihrer Freizeit im Sommer im Wasserbecken.

Beide Profis machen sich seit Jahrzehnten stark für den Schwimmunterricht von Kindern. Beiden liegt die Sicherheit der Mädchen und Jungen am Herzen, beide Schwimmlehrer wurden deshalb für ihren Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz zur Zeit von Bundespräsident Roman Herzog geehrt.

Viele Kinder ertranken früher in der Aller

Ruthenbergs berichten Hintergründe für ihr Engagement. Danach ertranken früher in der Aller zahlreiche Kinder. Ganz Müden hatte sich daraufhin vor nunmehr 51 Jahren stark gemacht für den Bau eines Lehrschwimmbeckens an der dortigen Grundschule.

Ruthenbergs gehörten dazu – seit Fertigstellung des Lehrschwimmbeckens verbringen beide dort auch heute noch etliche Sommerstunden, um Grundschulkinder erst an das Wasser zu gewöhnen und ihnen im Anschluss die Prüfung des Seepferdchens abzunehmen. Und das mit einem Erfolg, der schöner nicht sein kann – denn seit dieser Zeit sind keine Kinder mehr zu beklagen, die in der Aller ertrunken sind, wie sie berichten. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn es galt und gilt den Ruthenbergs zufolge auch heute noch der Grundsatz, dass „kein Schüler diese Grundschule als Nichtschwimmer verlässt“.

Im Spaßbad lernt kein Kind ausdauerndes Schwimmen

Die Freibad-Saison läuft längst. Kinder und Jugendliche tummeln sich in den Schwimmbädern. Allerdings: „Schwimmen zu lernen hat offenbar nicht mehr den Stellenwert wie früher“, sagen Ruthenbergs mit Blick auf die Spaßbäder. Dort könnten die Badenden zwar rutschen und toben, „ausdauerndes Schwimmen lernen sie dort aber nicht“, ist das Ehepaar überzeugt. Seit dem Jahr 1964 erteilt Klaus Ruthenberg Kindern Schwimmunterricht. Erwachsene nehmen seiner Erfahrung zufolge kaum an Schwimmkursen teil, „sie schämen sich und möchten nicht zugeben, dass sie nicht schwimmen können.“ Das bestätigt sein Frau: „Das ist so ähnlich wie bei manchen Analphabeten.“

Schwimmen lernen ist wichtig – und der Erwerb von Abzeichen kann auch noch Spaß machen. So zu erleben im Lehrschwimmbecken an der Grundschule Müden.

Dabei hat Klaus Ruthenberg als Schwimmlehrer jetzt dieses Ruder eigentlich an die Familie von Tore Kisser aus Müden übergeben, wie er berichtet. Diese Familie macht sich Ruthenberg zufolge auch ehrenamtlich von Montag bis Donnerstag stark für den Schwimmunterricht. Pro Kursus nehmen dabei laut Helga Ruthenberg zwölf Kinder teil, die stets von fünf bis sechs Erwachsenen und Jugendlichen unterrichtet werden. Das sind zwei, höchstens drei Kinder pro Trainer. Fällt bei der Familie Kisser allerdings mal jemand aus, springt Ruthenberg nach wie vor ins Wasser, um den Kindern Sicherheit und Spaß im Schwimmbecken zu vermitteln. Helga Ruthenberg steigt nicht mehr so häufig ins Becken – „ich kümmere mich um den organisatorischen Kram der Schwimmkurse und bin von Außen Klugscheißer“, schmunzelt sie.

Der Anspruch der ehrenamtlichen Lehrer: Kein Kind sollte die Grundschule als Nichtschwimmer verlassen Quelle: Fotolia/Paulussen

Schwimmunterricht in Schulen ist kaum zu leisten

Angesichts der steigenden Zahl von Nichtschwimmern diesen Unterricht in der Schule anzubieten, ist laut Helga Ruthenberg kaum möglich. Darf ein Lehrer zeitgleich doch nur zwölf Schüler im Becken unterrichten, wie sie weiß. Die anderen Schüler müssten so lange am Rand warten, bis getauscht wird. „Die machen dort Quatsch, denn es fehlt eine zusätzliche Betreuung“, sagt Helga Ruthenberg. Und sie weiß als ehemalige Schul- und nach wie vor als aktive Schwimmlehererin genau: „Dieser personelle Kraftakt mit zwei Kräften ist von den Schulen kaum zu leisten.“

Wichtige Wassergewöhnung

„Die Wassergewöhnung ist zu Anfang das Wichtigste“, beschreibt Klaus Ruthenberg Anfänge des Unterrichts. „Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen, damit sie keine Panik bekommen“. Sein Tipp hier für Eltern: „Im Waschbecken das Tauchen üben – nach einer Münze.“ Genauso rät er Eltern, zu Anfang mit den Kindern immer nur Spaß im Wasser zu haben und sie „niemals gegen ihren Willen ins Becken zerren“.

DLRG rettet 974 Menschen vor Ertrinken

Die Rettungsschwimmer der DLRG haben bundesweit im vorigen Jahr 974 Menschen gerettet, wie DLRG-Präsident Achim Haag, kürzlich bekanntgab. Er nannte Zahlen und teilte mit, dass 504 Menschen im Wasser ihr Leben ließen. Mehr als 45.000 DLRG-Retter waren während der vergangenen Saison im Einsatz.

In der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung ist laut Haag mittlerweile wieder eine leichte Steigerung zu erkennen. Die Ausbilder am Beckenrand haben 225.003 Prüfungen abgenommen. Damit habe sich die DLRG einmal mehr als Nummer eins in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung bewiesen. Haag bezeichnete es als bemerkenswert, dass trotz des Bädersterbens knapp 82.000 Rettungsschwimmprüfungen erfolgreich abgelegt wurden, darunter knapp 8000 Juniorretter, die Einstiegsqualifikation im Rettungsschwimmen.

Als „Pisa-Desaster des Schulsports“ bezeichnete Haag das Ergebnis einer von der DLRG in Auftrag gegebenen repräsentativen forsa-Umfrage über die Schwimmfähigkeit von Schülern. Sie hatte 2017 ergeben, dass 59 Prozent der Kinder am Ende der vierten Klasse keine sicheren Schwimmer sind. Hart kritisierte der DLRG-Präsident in diesem Zusammenhang die sich weiter verschlechternden Rahmenbedingungen für die Ausbildung. Die Zahl der geschlossenen und akut vor Schließung stehenden Bäder in Deutschland erhöhe sich stetig. „Immer mehr Schwimmbäder schließen oder werden in so genannte Spaßbäder umfunktioniert, in denen an Schwimmausbildung nicht mehr zu denken ist“, meint Haag, er drängt: „Wir müssen Bäder erhalten, Bäder bauen und nicht wegrationalisieren. Schließungen gehen zu Lasten der Wassersicherheit der Bevölkerung und bezahlbarer sozialer Angebote.“

Von Hilke Kottlick

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