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Gifhorn Stadt Demenz: Eine Scham-besetzte Erkrankung
Gifhorn Gifhorn Stadt Demenz: Eine Scham-besetzte Erkrankung
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20:00 28.05.2019
„Betroffene sind für uns nicht nur die an Demenz Erkrankten, sondern auch die Angehörigen“: Astrid Korte koordiniert die Alzheimer Gesellschaft im Landkreis Gifhorn. Quelle: Yvonne Droste
Landkreis Gifhorn

Demenz: Wie nähert man sich diesem Thema, über das die meisten Betroffenen so ungern sprechen? Mit welchen Mitteln lässt sich dem Tabu näherkommen? Eine Möglichkeit ist, statt Worten Zahlen zu nutzen. Denn Zahlen sind klar und eindeutig. Zahlen bewerten nicht, sondern geben einen Wert. Und bezogen auf das Tabuthema Demenz sind Zahlen sogar eher tröstlich. Denn sie zeigen, dass man als Betroffener bei weitem nicht allein dasteht. Allein im Landkreis Gifhorn waren laut Statistik des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung im Jahr 2008 bereits 2382 Menschen an einer Demenz erkrankt. Und die Zahl der Betroffenen wächst: In sechs Jahren werden es 3858 an Demenz erkrankte Menschen sein (bezogen auf den Bevölkerungsstand vom 30. Juni 2018).

Was ist eigentlich Demenz?

Wenn über Demenz gesprochen wird, fragt man sich, was der Begriff eigentlich beinhaltet. Die Internetseiten der Alzheimergesellschaft im Landkreis Gifhorn, des Bundesgesundheitsministeriums und der Deutschen Alzheimer Gesellschaft geben hier einen mehr oder weniger detailreichen Überblick über das, was allen Demenzformen und -erkrankungen gemeinsam ist, welch vielfältige Ursachen einer Demenz zugrunde liegen und inwieweit sich diese Ursachen behandeln lassen.

Mit Demenzformen sind in erster Linie die häufigsten wie die Alzheimer Krankheit (zirka 60 Prozent), die vaskulären Demenzen (zirka 30 Prozent), die Lewy-Körperchen (zirka 5 Prozent) und die frontotemporale Demenz (zirka 5 Prozent) gemeint.

„Gegen die vaskulären Demenzen kann man etwas tun“, sagt Astrid Korte von der Alzheimer Gesellschaft Gifhorn. Diesen könne man durch eine gesunde Lebensweise vorbeugen, denn sie entstehen aufgrund von Durchblutungsstörungen der kleinen Blutgefäße des Gehirns, in deren Folge Nervenzellen nicht versorgt werden und absterben. Diabetes, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und Übergewicht seien hier die größten Risikofaktoren.

Gegen die anderen vorgenannten Demenzerkrankungen sei keine Vorbeugung möglich, so Korte. Ebenso wenig sind sie bislang heilbar. Nur die Symptome können behandelt werden und verschaffen den Erkrankten mehr Lebensqualität.

Allen Demenzformen gemeinsam ist ein typisches Muster von geistigen Leistungseinschränkungen und Verhaltensänderungen. Dazu zählen insbesondere das Vergessen kurz zurückliegender Ereignisse, Orientierungs- und Sprachstörungen sowie zunehmendes Desinteresse an einst liebgewonnen Alltagsgewohnheiten und sozialen Kontakten.

www.alzheimer-gifhorn.de

www.bundesgesundheitsministerium.de

www.deutsche-alzheimer.de

Zahl mindestens verdoppeln

„Betroffene sind für uns nicht nur die an Demenz Erkrankten, sondern auch die Angehörigen. Denn die sind 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche eingebunden, sich um ihre Partner oder Eltern zu kümmern“, weiß Astrid Korte zu berichten. Man müsse die Zahl der Demenzkranken daher mindestens verdoppeln, um die Zahl der Betroffenen zu erhalten.

Peinliche Situationen möglich

Astrid Korte ist Koordinatorin der Alzheimer Gesellschaft im Landkreis Gifhorn und rief bereits mehrere Selbsthilfegruppen für Angehörige ins Leben. Doch diese auch am Leben zu erhalten, sei leider nicht bei allen Initiativen geglückt. Scham der Betroffenen spiele eine Rolle. Denn mit Demenzerkrankten könne es in der Öffentlichkeit und zuhause durchaus zu peinlichen Situationen kommen, über die Angehörige lieber nicht sprechen wollten – auch dann nicht, wenn diese Erlebnisse sie emotional belasteten.

Schwieriger Umgang mit Erkrankten

Und nicht nur Angehörige können im Umgang mit Demenzerkrankten ihre Schwierigkeiten haben. Auch schwerpunktmäßig in der Öffentlichkeit Berufstätige, wie zum Beispiel Einzelhändler, Polizisten und Busfahrer, können damit überfordert sein, „wenn man nicht genau weiß, was mit seinem Gegenüber los ist“, sagt Torsten Haf, Sozialplaner des Landkreises Gifhorn. Deshalb legte er das Projekt „Demenzsensible Kommune im Landkreis Gifhorn“ auf. Dies beinhaltet eine Reihe von Vorträgen, Netzwerkarbeit und Schulungen.

Was die gute Stube mit Demenz zu tun hat

Jens Bosenick ist Pflegedirektor des Helios Klinikums Gifhorn. Er ist Gründungsmitglied der Alzheimer Gesellschaft im Landkreis Gifhorn e.V. und brachte bereits mehrere Projekte rund um das Thema Demenz im Landkreis in Gang. AZ-Mitarbeiterin Yvonne Droste sprach mit ihm.

Fachmann zum Thema Alzheimer und Demenz: Jens Bosenick ist Pflegedirektor im Helios Klinikum Gifhorn. Quelle: Yvonne Droste

Im Januar wurde für Demenz-Patienten im Helios Klinikum ein Retro-Zimmer im Stil der 50er Jahre mit Hilfe von Spendengeldern eingerichtet (AZ berichtete). Haben Sie damit bereits Erfolge erzielt?

Nicht nur mit der „Guten Stube“ haben wir Erfolge erzielt. Es ist ein Gesamtpaket aus mehreren Maßnahmen, wobei die „Gute Stube“ das i-Tüpfelchen ist. Die „Gute Stube“ gibt es in fast jedem Altenheim, aber selten in Kliniken. Das sind Räumlichkeiten, die eine gewisse Ruhe durch Orientierung herstellen. Demenzerkrankte kommen ja nicht zu uns aufgrund ihrer Demenz, sondern weil sie sich den Arm gebrochen haben oder andere akute Beschwerden haben. Gerade für sie ist die fremde Klinik-Umgebung aber sehr schwierig zu verarbeiten. Da setzen unsere festangestellten Alltagsbegleiterinnen und Alltagsbegleiter an und kümmern sich hier um die Demenzerkrankten der verschiedenen Stationen. Das ist im Patientenzimmer für die anderen Patienten nicht immer so förderlich, die verständlicherweise ihre Ruhe haben möchten. Dann weichen sie in die „Gute Stube“ aus. Das ist eine enorme Entlastung der Pflegekräfte, der Mitpatienten auf den Zimmern und nicht zuletzt der Demenzerkrankten.

Von der Idee bis zur Realisierung, wie lange hat‘s gedauert?

Viel zu lange. (lacht) Also, ich glaube, bis wir die Planung ausgestanden hatten und endlich in die Umsetzung gegangen sind, hat das ein Jahr gedauert. Wir hatten Probleme, einen Raum zu finden. Wir haben, man glaubt es kaum, Raumnot trotz Neubaus.

Wie oft am Tag wird die „Gute Stube“ genutzt?

Einmal am Tag auf jeden Fall. Das Schöne daran ist, dass die Demenzerkrankten nach der Alltagstherapie hier richtig ausgepowert und zufrieden erschöpft sind.

Treffen Sie sonst noch besondere Vorkehrungen für Ihre Demenzpatienten im Klinikalltag?

Ja, wir richten die Patientenzimmer entsprechend ein, reduzieren die Sturzgefahr, fragen nach, ob das Nachtlicht an oder aus sein muss. Dann fragen wir die Angehörigen nach Gewohnheiten und Bedürfnissen, ob ein Bild, Kuscheltier oder eine Puppe mitgebracht werden kann. Außerdem achten wir sehr genau darauf, ob und wie sich durch die Operation der Demenz-Zustand des Patienten verschlechtert.

Von Yvonne Droste

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