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Gifhorn Stadt Warum sind in Gifhorn Arzneien Mangelware?
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18:06 20.11.2019
Medikamente sind knapp: Auch im Kreis Gifhorn sehen sich Patienten mit diesem Engpass konfrontiert. Quelle: dpa
Gifhorn

Auch der Kreis Gifhorn wird zunehmend mit einem Problem konfrontiert, das vor wenigen Jahren undenkbar schien: Immer mehr Patienten sind von Medikamentenengpässen betroffen. Dabei geht es auch um wichtige Präparate.

„Ich verordne ein Rezept, und der Patient kommt wieder zurück und sagt: Ich krieg das Medikament nicht“, sagt Dr. Klaus-Achim Ehlers, Hausarzt und Kreissprecher der Kassenärztlichen Vereinigung. Das sei ein relativ neues Phänomen, das er so noch nicht kannte.

Bei diesen Medikamenten gibt es Probleme

„Zirka 120 Lagerartikel, die eigentlich vorrätig sein sollten, sind aktuell nicht lieferbar“, sagt der Gifhorner Apotheker Thorsten Stoye. Dabei gebe es zwei Kategorien: erstens ein bestimmtes Medikament, zu dem es aber Alternativen anderer Hersteller mit dem selben Wirkstoff gebe. Beispiel sei gerade ein Blutdrucksenker, den mancher Patient nicht in seiner gewohnten Blister-Ausführung, sondern als lose Pillen in einer Box bekomme. Tropfen gegen zu hohen Augeninnendruck, Schmerzmittel und Antibiotika seien weitere Beispiele.

In einer zweiten Kategorie geht es darum, dass ein Wirkstoff gerade nicht zu haben sei – und somit keinerlei Präparat. Beispiel sei hier der Herpes-Impfstoff Shingrix. „Angeblich soll der auf dem Markt sein, aber ich kriege ihn nicht“, sagt Stoye. Dramatisch sei die Situation beim Anti-Depressivum Venlafaxin: „Keine Firma kann liefern.“

Das sind die Folgen für die Patienten

Die Folgen für die Patienten sind laut Ehlers in vielen Fällen mehr als nur ärgerlich. Die Situation torpediere regelrecht ganze Therapien. Diese seien oft nicht mal eben so aufgeschrieben, sondern laut Ehlers mit Mühe verbunden. Der Arzt findet ein Medikament, das der Patient verträgt, so dass dieser auch langfristig am Ball bleibt – und dann ist ausgerechnet dieses Präparat plötzlich nicht lieferbar. Folge: Die mühsam erarbeitete Therapie müsse wieder umgestellt werden. „Bei Psychopharmaka ist das ein riesen Problem.“

Betroffen ist laut überregionalen Medien auch ein wichtiges Narkosemittel für Kliniken. Das Helios-Klinikum in Gifhorn gibt aber Entwarnung: Dort gibt es laut Sprecherin Isabell Adam aktuell keinerlei Probleme.

So entsteht der Engpass

Woher rührt der Engpass? Apotheker Stoye kann nur spekulieren. Ein Punkt: Die Wirkstoffe entstehen nicht mehr in Deutschland, sondern in „Küchen“ in China, Indien oder USA. Und wenn eine Charge mal den Standards nicht entspreche oder verunreinigt sei, müssten ganze Schiffsladungen neu in Asien losgeschickt werden. „Die Verkehrswege sind enorm lang, da kann man nicht schnell reagieren.“

Hinzu kommt laut Stoye Punkt zwei: Medikamente seien in Deutschland inzwischen preiswert – und würden oft vom Ausland nachgefragt. Folge: Sie gehen in den Export und nicht an einheimische Patienten.

Das tun die Apotheken

„Es ist eine Herkulesaufgabe, den Patienten zu versorgen“, sagt Stoye und lobt seine Kollegen, „die das immer wieder schaffen“. Wie stellen es die Apotheker an? „Wir bestellen vor“, sagt Stoye. „Wir kaufen mehr ein“, um beim nächsten Engpass die Patienten weiter versorgen zu können. Heizt das nicht den Engpass weiter an? Stoye glaubt nicht, denn es würde den Herstellern signalisieren, dass Bedarf da sei und sie mehr produzieren müssten.

Patienten fühlen sich zu recht verschaukelt

„Die Patienten fühlen sich nicht ernst genommen – zu recht“, sagt Ehlers. Er sieht auch die Krankenkassen in der Pflicht. Diese müssten Druck auf die Hersteller ausüben. Ihm ist klar, dass auch dort Grenzen gesetzt sind. Es sei wohl auch eine Frage der freien Marktwirtschaft.

Von Dirk Reitmeister

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