Corona-Kontaktdaten: So läuft’s in Gifhorn bei Frisör und Co.
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Gifhorn Stadt Corona-Kontaktdaten: So läuft’s in Gifhorn bei Frisör und Co.
Gifhorn Gifhorn Stadt Corona-Kontaktdaten: So läuft’s in Gifhorn bei Frisör und Co.
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17:00 10.06.2020
Keine Kontaktdaten, keine neue Frisur: „Bei L & Team“ wird Wert auf die Einhaltung der aktuell bestehenden Corona-Regelungen gelegt. Quelle: Sebastian Preuß
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Gifhorn

Dokumentationspflicht heißt das Zauberwort für den Besuch beim Frisör, beim Plausch im Café, beim Fitnesstraining im Studio, beim Essen gehen. Corona macht’s nötig: Mit den Lockerungen der Regelungen kommen Kontrollmechanismen, um mögliche Infektionsketten schnellstmöglich nachverfolgen zu können. Nun gehört zum Alltag, persönliche Daten auf Formularen zu hinterlegen. Die AZ hörte sich in verschiedenen Branchen um. Und: Wie reagieren manche Kunden?

Corona: Hier müssen Kontaktdaten erfasst werden

Essen gehen, ein neuer Haarschnitt, Massage und vieles mehr – seit 8. Juni müssen folgende Branchen im Landkreis Gifhorn die Daten der Kunden sowie deren Verweildauer dokumentieren:

1. Alle Betriebe, die den so genannten körpernahen Dienstleistungen zugeordnet werden, darunter fallen etwa Kosmetik, Massage, Maniküre, Pediküre, Frisör und Tätowierstudios.

2. sämtliche Gastronomiebetriebe, Kantinen, auch Biergärten im Freien

3. Fitnessstudios

4. Spielhallen

5. Boots- und Fahrradverleih

6. Volkshochschulen, Musikschulen und andere Bildungseinrichtungen außerhalb von Schulen

7. Fahrschulen sowie Flugschulen

8. Pflegeheime und Heime für Menschen mit Behinderungen sowie ambulant betreute Wohngemeinschaften

9. Werkstätten für Menschen mit Behinderung

10. Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen

11. Organisatoren kultureller Veranstaltungen im Freien

12. Anbieter touristischer Busreisen

13. Soziale, pädagogische und psychologische Beratungsstellen sowie Angebote der Kinder- und Jugendhilfe

Seit März musste Jens Drangmeister die Nadeln in seinem Tätowier- und Piercingstudio ruhen lassen. Erst seit kurzem darf er wieder arbeiten. „Da ist das Ausfüllen der Kontaktdaten nicht das Schlimmste“, sagt er. Er geht nicht davon aus, dass er die Zettel für den Notfall einmal braucht. „Hier steckt sich schon keiner an.“ Er hofft, dass sich der zusätzliche Schriftkram bald erledigt hat und „die App kommt“. Kunde Kai Elfert, der bei Drangmeister Adresse, Kontaktmöglichkeit und Dauer seines Aufenthaltes hinterlegen muss, hat Verständnis für die Auflagen. „Das muss sein – aus Sicherheitsgründen.“

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Corona bestimmt seit Wochen den Alltag, setzt Regeln, die es zuvor nie gab. Aktuell müssen Gifhorner an vielen Stationen ihre Daten hinterlegen.

Auch der Frisörbesuch muss laut Verordnung des Landes penibel dokumentiert sein. Nicht jedem behagt das, wie ein Besuch bei L & Team – Ihr Friseur in Gifhorn zeigt. „Manche weigern sich, den Zettel auszufüllen“, sagt Helena Schmidtheisler. Dann muss sie jedoch Sorry sagen. Denn ohne das Ausfüllen dürfen bei keinem Kunden die Haare gemacht werden. Ein Infoblatt am Empfangstresen informiert jeden, der kommt, über Sinn und Zweck der Erhebung. „Wir fragen ja nicht nach den Kontoauszügen“, betont Schmidtheisler, dass es in dem Fall ja nur um die Sicherheit aller gehe.

Diskussionen mit Gästen, die die Wichtigkeit der Kontaktdatenerhebung nicht einsehen, kennt auch Sebastian Bühring, Inhaber von Mr. Barmann’s. Aber für ihn sind alle Regelungen rund um Corona alternativlos, also auch einzuhalten. „Jeder gibt doch jeden Tag ohnehin seine Daten überall preis, ob im Internet oder beim Bezahlen mit EC-Karte. Warum man dann hier diskutiert...?“ Wichtig für ihn, dass alle mitziehen und die Regelungen einhalten. „Das ist doch kein Zauberwerk.“ Viel schlimmer finde er persönlich, dass das Flair der Gastronomie gerade leide unter Mundschutz und ungeselligen Abstandsregeln. Gespräche am Tresen etwa fehlen ihm persönlich sehr. Da sei das Ausfüllen von Zetteln doch gerade das geringere Übel.

Das ist zum Thema Datenschutz zu beachten:

Für die Erhebung von Kontaktdaten und den Umgang damit hat das Land Niedersachsen folgende datenschutzkonforme Umsetzung festgelegt – hier einige Auszüge:

Wenn mit Erfassungslisten gearbeitet wird, ist darauf zu achten, dass keine Person die Daten anderer Personen lesen kann. Der Verantwortliche sollte deshalb die Daten erfragen (Vornamen, Familienname, vollständige Anschrift und Telefonnummer) und selbst in entsprechende Listen eintragen. Damit könnte zugleich die Lesbarkeit der erhobenen Daten sichergestellt werden, soweit die Listen manuell in Papierform geführt werden. Ein eigenständiges Eintragen der Kontaktdaten durch die betroffene Person (in manuelle Listen) ist aus Datenschutzsicht nur zulässig, wenn vorherige Einträge abgedeckt werden.

Für jeden Tag sollte zudem eine neue Liste begonnen werden, um so taggenau den Löschfristen nachkommen zu können. Alternativ kann auch pro Kunde ein einzelnes Dokument verwendet werden.

Die betroffenen Personen müssen über die Datenerhebung informiert werden, am besten über einen Aushang.

Die erfassten Daten sollten ausschließlich bei schriftlicher Aufforderung z.B. durch das Gesundheitsamt oder durch eine andere öffentliche Stelle übermittelt werden. Die Daten sollten nur auf einem sicheren Übertragungsweg übermittelt werden (per Post, per Fax oder per Mail mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung).

Die Daten müssen spätestens einen Monat nach dem letzten Kontakt mit der betreffenden Person vernichtet bzw. gelöscht werden. Das muss datenschutzkonform geschehen, z.B. durch Schreddern der Listen mit einem Aktenvernichter bei Papierunterlagen bzw. durch sicheres Löschen bei digitalen Formaten. Unzureichend wäre es, Papierunterlagen in Gänze oder nur zerrissen in den Hausmüll bzw. die Altpapiertonne zu geben bzw. Dateien lediglich in den digitalen Papierkorb zu verschieben und diesen zu entleeren. Für ein datenschutzkonformes Löschen ist der Einsatz zusätzlicher Löschtools erforderlich, die ein unwiederbringliches Löschen von Dateien gewährleisten.

Mehr zur Corona-Krise

Auch im Kreis Gifhorn hat das Corona-Virus den Alltag und die Gedanken der Menschen voll im Griff. Das hat die AZ bislang berichtet:

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Von Andrea Posselt