Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Gifhorn Stadt Was elf Klagen für den Weiterbau der A 39 bedeuten
Gifhorn Gifhorn Stadt Was elf Klagen für den Weiterbau der A 39 bedeuten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 22.06.2019
Weiterbau der A 39 von Wolfsburg nach Ehra: Am 25. und 26. Juni werden vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig elf Klagen gegen den Abschnitt 7 verhandelt. Quelle: Albroscheit (Archiv)
Kreis Gifhorn

14,2 Kilometer geplante Autobahn sorgen seit mehr als zehn Jahren für Unmut zwischen Wolfsburg und Ehra. Es handelt sich um den Abschnitt 7 des geplanten A 39-Lückenschlusses zwischen Wolfsburg und Lüneburg. 105 Kilometer lang soll die Autobahn insgesamt werden, und nach neuesten Schätzungen 1,3 Milliarden Euro kosten, die Kosten für den Abschnitt 7 liegen bei 170 Millionen Euro.

Lesen Sie auch: Warum der BUND gegen den Bau der A 39 klagt

Die Kläger und ihre Klagepunkte

Kläger sind die Gemeinden Jembke und Tappenbeck, der niedersächsische Landesverband des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) stellvertretend für die Gifhorner Kreisgruppe und acht Einzelpersonen. „Die Kläger rügen Beeinträchtigungen ihrer Planungshoheit, ihres Grundeigentums, Betriebes oder Eigenjagdbezirkes, Fehler bei der Umweltverträglichkeitsprüfung und der Verlegung der L 289 und B 248, das Fehlen der Planrechtfertigung und Verstöße gegen Naturschutz- und Wasserrecht sowie das Abwägungsgebot. Insoweit richten sie sich auch gegen den Standort der Tank- und Rastanlage“, erklärt eine Sprecherin des Bundesverwaltungsgerichts. Beklagte ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Das Urteil gilt nur für den Abschnitt 7.

Video: Stationen der geplanten Trasse

Tappenbeck verliert den Sport

Tappenbeck träfe der Autobahnbau am härtesten. Bis zu 50 Meter soll die Trasse an einige Häuser heranrücken, inklusive Lärmschutzwand wäre sie mehr als zehn Meter hoch. Und das Sportzentrum würde von der Autobahn platt gemacht. 1,75 Millionen Euro will der Bund laut Bürgermeister Ronald Mittelstädt bislang dafür zahlen. Ein Neubau würde aber 4,8 Millionen kosten. „Wenn der Bund nicht zahlt, gibt es in Tappenbeck keinen Sport mehr“, sagt der Bürgermeister. Es gelte das Verursacherprinzip – wer einen Schaden verursacht, muss dafür auch aufkommen. Und zwar komplett.

Tank- und Rastanlage zwischen Jembke und Tappenbeck

Die zwischen Jembke und Tappenbeck geplante Tank- und Rastanlage brachte in beiden Orten die Stimmung zum Kippen. Unter anderem 175 Lastwagen- und 90 Pkw-Stellplätze sind dort auf einer Fläche von 18 Hektar geplant. „Warum baut man so eine Anlage genau zwischen zwei Orte?“, fragt Jembkes Bürgermeisterin Susanne Ziegenbein. Es gebe weitaus bessere Plätze, zum Beispiel in der Nähe des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Ehra-Lessien. Dort sei die Belastung durch Lärm, Schmutz und Licht geringer. Geklagt hat die Gemeinde auch, weil die Autobahn den Bokensdorfer Kirchweg durchschneiden soll, eine historisch gewachsene Verbindung in den Nachbarort. „Der Weg muss erhalten bleiben“, sagt Ziegenbein.

Bildergalerie zur A 39: Protest und Information

Protest und Information: Der geplante A39-Ausbau von Wolfsburg nach Ehra hat in den vergangenen Jahren für viel Unruhe gesorgt. Ein Überblick in Bildern.

Ehra-Lessien hat auf Klage verzichtet

Im Gegensatz zu Jembke und Tappenbeck hat die Gemeinde Ehra-Lessien auf eine Klage verzichtet. „Wir haben keine Notwendigkeit gesehen“, sagt Bürgermeister Jörg Böse. Durch Gespräche im Vorfeld habe man erreicht, dass die Abfahrt weiter nach Norden verlegt und eine Umgehungsstraße gebaut wird. Dennoch blickt er gespannt auf das Verfahren in Leipzig. „Es bedeutet hoffentlich ein Ende der Ungewissheit“, sagt Böse.

Das sagt die beklagte Behörde

Im Niedersächsischen Verkehrsministerium sieht man den Klagen relativ gelassen entgegen. „Ihnen geht eine sehr gründliche Planung der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr voraus“, sagt ein Sprecher. Gerade auch mit Blick auf die Umweltverträglichkeit. „Insofern hoffen wir, dass das Bundesverwaltungsgericht unsere Planung bestätigt.“ Sollte das geschehen, ist der erste Spatenstich noch für dieses Jahr vorgesehen.

IHK hofft auf schnellen Spatenstich

Darauf hofft die IHK Lüneburg-Wolfsburg. „Die A 39 ist die Lebensader unserer Region“, sagt Volker Linde, Leiter der Standort- und Politikberatung, mit Blick auf die Attraktivität für Fachkräfte, höhere Wirtschaftskraft und damit auch höhere kommunale Einnahmen. Zudem sei sie notwendig, um den Anstieg beim Güterverkehr zu bewältigen. Eine Verlagerung auf Schiene und Wasserstraßen werde dafür nicht ausreichen.

Wird die Autobahn gestoppt?

Die Gemeinden Jembke und Tappenbeck haben sich intensiv auf den Prozess in Leipzig vorbereitet, Anwälte beauftragt und Gutachten erstellen lassen. Jeweils mehrere 10.000 Euro hat sie das schon gekostet. Ob das für einen Erfolg reicht? „Das wäre ein Blick in die Glaskugel“, sagt Susanne Ziegenbein. Ronald Mittelstädt ist skeptisch. „Ein 1400-Einwohner-Dorf wird die Autobahn nicht stoppen können“, sagt er. Tappenbeck werde wohl mit einigen Nachteilen leben müssen. Aber er hofft: Vielleicht sei im Verfahren nicht alles richtig gelaufen und es gebe nach dem Prozess wieder mehr Verhandlungsspielraum.

Klar ist: Gegen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts können keine Rechtsmittel eingelegt werden. Es wird rechtskräftig sein.

Von der Planung zur Klage: Eine Chronologie des A39-Weiterbaus

Oktober 2008: Das Bundesverkehrsministerium legt den generellen Trassenverlauf für den Weiterbau der A 39 zwischen Wolfsburg und Lüneburg fest. Die konkrete Entwurfsplanung beginnt im Januar 2009.

April 2010: Die Gemeinde Tappenbeck beginnt mit der Planung eines neues Sportzentrums. Das alte muss für die Autobahn weichen.

Mai 2010: Bei einer Info-Veranstaltung in Weyhausen stellt die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr ihre Planungen für den Abschnitt 7 vor. Es stellt sich heraus, dass Tappenbeck besonders betroffen ist.

Februar 2012: Die Autobahnabfahrt bei Ehra-Lessien soll 750 Meter weiter in Richtung Nordosten verlegt werden und damit näher an das VW-Prüfgelände heran. Weitere Änderungen an der Trasse soll es nicht mehr geben.

März 2012: Die Bürgerinitiative „Natürlich Boldecker Land – Gegen die A 39“ gründet sich.

September 2012: Die eigentlich bei Wollerstorf geplante Rastanlage soll nun plötzlich zwischen Jembke und Tappenbeck gebaut werden.

In der Folge kommen knapp 600 Teilnehmer zu einer Anti-A 39-Demo am Ort der geplanten Rastanlage und knapp 200 Teilnehmer zu einer Mahnwache am Tappenbecker Sportzentrum.

März 2013: Der Jembker Gemeinderat spricht sich gegen die A 39 aus, um die Tank- und Rastanlage zu verhindern.

Juli 2013: Auch der Tappenbecker Gemeinderat positioniert sich gegen die A 39.

August 2013: Der Bund stimmt den Planungen für den Abschnitt 7 zu. Das Planfeststellungsverfahren kann beginnen.

Oktober 2014: Das Planfeststellungsverfahren wird eingeleitet. Bürger, Kommungen, Verbände und Institutionen machen knapp 2000 Einwendungen gegen die Planungen.

Mai 2018: Der Planfeststellungsbeschluss ist da. Damit könnte theoretisch gebaut werden.

Juli 2018: Der Bund für Umwelt- und Naturschutz beschließt, gegen die A 39 zu klagen. Die Gemeinden Tappenbeck und Jembke sowie acht Privatpersonen schließen sich an.

Januar 2019: Der Termin für die Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig steht fest: Es sind der 25. und 26. Juni.

Von Christian Albroscheit

Die Entscheidung der AZ-Leser war eindeutig: Die Sportler des Jahres vom Kreissportbund Gifhorn stehen fest.

19.06.2019

Starker Tobak, den eine 26-Jährige da am Amstgericht Gifhorn gegen eine Freundin auffuhr: Diese soll über Monate Geld von ihrem Konto abgezwackt haben. Der Prozess endete mit einer Überraschung.

18.06.2019

Eine piepende Spülmaschine sorgte am Dienstagnachmittag für einen Feuerwehreinsatz mit Drehleiter.

18.06.2019