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Gifhorn Stadt Brutaler Schal-Raub: VfL-Fan muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis
Gifhorn Gifhorn Stadt Brutaler Schal-Raub: VfL-Fan muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis
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19:07 28.02.2019
Urteil: Weil er einen gegnerischen Fan in Calberlah brutal niederschlug, muss ein VfL-Fan ins Gefängnis.
Urteil: Weil er einen gegnerischen Fan in Calberlah brutal niederschlug, muss ein VfL-Fan ins Gefängnis. Quelle: Bettina Reese
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Calberlah/Hildesheim

„Es war eine Schnapsidee den Fanschal zu klauen“, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Brönstrup am Landgericht Hildesheim in ihrer Urteilsbegründung. Denn das, was sich aus diesem Diebstahl entwickelte, sieht die Strafkammer als versuchten Totschlag an. Der 50-Jährige Stuttgart-Fan wollte sich seinen Schal (Wert: ca. 15 Euro) nicht klauen lassen.

Warenwert des Schals: 15 Euro

Es kam am Bahnhof Calberlah zu einer Rangelei, bei der er auf einem Grünstreifen am Bahnsteig landete. Mit wuchtigen Tritten soll der 30-jährige VfL Wolfsburg-Fan zweimal gegen die linke Gesichtshälfte des Stuttgart-Fans getreten haben. Er erlitt mehrere Frakturen im Gesicht und verlor drei Zähne.

Tritte waren lebensbedrohlich

Die Tritte waren laut einem Rechtsmediziner potenziell lebensbedrohlich. „Sie haben den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen“, sagte die Richterin weiter. Sie sprach von einem nichtigen Anlass für die Tat, von einem „Momentversagen“ des Angeklagten, der alle möglichen Bedenken zur Seite geschoben habe.

Der Täter stellte sich freiwillig der Polizei

Zu seinen Gunsten wertete die Kammer seine Schmerzensgeldzahlung an das Opfer, sein Geständnis und eine gewisse Verantwortung, die er übernommen habe. Denn der Mann hatte sich nur vier Tage nach dem Vorfall freiwillig der Polizei gestellt. „Wir glauben auch, dass diese Tat für sie völlig wesensfremd ist. Sie wollten nicht töten. Wir haben Sie hier in der Hauptverhandlung völlig aufgewühlt erlebt“, fügte die Richterin hinzu. Auch bei der Urteilsbegründung zitterte er am ganzen Körper, schluchzte und rang nach Luft.

Sein 23-jähriger Freund soll einen untergeordneten Tatbeitrag geleistet haben. Zweimal soll er gegen den Rumpf des 50-Jährigen getreten haben.

Deshalb wurde er wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Die Verteidiger der Angeklagten haben jetzt eine Woche Zeit, Revision gegen dieses Urteil einzulegen.

Von Bettina Reese