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Gifhorn Stadt Brutale Attacke: VfL-Fans vor Gericht reumütig
Gifhorn Gifhorn Stadt Brutale Attacke: VfL-Fans vor Gericht reumütig
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00:19 28.02.2019
Prozessauftakt vor dem Landgericht Hildesheim: Die beiden Angeklagten sollen einen VfB-Stuttgart-Fan auf dem Bahnhof Calberlah zusammengeschlagen haben.
Prozessauftakt vor dem Landgericht Hildesheim: Die beiden Angeklagten sollen einen VfB-Stuttgart-Fan auf dem Bahnhof Calberlah zusammengeschlagen haben. Quelle: Bettina Reese
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Calberlah/Hildesheim

Am Abend des 3. Februars 2018 waren die Angeklagten nach dem Heimspiel des VfL Wolfsburg gegen den VfL Stuttgart auf dem Weg nach Hause. In der Regionalbahn stand auch ein 50-jähriger Stuttgart Fan aus dem Landkreis Hildesheim.

Das Opfer wehrte sich

Der Staatsanwalt ist sich sicher, dass der 30-Jährige beim Halt in Calberlah dem 50-Jährigen den Stuttgart-Schal als Trophäe entreißen wollte. Dieser hielt seinen Schal aber fest, wurde mit ihm auf den Bahnsteig gezogen. Laut Anklage soll sich der 30-Jährige aus Verärgerung über die Gegenwehr entschlossen haben, dem Stuttgart-Fan eine Lektion zu erteilen. Der 50-Jährige wurde in ein Gebüsch am Bahnsteig geschubst. Dort soll der 30-Jährige zweimal wuchtig gegen den Kopf, sein Kumpel zweimal in den Rumpf des wehrlosen Mannes getreten haben.

Opfer dankt Zeugen, die eingriffen

Erst als schreiende Zeugen eingriffen, ließen sie von ihrem Opfer ab. Eine Zeugin ist sich sicher: „Wenn wir nicht geschrien hätten, wäre Schlimmeres passiert“. Das sieht der 50-Jährige genauso. Er verlor drei Zähne, erlitt mehrere Knochenbrüche im Gesicht und musste mehrmals operiert werden. Für die Zivilcourage der Zeugen bedankte er sich.

Angeklagte haben keine Begründung

Beide Angeklagten legten Geständnisse ab. Eine Erklärung für ihre Tat lieferten sie nicht. Ihnen macht der Prozess sichtlich zu schaffen. Mit leisen, zittrigen Stimmen entschuldigten sie sich bei ihrem Opfer. Der 50-Jährige nahm die Entschuldigungen und auch die Zahlung von Schmerzensgeld zur Kenntnis. Den Prozess verfolgte auch ein Justitiar vom VfL Wolfsburg. „Wir waren sehr betroffen, als wir von dem Vorfall gehört haben“, so Christopher Wendisch. Über diese moralische Unterstützung ist das Opfer dankbar. Auch freut sich der 50-Jährige über die Ankündigung der Vereine aus Wolfsburg und Stuttgart: Sollte es zu Problemen kommen, wollen sie die Anwaltskosten übernehmen. Das Urteil soll morgen gefällt werden.

Von Bettina Reese