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Gifhorn Stadt Briefe der Stadt an Wochenmarkt-Beschicker sorgen für Verdruss
Gifhorn Gifhorn Stadt Briefe der Stadt an Wochenmarkt-Beschicker sorgen für Verdruss
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00:18 15.02.2019
Schreiben der Stadt sorgt für Ärger: Einige Wochenmarktbeschicker wollen nun sogar fern bleiben. Quelle: Michael Franke (Archiv)
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Gifhorn

Katrin Binding, die seit September 2015 ihre handgemachte Keramik auf dem Wochenmarkt verkauft und ihren VW Caddy als Warenlager und Wetterschutz benötigt, flatterte das Schreiben des Ordnungsamtes am 22. Januar ins Haus. „Ich möchte Sie deshalb bitten und auffordern, ihr Fahrzeug in Zukunft während des Wochenmarktes aus der Fußgängerzone zu entfernen und ihren Verkaufsstand gegebenenfalls dem Warensortiment bzw. dem Produktrisiko anzupassen“, droht die Stadt der Keramikerin ab dem 1. März mit einem Bußgeld von 30 Euro. „Mein Caddy ist mein rollendes Lager – ohne den Wagen geht’s nicht“, will Binding das Angebot der Verwaltung, das Auto zukünftig auf dem Parkplatz Schottische Mühle abzustellen, nicht annehmen. „Dann bleibe ich eben weg und verkaufe meine Waren in meiner Werkstatt“, kündigt Binding an.

„Wir sind keine Bittsteller!“

„Ein Vorgespräch hat es nicht gegeben, stattdessen wurde sofort aus der Hüfte geschossen“, kritisiert ein anderer Marktbeschicker, der seit 30 Jahren auf dem Wochenmarkt zu finden ist, den Vorstoß der Stadt. Er hat inzwischen mehr als 60 Protest-Unterschriften von Kunden gesammelt. „Wir sind keine Bittsteller – beim ersten Bußgeldbescheid bin ich weg“, will auch er ein Zeichen setzen.

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Kritik an Ordnungsamtsleitung

Bei Nerlich ist inzwischen ein offener Brief der Marktbeschicker gelandet, in dem die neue Ordnungsamtsleitung kritisiert wird. „Ein Grund für die Irritationen ist unseres Erachtens die starke personelle Fluktuation im Fachbereich Ordnung“, heißt es in dem Schreiben. „Bitte sorgen Sie dafür, dass sich der Gifhorner Wochenmarkt wieder beruhigt und das nicht (auch hier) irgendwann die Lichter ausgehen“, fordern die Marktbeschicker ihn zum Handeln auf.

Kunden sind sauer

Sauer ist auch Wochenmarkt-Kunde Stefan Blanke. „Es drängt sich mir und vielen anderen Besuchern und Kunden der Verdacht auf, dass die Durchsetzung einer Marktordnung dazu missbraucht wird, um Anbieter vom Platz zu vertreiben“, schreibt der Müdener an den Bürgermeister.

Auf AZ-Anfrage erklärte die Stadt: Reine Verkaufswagen seien laut Marktordnung erlaubt.„Bis auf wenige Ausnahmen“ hielten sich auch alle Beschicker an die Anweisung, nach dem Entladen der Waren die Fahrzeuge aus der Meile zu entfernen.

30 Euro Bußgeld drohen

„Allerdings gibt es eine kleine Anzahl von Markthändlern, die nicht bereit sind, ihr Auto umzuparken.“ Die Stadt habe das Gespräch gesucht, dann einen Brief geschrieben. Ab 1. März werde die Stadt für „widerrechtliches Parken“ in der Fuzo 30 Euro Bußgeld erheben.

Gleiches Recht für alle: „Dürften alle Händler ihre Fahrzeuge in der Fußgängerzone parken, dann würde sich sicherlich nicht nur das Erscheinungsbild des Marktes durch die vielen Fahrzeuge ändern, sondern es gäbe auch ein massives Platzproblem“, will die Stadt weiter das Gespräch anbieten und nach gemeinsamen Lösungen suchen.

Von Uwe Stadtlich

15.02.2019
11.02.2019