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Gifhorn Stadt Zwischen Trend und Trauer: Pflegeleicht muss es heute sein
Gifhorn Gifhorn Stadt Zwischen Trend und Trauer: Pflegeleicht muss es heute sein
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20:29 27.11.2019
Steine im Wald-Frieden: Der Vorname "Jupp" und die Bezeichnung "Liebslingsmensch" erzählen von den Verstorbenen. Quelle: Hilke Kottlick
Gifhorn

Die stillen Tage im November bieten die Chance zur Ruhe – vielleicht aber auch zur Auseinandersetzung mit einem Tabu-Thema: Beerdigung, Beisetzung, Bestattung. Damit sollte sich jeder zeitig beschäftigen, mahnen Bestatter. Immerhin möchte niemand damit Angehörige eines soeben Verstorbenen konfrontieren. Und da sind ebenso Fragen nach dem Ablauf der Beerdigung zu stellen wie nach der Art des Grabes. Dabei wächst der Wunsch nach alternativen Beerdigungsformen stetig, weiß Johann Harms vom St. Nicolai Friedhof in Gifhorn.

Der Trend geht eindeutig zu pflegeleichten Grabstellen mit Bezug zur Natur: Auch im Landkreis Gifhorn gibt es höchst unterschiedliche Bestattungsformen.

Gräber gen Mekka

Ob mit Stelengrab, Gräbern am Weinstock, Luthers Garten oder naturbelassenen Gräbern unter Bäumen – die Gemeinde versucht, diesem Trend ideenreich zu entsprechen. Und: „Wir sind hier konfessionslos“, verweist Harms auch auf die Möglichkeit muslimischer Bestattungen, „bei denen die Gräber gen Mekka ausgerichtet sind“. wie er sagt.

Pflegeleichte Gräber

Die parkähnliche Anlage des Nikolai-Friedhofs besteht seit 1890 und misst sieben Hektar. Nach Angaben des Friedhofschefs gibt es rund 11.000 Gräber und 300 bis 330 Beerdigungen pro Jahr. Bei der Wahl des Grabes hat sich laut Harms der Trend verändert in Richtung pflegeleichte Gräber: „53 Prozent der Menschen entscheiden sich mittlerweile für eine Urnen- und nur noch 47 Prozent für eine Erd-Bestattung.“

Eigene Anregungen vom Team

Die Friedhofsmannschaft um Harms wartet aber nicht auf neue Trends, sondern gibt selbst Anregungen für zeitgemäße Bestattungen – zum Beispiel mit der Anlage „Luthers Garten“. Harms bezeichnet sie als „Streuobstwiese auf dem Friedhof“. Gepflanzt wurden dafür ein Apfel- und zwei Birnbäume, Johannis- und Stachelbeeren. „Darum herum werden Urnengrabstellen angeboten“, sagt er.

Weingräber an der Rebe

Auch die Weingräber „An der Rebe“ gehen auf eine Idee der Friedhofsmannschaft zurück. Die Pflanzen wurden Harms zufolge vor drei Jahren in die Erde gebracht, „geerntet haben wir auch schon“, sagt er und verweist auf die Anregung aus der Bibel, wo Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ Harms zeigt zudem Stelengräber und deutet auf den „Wald-Frieden“, wie er ihn nennt. Um in einem Wald auf dem Friedhof eine Urnenbeisetzung zu ermöglichen, „haben wir hier extra Buchen gepflanzt.“

Ruhewald bei Kästorf

Dem Wunsch nach Naturbestattungen entspricht auch der Ruhewald, der auf einem 2,3 Hektar großen Gelände direkt am Waldfriedhof der Diakonie Kästorf angeboten wird. 400 Buchen gibt es dort, Betreiber ist der Bestatter Andreas Günter. In diesem Wald können Verstorbene jeder Herkunft und Konfession am Fuße eines Baumes beigesetzt werden – für Angehörige ein besonderer Ort des Gedenkens. Zu dem Wald gehört auch ein ganz besonderer Andachtsplatz für Trauerfeiern. Möglich sind dort Einzelurnenstellen, Paar-, Familien- und Freundesbäume.

Auch beim Bestatten gibt’s Moden

Zahlreiche Bestattungsformen sind in Deutschland möglich. Da gibt es die Fluss- oder die Edelsteinbestattung, die Wald- oder die Diamantbestattung. Neben der Seebestattung gibt es aktuell auch Formen der Beisetzungen, die besonders für Naturverbundene interessant sein könnten – unter dem grünen Rasen, unter einem Baum, im Fried- oder Ruhewald. Diese Bestattungsarten entsprechen zugleich dem Trend, sich für ein pflegeleichtes Grab zu entscheiden.

Zu klären ist stets vorab, ob eine Beerdigung im Sarg bevorzugt wird oder eine Einäscherung und in Folge ein Urnengrab. In Deutschland bestehen dabei grundsätzliche Friedhofszwang und Bestattungspflicht. Friedhofszwang bedeutet, dass der Leichnam oder seine Asche auf einem Friedhof bestattet werden muss. Dabei gelten auch Baumbestattungen sowie Fried- und Ruhewälder als Friedhöfe. Dementsprechend ist in Deutschland nicht erlaubt, was oftmals in amerikanischen Filmen zu sehen ist – die Urne, die mit der Asche des Verstorbenen im Wohnzimmer-Regal aufbewahrt wird.

Urnen-Erdröhren in Meinersen

Dem Trend zur Bestattung unter Bäumen entspricht auch die Samtgemeinde Meinersen. War dort vor drei Jahren noch geplant, ebenfalls einen Beerdigungswald anzulegen, gab es dafür aber keinen Konsens. Alternativ bietet die Samtgemeinde aktuell Beerdigungen in Urnen-Erdröhren unter Bäumen an – ebenfalls eine pflegeleichte Grabstelle, die laut Daniel Buhr, Vizechef im Bauamt, mittlerweile sehr gut angenommen wird. Aktuell werden entsprechende Bestattungsmöglichkeiten auf den Friedhöfen in Ahnsen und Seershausen angeboten.

Von Hilke Kottlick

Auch bei Bestattungsformen gibt es Trends. Ob anonym, Urne, Friedwald, See- oder Erdbestattung – wer eine besondere Form bevorzugt, sollte sich frühzeitig Gedanken machen. Was ist Ihre Meinung? Wer an unserer AZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

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