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Gifhorn Stadt Wie rollt der Verkehr auf der Tangente? Der Test
Gifhorn Gifhorn Stadt Wie rollt der Verkehr auf der Tangente? Der Test
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00:19 14.04.2019
Berufsverkehr auf der Tangente: Auf Wolfsburger Gebiet sind die Radfahrer klar im Vorteil. Quelle: Sebastian Preuß
Gifhorn/Wolfsburg

Bis hinter Ilkerbruch läuft es flüssig. Erst in der um 7.20 Uhr erreichten Rechtskurve kommt der Verkehr zum Erliegen. Die eben noch überholten Radfahrer ziehen nun wieder an uns vorbei. „Ich fahre fast nur mit dem Fahrrad zur Arbeit“, sagt Olaf Claus aus Gifhorn. Ist er schneller als die Autopendler? „Nein. Die sind auf der Gesamtstrecke schon schneller. Auf dem letzten Stück überhole ich aber.“ Er schätzt, dass er mit dem Auto 25 Minuten bräuchte, mit dem Rad schaffe er es in 35 Minuten. In der Tat brauchen wir motorisiert von der Dragenkreuzung bis zur Kreuzung an der A 39 rund 25 Minuten.

Claus ist jedenfalls froh, dass der neue Radweg auf Wolfsburger Gebiet die Lücke schließt. „Es hat lange gedauert.“ Mehr als ein Dutzend Radler sehen wir an dem Morgen auf der Strecke – Claus auf einem Rennrad, andere mit Pedelecs. Rückfahrt nach Gifhorn, wir fahren von Fallersleben kommend zur Tangente.

Rückstau fast bis Ilkerbruch

Derweil schaffen es in einer Grünphase 30 Fahrzeuge geradeaus über die Ampel von Gifhorn kommend nach Wolfsburg. Dennoch stehen die Fahrzeuge immer noch fast bis Ilkerbruch. Einige von ihnen lassen allerdings auch 50 Meter Abstand bis zum Vordermann. Im Gegensatz zu dem Dacia hinter uns.

Im Berufsverkehr auf der Tangente unterwegs – dabei lassen sich Studien treiben. AZ-Redakteur Dirk Reitmeister ging mit dem Fotografen Sebastian Preuß auf Tour.

Der Fahrer rückt zeitweise bis auf ein bis zwei Autolängen bei gut Tempo 70 an uns ran. Zu überholen wagt er allerdings nicht. Immer wieder kommt doch Verkehr von vorn. Fahrer und Fotograf Sebastian Preuß ist sich sicher: Wäre es ein GTI, „dann hätte er überholt“. Aber was hätte es gebracht? Vor uns ziehen sieben Autos hinter einem Lastwagen her.

Nachmittags-Tour

Zweite Runde am frühen Nachmittag. Ein Vermessungstrupp zwischen Lehmweg und Koppelweg lässt ganz kurz Hoffnung aufkeimen, ob vielleicht doch ein dreispuriger Ausbau bevorsteht – wohl eher nicht. Der Abschnitt hier ist doch erst voriges Jahr mit großem Aufwand erneuert worden. Wir kommen schnell voran, haben fünf Minuten hinter dem Lehmweg bereits die Tankumsee-Kreuzung erreicht.

Einem Mietwagen-Fahrer geht das nicht schnell genug. Hinter der Kanalbrücke überholt er in der 100-er Zone. Von vorn kommt gerade nichts, der Stoß Gegenverkehr ist noch weit weg. Sechs Minuten später, um 14.28 Uhr, steht der Mietwagen an der Fallerslebener Kreuzung vor uns, wir begleiten ihn bis zur A 39.

Was auf dieser Fahrt auffällt: In vielen Autos sitzen nur jeweils die Fahrenden. Nicht viel voller ist der VLG-Werksverkehrbus, der uns aus dem Werk kommend begegnet.

Die Nachtschicht fährt ein

Tagesabschluss im Nachtschicht-Verkehr kurz vor 22 Uhr. Die Pendler werden offenbar kühner. In der langen Linkskurve vor der Kreisgrenze und damit der Streckenbeschränkung zieht ein Wagen gleich an vier, fünf Vorderleuten vorbei. Wie kann er sehen, dass kein Gegenverkehr kommt? Ich kann es nicht. Nahe Ilkerbruch hindert auch die durchgezogene Linie einen Autofahrer nicht, bis zu zehn Vorderleute zu überholen.

Immer wieder schwere Unfälle: Auf der Tangente wird riskant überholt. Quelle: Sebastian Preuß

Wie viel Zeit gewinnt ein Autofahrer durch verwegene Manöver? Dem Verkehrsexperten der Polizei, Winfried Enderle, zufolge, wenn es hoch kommt eine Minute.

Das sagen die Fachleute zu dem Problem

Noch mehr Tempo 70 und Überholverbot auf der Tangente? Die Forderung der Polizei sorgt für Diskussionen im Kreis Gifhorn. Fachleute und auch Pendler verlangen mehr Kontrollen.

Der Vorschlag der Polizei, in Höhe Calberlah die Beschränkungen auf Tempo 70 und Überholverbot vom Wolfsburger auf das Gifhorner Gebiet zu verlängern, war einer der Berichte, wie sie auf der Facebook-Seite der AZ zig Kommentare einfahren. Die Nutzer boten ein breites Spektrum an Meinungen – bis hin zu Forderungen über einen drei- oder sogar vierspurigen Ausbau. Viele berichten in ihren Beiträgen aber auch aus eigenen Erlebnissen, wie sie selbst ständig riskant überholt werden.

„Wenn sich einfach alle an das halten würden, was einem mal in der Fahrschule beigebracht wurde, gäbe es jetzt kein Grund zur Diskussion!“, schreibt ein AZ-Leser. Ein anderer macht seinem Ärger über das Fehlverhalten einiger Autofahrer Luft: „Es wird wieder alles für viele reguliert, weil sich ein paar nicht an die Regeln halten beziehungsweise sich im Fahrverhalten verschätzen. Wenn das so weitergeht, dann haben wir bald nur noch Spielstraßen in Deutschland, und trotzdem wird es Unfälle geben.“ Wer vorschriftsmäßig fahre, werde „von gefühlt allen“ überholt.

Lutz Dietrich, Fahrsicherheitsexperte der Kreisverkehrswacht, bestätigt die Beobachtungen vieler Kommentatoren: „Es scheut sich kaum einer, trotz Überholverbots auf Wolfsburger Gebiet zu überholen. Das wird auf Gifhorner Gebiet nicht anders sein.“ Auf einem weiteren Teilstück Begrenzungen? „Das bringt da nichts, das maßregelt keinen.“

Für Dietrich steht fest: „Der Autofahrer muss sein Verhalten ändern.“ Das gehe nur mit Kontrolldruck. Auch Thomas Brusch vom Automobilclub Gifhorn im ADAC verlangt verstärkte Polizeipräsenz auf der Strecke. „Es geht nicht ohne Kontrolle.“ Gleichwohl sieht er eine Verlängerung des Überholverbots auch auf Gifhorner Gebiet nicht negativ. „Die Kurven sind unübersichtlich.“ Gerade an der Stelle würden einige Fahrer langsamere Wagen überholen.

Winfried Enderle, Verkehrssachbearbeiter der Polizei Gifhorn, sind diese Argumente klar. Kontrollen? „Das machen wir begleitend dazu.“ In dieser Woche sei die Verfügungseinheit bereits vor Ort gewesen. Auch der Polizei sei bewusst, dass viele Autofahrer sich an Verbote nicht halten. „Einige wollen es einfach nicht verstehen.“

Von Dirk Reitmeister und Christina Rudert

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