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Gifhorn Stadt Gifhorner Landwirte: „Wir haben Existenzangst“
Gifhorn Gifhorn Stadt Gifhorner Landwirte: „Wir haben Existenzangst“
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14:10 21.11.2019
„Wir haben Existenzangst“: Vier Landwirte aus dem Landkreis Gifhorn schildern, welche Folgen die Agrarpolitik aus ihrer Sicht hat. Quelle: Sebastian Preuß
Landkreis Gifhorn

Niedersachsens Bauern sehen Rot, auch im Landkreis Gifhorn sind Landwirte auf 180. Viele von ihnen nahmen schon an Trecker-Demos in Hannover und Hamburg teil. Am 26. November geht’s nach Berlin. „Wir haben alle Existenzangst“, sagt Florian Dralle. Er und drei weitere Gifhorner Landwirte berichten, worum es ihnen geht, was sie bewegt und wie es weiter geht. Ein Treffen auf dem Hof Hoffmann in Wasbüttel.

Ulrich Reinecke (56) aus Rethen betreibt auf 150 Hektar Ackerbau. Sein Hof ist ein Familienbetrieb seit Generationen. Gute Zeiten, schlechte Zeiten – das kennt der 56-Jährige. Aber jetzt platzt ihm der Kragen, was die Düngeverordnung sowie der Agrarpakt der Politik für ihn und den Hof bedeuten könnte. Sein Betrieb liegt mitten in einem so genannten Roten Gebiet. Hier darf künftig deutlich weniger gedüngt werden.

„Man kommt ins Grübeln, wie es weitergeht“

„Wenn das kommt, kann ich keinen Ackerbau mehr betreiben oder aber muss dort Mais anbauen.“ Immer mehr Betriebe im Südkreis hätten in den letzten Jahren aufgegeben. „Man kommt ins Grübeln, wie es weiter geht. Es ist gut, dass die Jungen jetzt den Protest losgetreten haben.“ Auf einer Karte zeigte er, welche Nitratmengen – Anlass der neuen Verordnung – in zwei Brunnen im Landkreis sind. „Sehen Sie, das ist deutlich unter den Vorgaben.“ Die Werte der Gifhorner Kläranlage seien da noch viel höher, und zeigt dazu ein Schreiben der Stadt Gifhorn.

Rote Gebiete: Darum geht’s

Die niedersächsische Landesregierung hat sich auf eine neue Düngeverordnung verständigt, die für viele Landwirte erhebliche Einschränkungen mit sich bringt. Das Kabinett beschloss die Verordnung am Montag. Als letztes Bundesland weist Niedersachsen mit der Verordnung sogenannte rote Gebiete aus, in denen besondere Einschränkungen für das Ausfahren von Gülle gelten. Diese Gebiete machen knapp 40 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Niedersachsen aus. Die aktuellen Zahlen für den Landkreis Gifhorn: Von 156 000 Hektar Kreisfläche werden rund 80 000 Hektar landwirtschaftlich genutzt. Es gibt rund 1200 Höfe, davon 500 im Haupterwerb.

Hinzu käme die durch die Bundesregierung geplante Reduzierung der Stickstoffversorgung um 20 Prozent unter den Bedarf der angebauten Pflanzen und das Verbot einer Düngung von Zwischenfrüchten.

Florian Dralle (28) aus Wentorf betreibt Ackerbau – Kartoffeln, Winterweizen, Zuckerrübe – auf 40 Hektar. Er hat Fahrzeugbau studiert, entschied sich dann doch zur Landwirtschaft. „Hier hängt mein Herz dran.“ Mit den neuen Verordnungen fiele für ihn etwa ein Drittel der Fläche weg. Der Betrieb wäre dann nicht mehr wirtschaftsfähig, sagt er.

Charlotte Hoffmann (24), Landwirtin hat auf dem elterlichen Hof in Wasbüttel rund 90 Milchkühe, insgesamt 210 Tiere, dazu kommt noch auf 160 Hektar Futterbau. Der Hof liegt nicht einem Roten Gebiet. Was nicht heißt, das Hof nicht von Verschlechterungen betroffen sein könnte. Künftig sollen Greeningprämien entfallen, für Maßnahmen im Klima- und Umweltschutz gibt es dann keinen finanziellen Ausgleich mehr. Auf den Kosten bleibt der Betrieb sitzen. Ein schlechtes Futterjahr 2020 und niedrige Milchpreise, wenn jetzt noch zusätzliche Belastungen kommen, kommen auch ihr Sorge, wie es weiter geht.

Und im Gegenzug etwa die Milchpreise anheben? Charlotte Hoffmann schüttelt mit dem Kopf: „Die Milchpreise werden am Monatsanfang festgesetzt, da haben wir keinen Einfluss drauf.“ Auch die geplante Einführung des Tierwohl-Labels sieht sie kritisch. „In Dänemark und Holland ist das schon gescheitert, weil es nicht funktioniert hat“, sagt sie.

„Vor allem unter den Jungen ist die Angst groß“

Marcel Kröger (28) aus Müden ist angestellt auf einem Hof in Leiferde, der Ackerbau betreibt. „Vor allem unter den jungen Landwirten ist die Angst groß, wie es weiter geht.“ Er organisierte die Gifhorner Teilnahme an der letztenTrecker-Demo in Hamburg. „Wir müssen gegen den Politiker klar machen, dass es so nicht geht.“

Keine Frage: Auch am 26. November werden sie wieder demonstrieren. Tausende Trecker werden am Brandenburger Tor erwartet. Dralles düstere Prognose, falls die Verordnungen alle so kommen: „Aktuell ernährt ein Landwirt 150 Menschen. Wenn nun immer mehr Landwirte aufgeben, kann man sich ausrechnen, wo das hingeht.“

Von Andrea Posselt

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