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Gifhorn Stadt 213 tote Kriegsgefangene wurden nach Wietzendorf umgebettet
Gifhorn Gifhorn Stadt 213 tote Kriegsgefangene wurden nach Wietzendorf umgebettet
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00:22 17.11.2018
Rätsel um tote Kriegsgefangene gelöst: Karla Seisel, Manfred Birth und Dr. Bernhard Schürmann stellten am Dienstag das Ergebnis der schwierigen Recherche vor.
Rätsel um tote Kriegsgefangene gelöst: Karla Seisel, Manfred Birth und Dr. Bernhard Schürmann stellten am Dienstag das Ergebnis der schwierigen Recherche vor. Quelle: Cagla Canidar
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Gifhorn

Die besagten 213 Toten wurden zunächst in einem Wäldchen hinter dem SV-Sportplatz bestattet. Ex-Bürgermeister Manfred Birth, Mitglied der Geschichtswerkstatt, landete jetzt einen historischen Volltreffer: Er fand heraus, dass sie 1959 auf den Kriegsgefangenen-Friedhof Wietzendorf umgebettet wurden. Auf die Spur hatte ihn ein AZ-Artikel gebracht.

Dokumente im Stadtarchiv durchstöbern, Akten wälzen, Zeitungsbände durchsehen und mit Zeitzeugen sprechen: Im April begann Birth – er wurde dabei von Dr. Bernhard Schürmann und Karla Seisel von der Geschichtswerkstatt unterstützt – mit seiner Spurensuche.

Viele kamen ins Lazarett

„Fest stand, dass frei gelassene Kriegsgefangene und Fremdarbeiter aus Polen und Russland die gefährliche Flüssigkeit getrunken haben“, so Birth. Viele von ihnen seien mit Lazarett-Fahrzeugen der Amerikaner in das Krankenhaus in der Lindenstraße – heute Stein-Schule – gebracht worden.

„Die Menschen sind qualvoll gestorben“, so Birth. Augenzeugen hätten ihm berichtet, dass viele der Opfer an der Braunschweiger Straße gelegen hätten. In vier Massengräbern seien die Toten hinter dem Eyßelheide-Sportplatz begraben worden. Einige der Opfer seien auch auf Friedhöfen der Umgebung beerdigt worden.

Birth ließ nicht locker

„Was wurde aus den Verstorbenen?“: Diese Frage ließ Birth nicht mehr los. Bereits im April entdeckte er in einer AZ-Ausgabe aus dem Sommer 1958 den entscheidenden Hinweis. „Aus einer Meldung ging hervor, dass die Bezirksregierung Lüneburg 1958 Mittel für die Umbettung von 213 Toten aus Gifhorn auf den Friedhof Munster eingeplant hat“, so der Ex-Bürgermeister.

Doch in Munster habe es keinen Platz für die Toten gegeben. Die Deutsche Kriegsgräberfürsorge schlug stattdessen die Umbettung auf den Kriegsgefangenen-Friedhof Wietzendorf vor.

Eine heiße Spur

Mit Hilfe von Silke Petri (Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten) recherchierte Birth weiter – und fand einen Gräberlisten-Vermerk vom 14. Januar 1958: 235 Tote – darunter auch verstorbene Kriegsgefangene aus dem Umland – sollten von Gifhorn nach Wietzendorf umgebettet werden. Der Plan der Stadt Gifhorn, die Toten vom Eyßelheide-Sportplatz auf den katholischen Friedhof umzubetten, wurde verworfen.

In einem Vermerk von 3. Januar 1959 habe die Bezirksregierung die Umbettung auf den Wietzendorfer Friedhof verfügt und am 31. Januar in einem Schreiben festgehalten: „Die Umbettung von 213 Russen und Polen aus Gifhorn hat ohne Schwierigkeiten stattgefunden.“

Stelen erinnern an Gifhorner

Birth besuchte den Wietzendorfer Friedhof am 9. November. Er machte eine interessante Entdeckung: Drei Stelen und eine Gedenktafel erinnern an die Opfer der Gifhorner Tragödie. „Damit ist das Rätsel über den Verbleib der toten Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter endgültig geklärt“, so Birth.

Von Uwe Stadtlich