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Gifhorn Stadt Rote Karte für Gifhorner Müll-Sünder
Gifhorn Gifhorn Stadt Rote Karte für Gifhorner Müll-Sünder
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11:32 07.12.2019
Dieser Abfall landet in der Grünen Tonne. Plastik gehört dort definitiv nicht mit hinein. Quelle: Privat
Wolfsburg/Gifhorn

Über dem Bio-Abfall-Haufen der WAS fliegen Möwen in Schwärmen umher. Sie landen und picken sich Essens-Reste aus den aufgetürmten Haufen. Für die Tiere ein leicht verdientes Futter. Doch ihre Nahrung suchen sie zwischen Plastikflaschen und Müllbeuteln aus Kunststoff, die vorher in Bio-Tonnen in Wolfsburg entsorgt wurden. Manchmal sieht Christian Windhausen, Müllwerker bei der Wolfsburger Abfallwirtschaft und Straßenreinigung (WAS) schon beim Öffnen der Bio-Tonne den Verpackungsabfall zwischen Laub und Gartenschnitt liegen. Meistens ist er jedoch tief in der Tonne vergraben. Erwischt der Müllwerker einen Müll-Sünder klebt er einen roten Aufkleber auf der Bio-Tonne: „Behälter falsch gefüllt“.

Müll-Sünder sortieren Abfall meist nicht selbst nach

Entdecken die Müllwerker Verpackungen in der Bio-Tonne bleibt diese dann am Straßenrand stehen und wird nicht geleert. Kurze Zeit später klingelt dann das Telefon in der WAS-Zentrale. „Bürger beschweren sich mitunter, dass wir den Behälter nicht entleert haben. Dass sie darin auch verbotene Abfälle entsorgt haben, fällt vielen erstmal nicht ein“, sagt Wolfgang Rubach, Leiter der WAS-Kompostierabteilung. Die Konsequenz: die Tonne wird als Sonderleerung kostenpflichtig abgeholt. Oder der Müll-Sünder sortiert seinen Abfall selbst und stellt die Bio-Tonne dann korrekt befüllt zur nächsten Leerung wieder an die Straße. „Das macht aber kaum einer“, sagt Rubach. „Und leider zeigen auch immer noch viel zu viele kein Unrechtsbewusstsein.“

So sieht der Bio-Abfall in Wolfsburg aus – ein Video:

Das landet in der Biotonne: Gabeln, Radios und Plastik

Wenn das Müllfahrzeug seine Sammel-Tour beendet hat, fährt es zum WAS-Entsorgungszentrum bei Weyhausen. Dort öffnet sich die Klappe am Heck des Müllfahrzeuges: Apfelschalen, verwelkte Salatblätter, Zitronen, Brotreste und Gartenschnitt fallen auf den Asphaltboden. Doch das ist längst nicht alles. Das Ausmaß der Müll-Sünder wird sichtbar. Zwischen dem organischen Abfall liegen Wischlappen, Plastik-Tüten und Verpackungsreste. Rubach kann manchmal selbst kaum glauben, was alles in den Bio-Behältern landet: „Gabeln, Messer, Radios und Gläser. Eigentlich alles was in so eine Tonne reinpasst. Deshalb kontrollieren die WAS-Mitarbeiter die Bio-Tonnen stichprobenartig.

So sieht es auf der Entsorgungsanlage der WAS aus– eine Bildergalerie:

Der Weg Bioabfall zu kompostieren ist aufwendig. Störstoffe wie Plastik müssen aus dem Bioabfall herausgesiebt werden. Wie das gelingt, sehen sie in der Bildergalerie.

Wer keine Bio-Tonne will braucht einen Garten

Bis zu 14.000 Tonnen Bio-Abfall entleeren die Mitarbeiter der WAS jährlich aus der Sammlung der Bio-Behälter in Wolfsburg. Dazu kommen rund 7.000 Tonnen Gartenschnitt, der zum Teil von der WAS (etwa bei der Tannenbaumabholung) als Straßensammlung bei den Bürgern abgeholt wird oder von Wolfsburger Bürgern und Firmen zum Entsorgungszentrum gebracht wird.

„Eine Person produziert jährlich rund 110 Kilo Bioabfall und 40 Kilogramm Grünschnitt“, sagt Rubach. Dafür muss jeder Haushalt eine Bio-Tonne haben. Doch es gibt eine Ausnahme: „Wolfsburger können ihren Bio-Abfall auch selbst kompostieren. Dafür müssen die Haushalte jedoch eine Verwertungsfläche im eigenen Garten nachweisen. Und das kontrollieren wir“, so Rubach.

Viele Wolfsburger sortieren ihren Bio-Müll bereits gut

„Der Bio-Abfall macht etwa ein Viertel des gesamten Abfalls aus“, so Rubach. Der Anteil der Störstoffe variiert in den Stadtteilen. In Detmerode fänden die Müllwerker viele Plastiktüten in den Bio-Tonnen. „Westhagen ist auch ein Problemgebiet. Vor allem in in den Bio-Tonnen von Mehrfamilienhäusern sind Störstoffe enthalten. Das liegt daran, dass dort der Abfall eher anonym entsorgt werden kann“, berichtet Rubach. Der Abfall sei nicht mehr jedem Bewohner zuzuordnen. Wieviele rote Aufkleber letzendlich auf die Bio-Tonnen geklebt werden, kann Rubach nicht beziffern. „Der Aufkleber soll auch keine Drohung sein, eher eine Erziehungsmaßnahme“ so der WAS-Mitarbeiter.

„Sechs bis sieben Prozent bleiben am Ende als Rest vom gesamten Bio-Abfall aus Wolfsburg übrig, das ist aber noch in einem für Städte üblichen Rahmen“, sagt Rubach. Dennoch appelliert er an das Umweltbewusstsein der Wolfsburger. „Plastik hat im Bio-Abfall nichts verloren, auch die so genannten Bio-Abfall-Tüten aus Kunststoff gehören nicht in den Bio-Behälter. Wer umweltfreundlich handeln möchte, wirft nur den reinen Bio-Abfall weg oder wickelt ihn in Zeitungspapier. Dies ist auch akzeptabel“, so Rubach.

Wolfsburger Bio-Abfall wird kompostiert

Das Biogut wird wird auf dem WAS Gelände zu Haufen aufgesetzt, gesiebt, geschreddert und mehrfach umgeschichtet. Aus mehreren Haufen in der Mitte des Entsorgungsgeländes qualmt es. Die Hygienisierung hat eingesetzt: „Dabei erwärmt sich das Kompostmaterial selbst und erreicht Temperaturen über 60 Grad. Keime und Bakterien werden abgetötet“. Auf diesen Haufen liegt der einstige Bio-Abfall etwa 15 Wochen Tage. Mikroorganismen werden tätig werden und zersetzen den Abfall. Am Ende ensteht ein Kompost in Ökoland-Qualität. „Die Qualität des Komposts wird ständig durch Untersuchungen des Materials überwacht“, so der WAS-Mitarbeiter.

In Gifhorn macht ein gelber Aufkleber auf Störstoffe aufmerksam

Ähnlich wie in Wolfsburg werden auch Haushalte in Gifhorn auf verunreinigten Bio-Abfall aufmerksam gemacht. Den größten Anteil an Störstoffe in den Grünen Tonnen machen in Gifhorn die Kunststofftüten aus. Auf Bio-Tonnen, die mehrmals bei der Schüttung auffällig geworden sind, klebt ein gelber Hinweisaufkleber. Bei der Folge-Leerungen wird der Inhalt kontrolliert. Sind dann noch Störstoffe enthalten, wird die Tonne nicht entleert. „Erst wenn dieser Zustand beseitigt ist, werden die Biomüll-Behälter wieder geleert. Unterbleibt eine Nachsortierung muss der Abfall als Restmüll beseitigt werden“, teilt Verwaltungsleiter Rolf Amelsberg vom Fachdienst Umwelt mit.

Zahlen dazu, wieviele Behälter davon falsch befüllt sind, liegen dem Umweltamt nicht vor. Doch es gebe Unterschiede, in welchen Haushalten häufiger Störstoffe zu finden sind: „Bei Ein- und Zweifamilienhäusern, die die Tonnen individuell nutzen, ist die Sortenreinheit der Küchen- und Gartenabfälle gut und es werden nahezu keine Fehlwürfe registriert. Im Vergleich dazu sind bei einer verdichteten Wohnblockbebauung, in denen die Abfallbehälter anonym genutzt werden, die Fehlwurfraten höher und manchmal als problematisch einzustufen“, so Amelsberg. Bei diesen Brennpunkten sind verstärkte Kontrollen erforderlich.

Zur Überwachung setzt der Landkreis Gifhorn Seitenladerfahrzeuge ein, die mit einer Kamera ausgestattet sind. „Fehlbefüllungen werden so während des Schüttvorganges per Video erkannt“, teilt Amelsberg mit. Im Landkreis Gifhorn werden insgesamt knapp 30.000 Biomülltonnen genutzt. Diese werden alle 14 Tage geleert. Zwölf Mindestleerungen im Jahr sind vorgeschrieben.

Von Nina Schacht

Zuerst gibt es die „Rote Karte“, doch Wiederholungstäter bleiben auf ihrem Müll sitzen. Ihre Tonne bleibt ungeleert. Ist dieses Vorgehen zu rigoros? Was ist Ihre Meinung? Wer an unserer AZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

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