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Gifhorn Stadt So viele Gifhorner kehren der Kirche den Rücken
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14:36 15.01.2020
Ade Kirche: Im vorigen Jahr sind 284 Gifhorner ausgetreten, so viele wie seit 2014 nicht mehr. Quelle: dpa Archiv
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Gifhorn

Der Aderlass bei den Kirchen beschleunigt sich in der Stadt Gifhorn. Das Standesamt verzeichnet die höchste Zahl an Austritten seit 2014. Kirchenvertreter führen die Entwicklung auf die Kirchensteuer zurück – aber nicht nur.

Die Weihnachtsgeschichte mit der sonoren Stimme von Synchronschauspieler Eckart Dux, ausgewählte Weihnachtsmusik mit Rocker Volker Schlag: Seit Jahren ist die katholische St. Altfrid-Kirche bei der Christvesper zum Heiligen Abend so voll, dass es schon lange vor dem Beginn keine Sitzplätze mehr gibt. Ebenfalls in Massen steuern die Gifhorner alle Jahre wieder an Heiligabend den Open-Air-Gottesdienst vor St. Nicolai auf dem Marktplatz an. Mehrere Hundert sind draußen immer dabei, drinnen nochmal so viel.

Das sind die Austritts-Zahlen seit 2014

Die aktuelle Entwicklung bei den Kirchenaustritten, die das Standesamt registriert, passt auf den ersten Blick nicht zu diesem weihnachtlichen Bild. 2014 traten 320 Gifhorner aus der Kirche aus. Im Jahr darauf sank der Aderlass auf 216, stieg 2016 nochmal auf 260. 2017 dann eine Atempause für die Kirche: Das Standesamt registrierte „nur“ 175 Austritte. Doch seitdem zeigt die Kurve wieder steil nach oben: 2018 waren es 246 Austritte, jetzt 284.

Gut besuchter Open-Air-Gottesdienst an Heiligabend: Doch wie bekommt man auch nach Weihnachten die Gifhorner wieder verstärkt in die Kirche? Quelle: Sebastian Preuß Archiv

Lustvolle Gottesdienste können aus Sicht von Pastoralreferent Martin Wrasmann nicht allein dafür sorgen, dass die Gifhorner in die Kirche zurück kehren – über Weihnachten hinaus. Die Kirche müsse als Institution bei den täglichen gesellschaftlichen Themen am Ball bleiben, sagt Wrasmann, der als Beispiele „Verarmung der Gesellschaft“ und „Vereinsamung im Alter“ anspricht, aber auch die eigene Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche in Sachen Missbrauchsfälle und Rolle der Frau.

Die Kirchensteuer als zentraler Grund

„Ich persönlich denke, wir machen es uns zu einfach, wenn wir es auf die Steuern schieben“, sagt Wrasmann. Gleichwohl seien diese ein Faktor bei der Frage: bleiben oder austreten. Das erfährt er in Gesprächen mit ehemaligen Gemeindegliedern. Er spreche sie nicht gezielt an, sondern „wenn sich die Gelegenheit mal ergibt“. Und dann hört er – gerade von älteren Leuten –, dass das Geld schon ein Grund ist.

Volles Haus in St. Altfrid: Doch lustvolle Gottesdienste wie die Christvesper am Heiligen Abend sind nicht allein Garant, die Menschen in der Kirche zu halten. Quelle: Sebastian Preuß Archiv

Auch Superintendentin Sylvia Pfannschmidt hat die Kirchensteuer im Blick. „Es ist kein Selbstgänger mehr, in der Kirche zu sein.“ Junge Leute, die anfangen auf eigenen Beinen zu stehen und keinen Bezug zur Kirche haben, stellten schnell fest, dass die Kirchensteuer als Ausgabe für eine nicht in Anspruch genommene Leistung nicht ganz wenig sei. „Dann treten sie aus.“ Jeder Mensch sei ein Verlust für die Kirche, doch dass vor allem jüngere mit ihr offenbar nichts mehr anfangen können, „stimmt mich traurig“.

Darum ist ein Jugenddiakon wieder wichtig

Doch zusehen will auch Pfannschmidt nicht. Sie will die Kirche wieder attraktiv machen und dass die Gifhorner „Spiritualität im Alltag entdecken“. Und zwar möglichst frühzeitig im Leben: Der Kirchenkreis habe aktuell keinen Jugenddiakon. „Das merkt man schon.“ Und soll sich ändern. Die Stelle sei ausgeschrieben, erste Bewerbungen seien da. Schon bald sollen Kinder und Jugendliche wieder lernen, „dass Kirche etwas ist, was Spaß machen kann“. Etwa bei Freizeiten. „Das ist ein ganz wichtiger Punkt.“

Die neuen Wege der Kirche

Pfannschmidt überlegt sich auch „Leuchtturm-Projekte“ für Erwachsene. Zum Beispiel mittags die Nicolai-Kirche zu öffnen, um die Gifhorner in der Mittagspause mal durchatmen zu lassen, neben der Mahlzeit auch mal eine Ruhezeit einzulegen. Sie könne sich auch vorstellen, mit Bäckereien oder Fitnessstudios zu kooperieren. Um solche Projekte anzuschieben, wolle der Kirchenkreis eine Stelle schaffen. Für Pfannschmidt steht fest: „Wir müssen unsere Zukunft aktiv angehen.“

Von Dirk Reitmeister

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