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Brome Wolfsbotschafter Florian Preusse fordert eine sachlichere Debatte
Gifhorn Brome Wolfsbotschafter Florian Preusse fordert eine sachlichere Debatte
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21:12 28.11.2019
Wirbt für eine Versachlichung der Debatte: Florian Preusse ist Wolfsbotschafter. Quelle: Alexander Täger
Zicherie

Ist eine Koexistenz zwischen Menschen und Wölfen in Deutschland möglich? Dieser Frage ging Florian Preusse, Diplom-Biologe, Nabu-Wolfsbotschafter und -Kreisvorsitzender, im Zicherier Hotel Hubertus auf den Grund. Eines seiner Anliegen: eine Versachlichung der Debatte.

„Ein Wildtier wie jedes andere“

Im Zuge der Ausbreitung der Wölfe habe es „von Anfang an“ eine unsachliche Diskussion gegeben – „und das ist sie nach wie vor.“ Dabei sei der Wolf „ein Wildtier wie jedes andere auch“ – allerdings ein konfliktträchtiges. Das zeigte auch der Titel, den Preusse, der als Biologie-Lehrer tätig ist, für seinen Vortrag gewählt hatte: „Der Wolf im Spannungsfeld: Mensch, Nutztierhaltung, Jagd.“

Fakten und Statistiken

Verbreiteten Gerüchten und Irrtümern um den Wolf hielt Preusse Fakten und Statistiken entgegen, die unter anderem auf dem offiziellen Wolfsmonitoring des Landes basieren. So sei zum Beispiel eine „Überpopulation“ in Wolfsterritorien biologisch ausgeschlossen. Die Jährlinge würden vom Rudel abwandern und sich ein neues Territorium suchen. Die Vermehrungsrate betrage etwa 30 Prozent. Anders als bei Wölfen in Gefangenschaft seien die freilebenden Rudel Familienverbände.

Am Anfang der Entwicklung

Die derzeitige Verbreitung von Wölfen sei biologisch normal: Wenn eine Tierart sich neu in einem Lebensraum ausbilde, entwickele sie sich zunächst langsam, dann exponentiell – bis sie die so genannte Lebensraumkapazität erreicht und die Anzahl der Tiere anschließend um einen Mittelwert schwankt. Daher erwartet Preusse eine weitere Verbreitung der Wölfe: „Wir sind eher noch am Anfang der Entwicklung.“ Laut einer Studie könnten etwa 440 Rudel in Deutschland leben. „Das ist keine Zielgröße“, betonte der Referent.

Politische Entscheidung

Derzeit gebe es 89 dokumentierte Rudel in Deutschland, vermutlich seien es inzwischen 100. Ein „günstiger Erhaltungszustand“, in dem sich die Population aus sich selbst heraus erhalten kann, sei bei etwa 165 Rudeln erreicht. Ob dann eine Deckelung stattfinde oder nicht, sei „letztendlich eine politische und gesellschaftliche Entscheidung.“

Das Konfliktfeld

Die Hauptbeuteart von Wölfen bestehe zu ungefähr 50 Prozent aus Rehen, 20 Prozent aus Schwarz- und 15 Prozent Rotwild. Etwa ein Prozent seien Nutztiere. Eben dort – in der Nutztierhaltung – sieht Preusse das Kernkonfliktfeld. Dabei sei der Herdenschutz der beste Wolfsschutz. Denn: Wölfe würden die Nahrung nehmen, die am leichtesten verfügbar sei. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass nur wenige Leute Wolfsschutz präventiv umsetzen würden. „Erst wenn die ersten Übergriffe dagewesen sind, handelt der Mensch.“ Wenn Wölfe einmal lernen, dass Nutztiere erreichbare Beute seien, würden sie ihr Verhalten wiederholen.

Kompromiss gesucht

Einen hundertprozentigen Herdenschutz gebe es aber nicht, dieser sei immer ein „Kompromiss aus Umsetzbarkeit, Finanzierbarkeit und bestmöglichem Schutz.“ Der Wolf sei nicht das Ende der Weidetierhaltung. Aber er erschwere diese und bedeute eine höhere finanzielle Belastung und einen größeren Arbeitsaufwand.

Zu viel Bürokratie

Kritik übt Preusse daran, dass die finanzielle Entschädigung vom Land – die einen Mindestschutz voraussetzt – für gerissene Nutztiere nur gezahlt werde, wenn bewiesen werde, dass es ein Wolf war. Eine Beweislastumkehr wie in Sachsen sei die bessere Variante: Dort werde entschädigt, wenn der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden könne. Außerdem fordert Preuss mit Blick auf die Mittel für Herdenschutzmaßnahmen eine Entbürokratisierung: Es dauere zu lange vom Antrag bis zu dem Zeitpunkt, an dem Gelder fließen würden.

Warum Quoten nichts bringen

Nichts hält Preusse davon, den Wolfsbestand durch vorgegebene Quoten zu regulieren. „Was aber sein muss, ist eine viel schnellere und konsequente Tötung von auffälligen Einzelwölfen und auch Wölfen, die wiederholt Nutztiere gerissen haben.“ Das sei allerdings schwierig umzusetzen. Von gesunden Wölfen hingegen gehe für Menschen normalerweise keine Gefahr aus. Zwar könne ein Angriff auf Menschen nicht völlig ausgeschlossen werden, sei aber unwahrscheinlich.

Monitoring ist wichtig

Preusse betonte die Wichtigkeit von Aufklärungsarbeit und Monitoring zum Thema Wolf und sagte abschließend: „Die Frage ist nicht, ob der Wolf bei uns Leben kann, sondern ob wir ihn lassen.“

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