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Brome Ein Zeitzeuge erzählt von den letzten Tagen vor der Grenzöffnung
Gifhorn Brome Ein Zeitzeuge erzählt von den letzten Tagen vor der Grenzöffnung
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12:10 04.11.2019
„Erzählender Zeitzeuge“: Der Landwirt Ulrich Lange aus Zicherie hat die Grenzöffnung vor 30 Jahren hautnah miterlebt. Quelle: Jörg Rohlfs
Zicherie/Böckwitz

„Wir waren staunende Zuschauer bei diesem Prozess des Aufstehens der Menschen damals in der DDR“, erinnert sich Ulrich Lange, Landwirt und „erzählender Zeitzeuge“, an die Tage vor der Grenzöffnung im ehemaligen Doppeldorf. Es begann am Montag, 12. November 1989, vormittags.

„Grenzübergang bauen“

Zuvor war in Folge der legendären Pressekonferenz mit Günter Schabowski am 9. November in Berlin bereits der Grenzübertritt ohne Visum und nur mit Personalausweis möglich geworden. Auch die drei Kilometer breite Sperrzone entlang der Grenze auf ostdeutscher Seite sei schon aufgehoben gewesen, als an jenem Vormittag Lange mit dem Trecker unterwegs war und über den Betriebsfunk des Maschinenrings mitbekam, dass „das Bauunternehmen Drewitz mit Bagger und Lkw nach Zicherie unterwegs ist, um einen Grenzübergang zu bauen“.

Klares, kaltes Wetter

Und so war’s dann auch: Es herrschte klares, kaltes, sonniges Wetter, als die Firma ihren Part leistete und drei Meter Straße, gemessen vom Grenzstein aus, in Richtung Osten baute. In den folgenden Tagen erstand von Osten aus die 1952 entfernte Straße, die Zicherie mit Böckwitz verband, in Richtung Westen neu. Ulrich Lange war live dabei, als mit einem Bagger die Mauerkrone vom etwa 50 Meter entfernten, in der DDR so genannten „antikapitalistischen Schutzwall“ gehoben und die als provisorische Fahrbahn verlegten Betonplatten mit einer Schwarzdecke überzogen wurden.

„Voller Demut“

Und er war nicht der Einzige: „In der Woche war Tag und Nacht die Straße voll mit Menschen.“ Der heute 56-Jährige habe sich über die Geschehnisse gefreut, sei gleichzeitig erstaunt gewesen und „voller Demut vor den Menschen, die diese Revolution bewerkstelligt hatten“. Den Leuten aus Zicherie sei zu diesem Zeitpunkt schon klar gewesen, dass „einer Grenzöffnung auch die Wiedervereinigung folgen wird“.

Vor 30 Jahren endete die Teilung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg. Noch heute zeugt in Böckwitz/Zicherie vieles von Grenzverläufen und dem Gang der Geschichte.

Das sei so gewesen, weil man die Menschen jenseits der Mauer in Böckwitz „von früher kannte“. Da drüben waren Freunde und Familie: „Die Zeit der Teilung war keine Idylle und auch nicht niedlich“, sagt Lange. Aber man habe Kontakt gehalten: Im Zuge des kleinen Grenzverkehrs trafen sich Zicherier und Böckwitzer außerhalb der Sperrzone.

„Sprachlosigkeit war vorbei“

„Am Freitagmittag waren sie fertig“, so Ulrich Lange über die Novemberwoche ’89, in der „hellgrün und dunkelgrün uniformierte Zöllner“ schon immer wieder miteinander sprachen: „Die Sprachlosigkeit war endlich vorbei.“ Und es war abgemacht, dass am nächsten Morgen, den Samstag, 18. November, 6 Uhr, sich der neu installierte Schlagbaum öffnen sollte.

„Das war Weltgeschehen

„Aber das war ja nicht wie wie bei einer Ankündigung für den Winterschlussverkauf, das war Weltgeschehen“, meint Lange und lobt noch heute die Entscheidung eines „weisen Grenztruppenchefs“ auf der anderen Seite, schon am Freitag von 23 bis 0 Uhr die Grenze in Westrichtung für eine Stunde zu öffnen. „50 oder 70 Leute“ kamen rüber, man redete miteinander und nahm sich in den Arm: „Und dann sind sie wieder zurück.“

Am nächsten Tag waren dann alle da in Zicherie, vom damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht bis zum damaligen VW-Chef Carl Hahn. Der Rest ist Geschichte, die der Wiedervereinigung zweier deutscher Staaten – „das Optimistischste und Positivste, was ich mir vorstellen kann. Dafür sind die Menschen in der DDR ohne Angst aufgestanden“, sagt der Landwirt aus Zicherie, der auf Anfrage Interessierten oder Schulklassen gern als „erzählender Zeitzeuge“ zur Verfügung steht, um davon zu berichten, „wie groß die Freude und die Euphorie damals gewesen sind“.

„Der große Begriff Freiheit“

Skeptikern und Nörglern hält Lange nach 30 Jahren Deutsche Einheit entgegen, „die Wiedervereinigung kann nicht fertig sein.“ Es gehe noch immer darum, „den großen Begriff Freiheit mit Leben zu erfüllen“ und schon lange auch darum, „Europa nicht wieder kaputt machen zu lassen“. Wofür der Europa-Stein auf der Europa-Wiese auf Böckwitzer Seite stehe, der dort – „mitten in Europa“ – zum Pan-Europafest 1990 gesetzt wurde.

Weder Schule noch Kneipe

Dass Zicherie und Böckwitz kein Doppeldorf mehr sei wie ehedem, sondern zwei Dörfer bilden mit einem in Teilen gemeinsamen Veranstaltungskalender, liege darin begründet, dass es keine gemeinsame Infrastruktur mehr gebe – weder Schule noch Kneipe –, weil sich die beiden Gemeinden wie vielerorts in „Schlafdörfer“ verwandelt hätten und auch weil das Grüne Band entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze als Naturschutzprojekt ein neues Baugebiet auf dem ehemaligen Todesstreifen, das Ost und West zumindest räumlich wieder verbinden würde, verhindere. Ironie des Schicksals.

Von Jörg Rohlfs

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