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Brome „Aufregendste Zeit“ – Bromes Ex-Bürgermeister Bannier erinnert sich an den Mauerfall
Gifhorn Brome „Aufregendste Zeit“ – Bromes Ex-Bürgermeister Bannier erinnert sich an den Mauerfall
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10:53 04.11.2019
„Aufregendste Zeit“: Bromes damaliger Bürgermeister Adolf Bannier erinnert sich gern ans Jahr 1989. Quelle: Jörg Rohlfs
Brome

„Es war für mich die wohl aufregendste Zeit“, erinnert sich Ex-Flecken-Bürgermeister Adolf Bannier an die Wochen vor und nach der Eröffnung der Grenze in Zicherie und Brome. „Wir waren die, die unter ihr am meisten gelitten, aber vom Mauerfall auch am meisten profitiert haben.“

Einreise ohne Papiere

Ein Erlebnis aus der Zeit kurz vorm 18. November 1989 hat der heute 82-Jährige noch heute gut in Erinnerung: den Besuch des Chores aus Brome in Betzendorf beim Partnerchor. Man hatte vergessen dem Bürgermeister Reisepapiere zu besorgen: „Aber ich wollte mit.“ Bei der Einreise in die DDR stellte das noch kein Problem dar: „Der Offizier am Übergang Bergen-Dumme, erklärte, wir sollten am nächsten Tag nach 18 Uhr zurück kommen, da habe er wieder Dienst“, so Bannier.

Grenze passieren

Dummerweise war der Offizier aber dann nicht da und die DDR-Grenzer teilten dem damaligen Bürgermeister ohne Passierschein unmissverständlich mit, dass „einer der nicht in unser Land eingereist ist, auch nicht ausreisen kann“. Nach einem Aufenthalt in einem kleinen Nebenraum habe man ihn dann aber doch gehen und die Grenze in den Westen passieren lassen.

Besinnung im Graben

Der Tag der Grenzöffnung in Zicherie-Böckwitz selbst sei für alle, die dabei waren ein einziger „Freudentaumel“ gewesen. Um ein wenig Luft zu holen und zu versuchen, das Ganze zu begreifen zogen sich Bannier und sein Böckwitzer Amtskollege Siegfried Fest eine Weile zurück, jeder mit zwei Flaschen Bier, um diese im Straßengraben sitzend, gemeinsam auszutrinken.

Glühwein für die Grenzer

In der Zeit nachdem das drei mal drei Meter große Mauerstück in Zicherie gefallen war und der Grenzzaun auf der B 248 auch weg war, gab’s immer noch zwei Staaten und Grenzschützer hüben wie drüben. Für gute Stimmung insgesamt sorgten Adolf Bannier und seine Frau Heidrun bis zum Ende des Jahres, indem sie morgens und abends jeweils 1,9 Liter Glühwein brachten – „denn es war nach wie vor nicht nur gefühlt bitterkalt“ – zum deutsch-deutschen Treffpunkt „im Bromer Bogen.

Erinnerung an der B 248: Bis Ende jenen Jahres brachten Adolf Bannier und Ehefrau Heidrung den Grenzern hüben wie drüben morgens und abends Glühwein. Quelle: Jörg Rohlfs

Ein anderes „emotionales Erlebnis“, das Bannier auch in seinem Buch „1976-2006 – Drei Jahrzehnte Bürgermeister im Flecken Brome“ festgehalten hat, war die Begegnung mit einem „jungen Volkspolizisten, vielleicht 17 Jahre alt“, der erst wenige Monate vor Grenzöffnung seine Grundausbildung beendet hatte und nun seinen Dienst an der Grenze tat. „Man hatte ihm eingebläut, wer der Klassenfeind da hinter der Grenze sei. Er konnte nicht begreifen, was da jetzt vor sich ging“, so Bannier, der zusammen mit dem jungen Vopo seinerzeit Rotz und Wasser heulte.

Stasi-Mann outet sich

Oder der Besucher von drüben, der mit dem Ex-Bürgermeister in der Perle an der Ohre ein Bier trinken gehen wollte und sich beim folgenden gemeinsamen Gang auf die Toilette als Mitarbeiter der Stasi outete. „Er wollte das wohl unbedingt loswerden“, vermutet Bannier, der glücklich ist „aus den Tiefen des Herzens“, dass er diese bewegte und bewegende Zeit erleben durfte. Und in diesem Jahr steht für das Ehepaar Bannier noch ein Wiedersehenstreffen an mit den Ortsvorstehern von damals aus der Region. Vielleicht wird man sich gemeinsam erinnern.

Lesen Sie mehr zum Thema Grenzöffnung

In lockerer Reihe erinnert die Aller-Zeitung an die Tage der Grenzöffnung vor 30 Jahren und daran, was damals im Landkreis Gifhorn passiert ist:

1. November 2019: Erzählender Zeitzeuge: Der Landwirt Ulrich Lange aus Zicherie hat die Grenzöffnung vor 30 Jahren hautnah miterlebt

1. November 2019: Großes Fest im ehemals geteilten Doppeldorf Zicherie Böckwitz

15. Oktober 2019: Wie die Wende eine Familie wieder vereinte

Von Jörg Rohlfs

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