Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Brome So feiern Zicherie und Böckwitz den Mauerfall
Gifhorn Brome So feiern Zicherie und Böckwitz den Mauerfall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:36 11.11.2019
„Das längste Gespräch Deutschlands“: In Zicherie-Böckwitz plauderten Zeitzeugen, Prominente und Bürger vor Ort über den Mauerfall vor 30 Jahren. Das Event des Bundesinnenministeriums kam bestens an beim Publikum. Quelle: Michael Franke
Zicherie/Böckwitz

So ein Fest hat der Osten des Landkreises Gifhorn noch nicht erlebt: Mit Zeitzeugen, Prominenten und Bürgern vor Ort feierte das Bundesinnenministerium entlang der ehemaligen Grenze in einer Internet-Live-Schaltung den Mauerfall vor 30 Jahren. Das Doppeldorf Zicherie-Böckwitz war einer der vier Hotspots des Abends.

Party des Jahres in Zicherie und Böckwitz: Das Bundesinnenministerium inszenierte „Das längste Gespräch“ zum Mauerfall vor 30 Jahren, das Doppeldorf war eine von vier Stationen der Live-Schaltung.

Bis Böckwitz und Zicherie mit ihrer Talkrunde und eingespielten Film-Reportagen in den Internet-Livestream gehen, ist noch ein bisschen Zeit. Gerade ist Hof zugeschaltet, danach kommt erst noch Geisa. Entertainer Wolfgang Lippert hat also noch etwas Zeit, bevor er mit der Talkrunde plaudern soll. Die Talktrunde, das sind Ex-Ministerpräsident Matthias Platzeck aus Brandenburg, Sängerin Cassandra Steen, Schauspielerin Wolke Hegenbarth und Dr. Maria Nooke, die Landesbeauftragte von Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur in der DDR, sowie die Moderatoren Kim Fisher und Jan Hahn. Lippert setzt sich erstmal mitten ins Publikum, an einen Tisch mit munteren älteren Damen.

Die Sache mit dem Akkordeon

Eine holt ein Akkordeon hervor, alle singen gemeinsam „So ein Tag, so wunderschön wie heute“. In der Talkrunde wird Lippert später noch einen Gruß rüber zum Tisch schicken: „Da hat Spaß gemacht. Elvira, das machen wir nachher nochmal.“ Helga Eicke aus Klötze herzt den Moderator, der mit seinem Smartphone das Schunkeln der Tischrunde festhält. „Den verehre ich so“, sagt die Klötzerin über „Lippi“. Sie ist überglücklich, an dieser Party teilnehmen zu dürfen.

„Den verehre ich so“: Helga Eicke aus Klötze herzt Entertainer Wolfgang Lippert, der sich gern ins Publikum setzte und mitschunkelte. Quelle: Michael Franke

Rund 210 Gäste sind in dem Zelt aus drei Kuppeln am Feiern. Bürger aus Zicherie, Böckwitz und umliegenden Orten, einige Zeitzeugen und Vertreter des öffentlichen Lebens vom Landrat bis zum Bürgermeister. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff schaut auch vorbei – zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. „Daran sieht man, dass momentan an Ihnen keiner vorbei kommt.“

30 Jahre Mauerfall

Seit 30 Jahren sind Ost und West nicht mehr durch die unmenschliche Grenze getrennt. Ein Teil dieser Geschichte hat sich im Landkreis Gifhorn ereignet. Die AZ stellt einige Aspekte dieser Geschichte vor:

* 7. November 2019: 9. November 1989: So erlebte Gifhorn die Grenzöffnung – Altbürgermeister Manfred Birth erinnert sich

* 6. November 2019: Das geteilte Dorf: Kann Zicherie-Böckwitz wieder zusammenwachsen?

* 5. November 2019: Wie ein Gifhorner Ehepaar die Grenze schon vor der Wende überwunden hat

* 4. November 2019: Das längste Gespräch der Geschichte: Ein Live-Stream auch aus Böckwitz

* 4. November 2019: „Aufregendste Zeit“ – Bromes Ex-Bürgermeister Bannier erinnert sich an den Mauerfall

* 4. November 2019: Ein Zeitzeuge erzählt von den letzten Tagen vor der Grenzöffnung

* 4. November 2019: Zicherie-Böckwitz: Großes Fest im ehemals geteilten Doppeldorf

* 16. Oktober 2019: Jeder darf mitmachen beim längsten Gespräch Deutschlands

* 15. Oktober 2019: 30 Jahre Mauerfall: Wie die Wende eine Familie wieder vereinte

Das hell erleuchtete Festzelt steht genau auf dem ehemaligen Todesstreifen zwischen beiden Orten. „Bei Ihnen war es noch brutaler als bei uns, die wir im Binnenland gelebt haben“, sagt Haseloff darüber, wie Böckwitz und Zicherie die Teilung durchstanden hatten.

„Wir sind ein Volk“

Böckwitz-Bürgermeister Uwe Bartels gibt für den Abend die Losung „Wir sind ein Volk“ aus. Zicherie-Bürgermeister Gerhard Borchert wünscht sich, dass auch über den 9. November hinaus die Überwindung der Teilung weiter gelebt würde.

Gänsehaut-Feeling bei Zeitzeugen

Gänsehaut-Feeling bei Ingelore Kull aus Kaiserwinkel, die mit ihrem Mann Karl-Heinz bei der Party ist. Sie ist begeistert von der Veranstaltung und lässt sich gern in die Erinnerungen an 1989 zurück führen: „Wir haben es im Fernsehen gesehen. Ich habe es erst nicht geglaubt.“

Legendäre Party und Herzlichkeit

Auch Andreas Schencke aus Brome erinnert sich gern zurück, nicht nur an die legendäre Party in der alten Molkerei in Böckwitz nach der Grenzöffnung vor Ort am 18. November 1989, die mehrfach am Jubel-Abend zur Sprache kommt. „Vor allem die Herzlichkeit“ ist ihm im Gedächtnis geblieben. Herzklopfen auch bei ihm an diesem Festabend. „Hier gibt es bestimmt viele, die tolle Geschichten zu erzählen haben.“

Live auf Sendung im weltweiten Netz

Gegen 21.30 Uhr gehen Böckwitz und Zicherie live auf Sendung. Umrahmt mit Filmreportagen unter anderem über „Brocken-Benno“ plaudert das Moderatorenpaar mit der Runde über persönliche Gedanken zum 9. November 1989 und geht immer wieder zu Gesprächspartnern im Publikum. Nach etwa einer Stunde gibt das Doppeldorf den Stab weiter zur letzten Station Ratzeburg. Petra Müller aus Klötze ist ganz beseelt von dem Abend. Sie habe Sachen erfahren, die sie selbst als Zeitzeugin nicht gewusst habe. „Wir sind begeistert.“

Stimmen zur Feier zum Mauerfall

Beim „längsten Gespräch Deutschlands“ zum Mauerfall vor 30 Jahren im Dreifach-Kuppelzelt auf dem ehemaligen Todesstreifen von Zicherie-Böckwitz konnten Besucher Videos mit eigenen Erinnerungen aufzeichnen und ins Netz stellen. Auch Gifhorns Landrat Dr. Andreas Ebel (CDU) hat das wahrgenommen. Damals war er in der Ausbildung beim Bundesgrenzschutz. „Wir sind an der Grenze Streife gegangen.“ Der Mauerfall habe ihm unter anderem auch die Gelegenheit beschert, sein „Gegenüber“ endlich mal kennen zu lernen. „Die waren ganz freundlich.“

Landtagsabgeordneter Tobias Heilmann (SPD) konnte von den Erinnerungen an den Mauerfall offenbar nicht genug bekommen. Als er die Feier in Zicherie-Böckwitz erreichte, kam er gerade von einem Festakt in Helmstedt-Marienborn. So wie Sachsen-Anhalts Ministerpräsident auch: „Da hätte ich ihn ja gleich mitnehmen können.“

Er hatte die Wahl: entweder Brandenburger Tor in Berlin oder Zicherie-Böckwitz. „Da gab es für mich keine Wahl“, sagte der ehemalige Brandenburger Ministerpräsident Matthias Platzeck, der Vorsitzender der Kommission 30 Jahre Friedliche Revolution ist. „Das wirkliche Leben im Guten wie im Schlechten findet außerhalb von Berlin statt.“ Großer Jubel der Zicherier und Böckwitzer war ihm mit diesem Bekenntnis gewiss.

Von Dirk Reitmeister

Was haben die Bundesrepublik Deutschland und der Landfrauenverein Brome und Umgebung gemeinsam? Beide sind 70 Jahre alt. In Parsau wurde einer von beiden Geburtstagen jetzt groß gefeiert.

09.11.2019

Zeitzeugen waren mit dabei, als Hannelore und Gerd Blanke bei der Museumsplauderei in der Burg Brome aus Aufsätzen von Kindern vorlasen, die darin ihre Fluchterlebnisse von 1945 berichten. Die Texte sind in Zicherie entstanden.

09.11.2019

Für den Dorfteich in Tiddische soll ein Bodengutachten erstellt werden, die Straßen sollen neu beleuchtet und die Bushaltestellen umgebaut werden – das hat der Gemeinderat jetzt entschieden.

09.11.2019