Tappenbeck: Aus für den Bücherschrank im Bushäuschen am Birkenweg
Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Boldecker Land Aus für den Bücherschrank in Tappenbeck
Gifhorn Boldecker Land Aus für den Bücherschrank in Tappenbeck
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 13.06.2020
„Traurig und enttäuscht“: Sigrid Müller bedauert, dass die Gemeinde keinen neuen Bücherschrank einrichten will. Quelle: Lea Rebuschat
Anzeige
Tappenbeck

„Ich bin enttäuscht. Und traurig“, sagt Sigrid Müller. Grund ist die Tatsache, dass der von ihr vor dreieinhalb Jahren im ausgedienten Bushäuschen am Birkenweg eingerichtete Bücherschrank „von der Gemeinde ersatzlos platt gemacht wird“ im Zuge der Umwandlung des dortigen Spielplatzes in Baugrundstücke.

„Das gibt’s auch in anderen Dörfern, warum nicht auch in Tappenbeck – das ja sonst nichts hat“, erklärt die 66-Jährige, wie sie seinerzeit auf die Idee kam, das damals verkehrlich bereits deaktivierte Holzhäuschen als Bücherschrank zu nutzen – aus dem sich jedermann bedienen darf, aber auch aufgefordert ist, Bücher einzustellen. Sie fragte bei der Gemeinde an und „die hatte nichts dagegen“. Müller stattete das Häuschen mit Schrank und Regalen aus, wohinein sie zum Start eigene Bücher stellte. Bald sei alles voll gewesen: „Es ist sehr gut gelaufen, besonders bei Kinderbüchern gab es eine hohe Fluktuation.“ 2019 seien Gesellschaftsspiele dazu gekommen. Irgendwann sei es so viel geworden, dass Sachen auch auf den Boden auf einen Teppich gelegt werden mussten.

Anzeige

Krimis zu Krimis

Jeden zweiten Tage habe sie im Bücherschrank nach dem rechten gesehen, Krimis zu Krimis gestellt und Kochbücher zu Kochbüchern. „Der Aufwand war nicht groß, aber viele Leute, gerade ältere, auch mit Rollator, haben mir gesagt, dass es eine tolle Idee war, den Bücherschrank einzurichten“, sagt Sigrid Müller. Manche wären länger geblieben im Bücherschrank, andere wären dazu gekommen und man hätte „einen kleinen Plausch gehalten“. Nun aber habe sie auf Umwegen erfahren, dass „bald alles futsch ist“ und die „reichste Gemeinde im Boldecker Land“ auch keinen Ersatz für den Bücherschrank plane. Dabei könne man beispielsweise „am Rondell in der Gartenstraße“ ohne weiteres ein kleines Häuschen für 300 Euro aufstellen und hätte „wieder einen wunderschönen Bücherschrank“.

„Wir haben das im Rat diskutiert, aber es ist nicht so einfach“, entgegnet Bürgermeister Ronald Mittelstädt. Mindestens 3000 Euro, so die Schätzung, seien zu veranschlagen für Material und eine für das Aufstellen eines Holzhäuschens nötige Grundplatte: „Mit einem billigen Bausatz ohne Dachbedeckung ist es nicht getan.“ Um den gleichzeitig entstehenden Pflegeaufwand zu mindern, sei eine Ausführung in Aluminium die bessere Wahl – und die würde noch „einiges mehr kosten“. Abgesehen davon, dass das Ganze einfach „zu teuer“ sei, sei zudem keineswegs gewährleistet, dass die Anlieger des Rondells erfreut wären über das Aufstellen eines Bücherschranks ebenda.

„Herrliche Bücherei“

Außerdem zweifelt man auch den Sinn eines Bücherschranks an: „Alle fahren zum Einkaufen nach Weyhausen und da haben wir eine herrliche Bücherei“, so Mittelstädt. Als Müller im Bushäuschen den Bücherschrank eingerichtet habe, der später auch schon mal als „Dreckecke“ betitelt worden sei, wo „alte Bücher entsorgt wurden“, sei der Rat „zu gutmütig“ gewesen – daraus werde nun „das Recht abgeleitet, woanders ein Häuschen hin zu stellen“. Dem sei aber nicht so.

Voraussichtlich Anfang Juli wird das Bushäuschen abgerissen, weil dann die beiden Grundstücke, die anstelle des Spielplatzes am Birkenweg entstehen, erschlossen werden sollen. Bis dahin könne wer wolle, sich „dort noch Bücher weg holen. Was dann noch da ist, wird auf Kosten der Gemeinde entsorgt“, so Mittelstädt.

Lesen Sie auch

Von Jörg Rohlfs

12.06.2020
10.06.2020