Feierstunde im VW-Werk: Heute vor 40 Jahren lief in Wolfsburg der Weltrekord-Käfer vom Band.
Gegen 13.45 Uhr rollte das Jubiläumsmodell in Halle 12 vom Band – „unter den schmissigen Klängen der Werkskapelle und unter dem Beifall der mehr als tausend Schichtler“, wie die WAZ damals schrieb. „Die 6000 Leute, die 1945 die Trümmer wegräumten und das Werk wieder aufbauten, konnten nicht ahnen, dass dem Käfer einmal solch ein Erfolg beschert sein würde“, sagte Betriebsratschef Siegfried Ehlers.
In Wolfsburg ging die Produktions-Ära des Käfers nach fast 30-jähriger Fertigung 1974 zu Ende. Der Produktions-Weltmeister von 1972, eine Leihgabe der Autostadt, kann zurzeit im Automuseum in der Dieselstraße bewundert werden (Foto rechts).
htz
Der Volkswagen lief bis 2003 vom Band
Auch wenn der Käfer heute nicht mehr vom Band läuft, lebt der Mythos des legendären Automobils weiter. Nach rund 70 Jahren und 21,5 Millionen gebauten Autos stellte VW die Produktion des Käfers 2003 endgültig ein.
Der Käfer war weltweit mehr als eine Blechkarosse mit vier Rädern. Der Ur-Käfer entstand Anfang der 30-er Jahre im Kopf des Automobilkonstrukteurs Ferdinand Porsche. Er präsentierte am 3. Juli 1935 die erste Variante. Auf den Markt kam der damalige „Kraft-Durch-Freude-Wagen“ vor dem Zweiten Weltkrieg nicht.
In Schwung kam der Käfer erst 1945, als die britische Militärregierung 20.000 Fahrzeuge bestellte. Im Dezember 1945 lief die Serienmontage mit 55 Käfern an, schon ein Jahr später verließ der 10.000. Käfer das Wolfsburger Werk. Und fortan lief der Wagen in Deutschland und vom 8. August 1947 auch ins Ausland. 1950 startet der US-Export mit 328 Fahrzeugen. Und gerade in den USA entwickelte er sich zum Liebling.
Heute vor 40 Jahren wurde der Käfer zum meistgebauten Auto der Welt. Es dauerte weitere 30 Jahre, bis er vom Golf mit 21.517.415 Exemplaren als meistgebautes VW-Modell überholt wurde. Bis 2003 wurde der Käfer noch im VW-Werk Puebla in Mexiko gebaut. Nach genau 21.529.464 verkauften Exemplaren war dann endgültig Schluss.
Die Nachkriegsgeschichte des Käfer im Überblick:
Ab 1945: Der Käfer wird zum Verkaufsschlager. 1946 werden 10.000 Stück hergestellt, 1948 schon 20.000, 1950 sogar 90.000.
Ab 1953: VW-Chef Heinrich Nordhoff erkennt die Nachfrage im Ausland und exportiert den Käfer. Preissenkungen machen die Massenproduktion möglich: 1954 kostet das Standardmodell 3950 Mark. Ein Jahr später lief schon der millionste Käfer vom Band.
Ab 1974: Der Golf ersetzt den Käfer – wenn auch noch nicht vollends. In Deutschland rollte der letzte Käfer 1978 vom Band – in Mexiko sogar erst am 30. Juli 2003.