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WAZ-Interview

Diego: „Wir müssen groß denken in diesem Verein“

Seit gut einer Woche ist er da, der neue Star im Mittelfeld des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg. Im Interview mit der WAZ spricht Diego über seinen Wechsel, seine ersten Eindrücke und seine Ziele.

Seit gut einer Woche ein Wolfsburger: Mittelfeld-Star Diego.

© Photowerk

WAZ: Diego, ab wann haben Sie sich eigentlich mit einem möglichen Wechsel nach Wolfsburg beschäftigt? Diego: Dieter Hoeneß hatte meinen Vater nach Wolfsburg eingeladen, die beiden haben sich unterhalten. Und ich habe eigentlich gleich erkannt, dass das Interesse des VfL sehr, sehr ernst ist.

WAZ: Wann war das? Diego: Etwa eineinhalb Monate, bevor wir die Verträge unterzeichnet haben.

WAZ: Welche Rolle hat Ihr Vater dabei gespielt? Diego: Eine sehr große. Er ist Freund, Vater und Berater in einem. Seine Meinung ist sehr, sehr wichtig. Aber zu welchem Verein ich wechsle, ist am Ende nur meine Entscheidung.

WAZ: Nun ist der VfL Wolfsburg im Weltfußball noch nicht die ganz große Nummer – wie haben Freunde und Bekannte auf den Wechsel reagiert? Diego: Sie haben mir gratuliert. Der VfL hat fast 40 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, das zeigt doch allen, was für ein wundervolles Projekt hier entsteht. Wolfsburg war mein Wunschverein.

WAZ: Viele haben geglaubt, der VfL ist zu klein für einen großen Fußballer wie Diego... Diego: Nein, die Größe des Projekts hier und meine „Größe“ als Fußballer passen zusammen. Der VfL ist auf dem Weg, sich mit allen anderen Vereinen der Bundesliga messen zu können.

WAZ: In dieser Saison lief es allerdings noch nicht so. Diego: Stimmt, aber auch ein großes Projekt braucht Zeit. Neue Spieler, neue Trainer – das muss noch wachsen. Gegen Mainz hat man vor allem gesehen, dass von der Psyche und der Mentalität her noch etwas fehlt. Daran müssen wir arbeiten, und wir müssen groß denken in diesem Verein. Unser Ziel muss der europäische Wettbewerb sein.

WAZ: In einem Interview in Italien in dieser Woche klang es ein bisschen so, als wären Sie nicht gerne aus Turin weggegangen. Hängt da noch Frust nach? Diego: Grundsätzlich würde ich die Entscheidung, nach Turin zu gehen, immer wieder so treffen. Es war eine wunderbare Erfahrung. Es ging mir nur darum, einmal klar aufzuzeigen, dass Juventus-Sportdirektor Beppe Marotta verantwortlich für meinen Abschied von Juventus ist. Er hat mir immer gesagt, ich sei Teil des Projektes, hat dann aber hinter meinem Rücken gearbeitet. Am Ende hat er nicht klar und mutig gesagt, wie er sich die Dinge vorstellt – und das hat dann den Transfer nach Wolfsburg unnötig verzögert.

WAZ: Verglichen mit Porto und Turin war Ihre Zeit bei Werder Bremen extrem erfolgreich – passen Sie besonders gut in die Bundesliga? Diego: Mit der Liga hat das nicht so viel zu tun. Es geht immer darum, in einer Mannschaft die vorhandene Qualität zu nutzen. Für mich hat das bisher in Bremen am besten geklappt, und ich bin mir sicher, dass es auch in Wolfsburg klappen wird.

WAZ: Hat es eigentlich eine Rolle gespielt, dass Bremen nur gut zwei Stunden von Wolfsburg entfernt ist? Diego: Nein, das ist ein schöner Zufall, und ich werde bestimmt auch mal nach Bremen fahren, wenn ich Zeit habe. Wichtiger ist es, mich in Wolfsburg einzuleben. Es ist eine kleinere Stadt, aber ich mag kleine Städte. Ich möchte viel Zeit hier verbringen.

WAZ: Im neuen VfL-System spielen Sie zentral offensiv hinter einer Spitze, das ist ein wenig anders für Sie als in Bremen oder Turin. Aber eigentlich müsste es Ihnen entgegenkommen, weil Sie gern in die Spitze gehen und den Abschluss suchen... Diego: Ich fühle mich wohl auf der Position. Aber die Frage, wo welcher Spieler am meisten aus sich rausholen kann, die kann ich nicht beantworten. Das weiß nur ein Trainer – und ich habe noch nicht den Blick eines Trainers auf die Dinge. Wichtig ist, dass man einen Trainer hat, der diese Dinge erkennt. Und wir haben einen sehr intelligenten Trainer.

WAZ: Wie war Ihr erster Kontakt mit Steve McClaren? Diego: Er hat mich angerufen und mir erklärt, was er vorhat. WAZ: Mit Dolmetscher? Diego: Nein, wir haben Englisch geredet.

WAZ: Sind Sie eigentlich nach den hektischen Tagen rund um den Wechsel und das erste Spiel schon richtig in Wolfsburg angekommen? Diego: Ja, ich fühle mich wohl. Aber es ist natürlich klar, dass Fußball von Siegen lebt - Siege machen alles leichter, Siege hellen die Stimmung auf. Trotzdem hatte das Spiel gegen Mainz auch positive Momente: Ich habe gleich ein Tor gemacht, die Fans haben meinen Namen gerufen, das war ein tolles Gefühl.

WAZ: Haben Sie schon ein Haus gefunden? Diego: Nein (lacht), aber wenn jemand eine Idee hat, kann er sich gerne melden.

WAZ: Wie muss das Haus denn sein? Diego: Groß. Meine Familie aus Brasilien wird mich oft besuchen, die brauchen ja auch Platz. Und wir müssen ja auch unsere Freizeit im Haus verbringen können – so wie ich hier das Wetter einschätze.

WAZ: Und Sie brauchen demnächst ein Kinderzimmer. Diego: Ja, wir sind sehr glücklich. Vater zu werden, ist das Schönste, was ich mir im Leben vorstellen kann.

WAZ: Das Kind wird dann ein Wolfsburger. Diego: Natürlich (lacht). Das Kind sollte schon da auf die Welt kommen, wo sein Vater gerade arbeitet.


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